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Han's Klaffl begeistert Kongresshaus-Publikum mit Kuriositäten aus der Pädagogik

Von Tetrapackweißbiertrinkern und Blödflocken

Berchtesgaden – Wer am Freitagabend nicht im Großen Saal des Kongresshauses an der Didaktik-Doppelstunde teilnahm und somit einen Unterricht der besonderen Art »schwänzte«, hatte beste Kleinkunst versäumt. Kabarettist Han's Klaffl überzeugte mit spöttischen und humoristischen Anekdoten aus der Lehranstalt. Mit seinem Soloprogramm »40 Jahre Ferien – Ein Lehrer packt ein« zog der ehemalige Oberstudienrat mit einer bissigen Realsatire faule Lehrerkollegen sowie bildungsresistente Schüler ordentlich durch den Kakao.

Zynismus von Han´s Klaffl: Schule aus der Sicht der Schüler. (Foto: Tessnow)

»Joooh. Pffffhhh.« Mit einem resignierenden Schnaufen und desinteressiertem Gesichtsausdruck glotzte Han's Klaffl an die Saaldecke. Was sollte überhaupt der Strich im Han's bedeuten? Er ist ein »Deppenapostroph«. Eine irrsinnige Spekulation der nächsten Rechtschreibreform. So lautete jedenfalls die Begründung des Künstlers in seiner Vita.

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Der 65-jährige ehemalige Oberstudienrat packte in dem zweistündigen Programm seinen prall gefüllten Tornister mit grotesken Schulanalysen aus. Schließlich hatte er sich jahrzehntelang professionell Zeit genommen, diesen »Mikrokosmos« intensiv zu studieren. An seinem »Lukas-Podolski-Gymnasium«, wie er gleich die rhetorische Blutgrätsche machte. Denn dort war auch ein ganz normaler Lehreralltag ein nicht ganz normaler Lehreralltag. Die schönsten Geschichten schrieb auch für ihn bekanntlich das Leben. Klaffl wusste penetrant genau, wovon er sprach.

Vierzig Jahre war er Ebersberger Gymnasiallehrer mit Leib und Seele. Selbst als Pensionär, Autor und Kabarettist ließ ihn das Thema »Lehrer versus Schüler« nicht los. Seit 2005 steht er mit seinen Programmen erfolgreich auf den Kleinkunstbühnen der Republik. Unterrichtsstoff, bei denen wohl mancher im Publikum scharf darauf gewesen wäre, seinen eigenen Senf dazuzugeben. Da jeder einmal die Schule besuchte, entstand eine Art Didaktik-Déjà-vu. Listig gewann der Kabarettist somit aber auch schnell die Sympathien und Aufmerksamkeit der Zuhörer und löste sich gleichzeitig geschickt aus der Rolle des sturen und verstaubten Klassenzimmerdiktators.

Mit Bravour charakterisierte Klaffl verschiedene Subkulturen von Lehrertypen. Ein amüsanter Schadensrückblick in Episoden. Geistreiche Sketche inbegriffen. Folglich offenbarte er auch viele Macken seiner Berufskollegen. »Lehrerkonferenz«, nörgelte er. »Was geschieht da?« Der Ironiker klärte mit einer Gegenfrage auf: »Haben Sie schon einmal eine Farbe beim Trocken beobachtet?« Selbst bei einer drohenden »Unterhopfung« werde in der Sitzung geschummelt beziehungsweise gedopt. »Da muss das Weißbier halt getarnt in einen Tetrapack gefüllt werden«, petzte der Oberbayer.

Ebenso gehässig getadelt wurden die Schüler. »Das sind manchmal Grenzdebile«, beurteilte der Lehrer bei der Klassenarbeitskorrektur. Ohne eine Flasche Rotwein nicht zu ertragen. »Nur das Datum ist richtig«, murmelte der Zensor weiter am Pult. Klaffl brauste auf zum Rundumschlag: »Das Make-up mancher Gymnasiastin ist so dick, dass sie ihre iPhone-Kabel darunter verlegen könnte. Das ganze Gesicht ist unter Putz. Blödflocken!« Und für ihn noch schlimmer: Die Kombination von Schülern und Eltern hätte die Kraft einer kriminellen Vereinigung. »Eltern-Sprech-Tag«. Ja, da sprechen dann nur die narzisstischen Eltern und lehren die Pädagogen ihre mangelnde Pädagogik«, resümierte Klaffl zynisch.

Musikalisch frischte Han's Klaffl sein Programm mit kompatiblen Gassenhauern auf. Grummelnd zupfte er während der Lehrerkonferenz den Kontrabass zu »Another one bites the dust« von Queen. Oder aus dem Blickwinkel der Schüler betrachtend schlich ein relaxtes »Bride side of life« von Monty Python am Klavier daher. Kurz vor dem Gong beendete der Lehrer den »Unterricht« herrlich zugekifft spielend und gechillt mit Lou Reeds »Take a walk on the wild side« und entließ seine 220 gut gelaunten »Schüler« in die Ferien. Jörg Tessnow