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Von tollen Städten zu bizarren Sandsteinfelsen

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Wander- und Mountainbiketouren in Sächsischer Schweiz und Harz: Von tollen Städten zu bizarren Sandsteinfelsen
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Der Brocken ist mit 1141 Metern Höhe der höchste Berg im Harz und in ganz Norddeutschland.

Südöstlich von Dresden findet man die Nationalparkregion Sächsische Schweiz. Die Landeshauptstadt von Sachsen liegt direkt an der Elbe, einem der bedeutendsten europäischen Ströme und beeindruckt mit einer imposanten Altstadt, die auch jeder Aktivurlauber besuchen sollte. Auf engsten Raum findet der Besucher nicht nur die berühmte Semperoper, die Frauenkirche und den Zwinger, sondern auch viele Museen wie das Grüne Gewölbe mit außergewöhnlichen Schätzen.


Mit diesen kultureller Eindrücken im Gepäck geht es für den Naturfreund dann nur ein paar Kilometer weiter bis zum Luftkurort Rathen im Osterzgebirge. Er liegt im Nationalpark Sächsische Schweiz am Fuße der weltberühmten Bastei mit seiner ungewöhnlichen Felsszenerie. Den verkehrsberuhigten Ort erreicht man am besten mit der Rad- und Fußgängerfähre, um von dort in das Elbsandsteingebirge mit seinen wilden Tälern und schroffen Felsmassiven einzutauchen.

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Schmucke Fachwerkbauten

Eine besonders schöne Rundtour geht von Rathen auf den Gamrig und durch die Schwedenlöcher zur Felsenwelt der Bastei. Die Bastei ist eine Fußgängerbrücke, die spektakulär durch die Felsgipfel führt und so zum Symbolbild der Sächsischen Schweiz wurde. Vom Startpunkt, dem Parkplatz am anderen Ufer, bringt die Elbfähre den Wanderer sicher nach Rathen. Er durchquert den Ort mit seinen schmucken Fachwerkbauten, um bald darauf auf einen unscheinbaren Pfad in den Aspichgraben abzuzweigen.

Dieser führt hinauf zur Gamrig-Höhle. Die Schichtfugenhöhle sieht aus wie ein breites Maul. Das Wasser hat den Sand aus den Karstgesteinsfugen herausgespült und so einen ovalen Hohlraum hinterlassen.

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Die Bastei ist der beliebteste Aussichtspunkt im Elbsandsteingebirge. Sie zählt deswegen auch zu den meistbesuchten Touristenattraktionen der Sächsischen Schweiz. (Fotos: Till)

Der weitere Weg auf den Gipfel ist nichts für »Halbschuhtouristen«. Der sandige Pfad führt dicht am Abgrund über der Höhle hinauf und ist ausgesetzt. Trittsicherheit sowie Schwindelfreiheit sind Voraussetzung. Vom Gipfel hat man eine weitreichende Aussicht über das Elbsandsteingebirge sowie das Elbtal.

Vorsichtig steigt man dann zunächst über den Anstiegsweg wieder ab, um dann über den Knotenweg durch lichte Mischwälder zum Amselsee zu wandern. Von diesem kleinen Naturjuwel ist es nicht mehr weit zu den Schwedenlöchern. Unzählige Stufen führen über diesen technisch einfachen Steig hinauf zu den märchenhaften Felsdurchschlupfen mit ihren mächtigen Findlingen und stattlichen Felswänden.

In 300 Metern Höhe empfängt den Naturfreund der Trubel des Basteiparkplatzes. Von diesem führen zahlreiche gut gesicherte Wege auf die verschiedensten Felsgipfel. Von diesen hat man fantastische Blicke auf die Basteibrücke, das tief unten liegende Elbtal und die mächtigen Felstürme.

In der Sächsischen Schweiz gibt es über 1100 Sandsteintürme mit 27 000 Kletterrouten aller Schwierigkeitsgrade von I bis XII. Allerdings ist eine gute Sicherungstechnik erforderlich, da im empfindlichen Sandstein metallene Bohrhaken größtenteils verboten sind und fast nur Schlingen erlaubt sind. Der normale Wanderer schreitet besser über die Basteibrücke, genießt die Aussicht und steigt von hier direkt hinunter zur Elbe und erreicht nach 10 Kilometern und 450 Höhenmetern wieder Rathen.

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Beeindruckende Tiefblicke zur Elbe und zu einem Tafelberg hat man von der Burg Königstein.

Die Elbe entspringt im tschechischen Riesengebirge und mündet nach 1112 Kilometern bei Cuxhafen in die Nordsee. Der Elbradweg ist mit über 1220 Kilometern sogar noch etwas länger, wobei 380 Kilometer durch Tschechien und 840 Kilometer durch Deutschland führen. Ein besonders schöner Abschnitt befindet sich im Elbsandsteingebirge bei Königstein. Hier kann der Radler auf beiden Seiten des Stroms radeln und mit Hilfe der zahlreichen Fähren zwischen den Ufern wechseln.

Das Städtchen Königstein besticht durch seine Lage an der Elbe unterhalb des Tafelbergs. Dort gibt es auch eine Festung. Schöne Wander- und Mountainbikewege führen hinauf zum Fuß der 750 Jahre alten Burg mit seinen 40 Meter hohen Mauern. Weiter geht es nur zu Fuß hoch zum »Abenteuer Festung« mit 50 Bauwerken innerhalb ausgedehnter Grünanlagen. Ein 1,7 Kilometer langer Panoramaweg lotst den Besucher entlang der Ringmauer und bietet faszinierende Tiefblicke zur Elbe einerseits beziehungsweise Weitblicke zu den umliegenden Tafelbergen und bis nach Dresden anderseits. Statt einer Berg- bietet die alte Burgstraße die Möglichkeit einer Burgüberschreitung, um dann zurück zum Ort Königstein zu kommen.

Nur 5 Kilometer elbeaufwärts liegt Bad Schandau, der älteste Kurort der Sächsischen Schweiz. Er ist Ausgangspunkt zahlreicher Wander- und Radtouren. Eine landschaftlich besonders reizvolle Route leitet den Mittelgebirgsradler durch den Nationalpark Sächsische Schweiz Osterzgebirge zur Felsenwelt von Krippen. Gleich zu Beginn wartet ein ungewöhnlicher Asphalttrail, denn entlang des Kirnitschbachs fährt auf der rechten Straßenseite eine kleine Überlandstraßenbahn in den Nationalpark. Innerhalb der nur ein Meter breiten Trasse pedaliert der Radler 8 Kilometer bis zum Lichtenhainer Wasserfall. Dabei heißt es immer auf der Hut sein, um nicht in die Gleisspuren zu geraten und nicht mit der langsam fahrenden Bahn zusammenzustoßen.

Danach folgen schöne Waldwege mit wurzelgespickten Trailabschnitten. Im Auf und Ab geht es entlang von Bächen und Felswänden durch den Nationalpark. Im lichten Mischwald säumen unzählige meterhohe Glockenblumen den Weg und stehen im krassen Gegensatz zu den schroffen und beeindruckenden Felstürmen. Letztendlich spuckt die Nationalparkroute den Biker nach 55 Kilometern und 760 Höhenmetern an der Elbe wieder aus und er kann bequem auf dem Radweg zurück nach Bad Schandau rollen.

Knapp 300 Kilometer entfernt liegt mit dem Harz ein weiteres bedeutendes Mittelgebirge. Der Harz erstreckt sich über die drei Bundesländer – und zwar Sachsen-Anhalt, Thüringen und Niedersachsen. Der größte Teil des Harzes und der Brocken liegen in Sachsen-Anhalt. Da der Brocken mit 1141 Metern der höchste Berg Norddeutschlands ist, warnt der Deutsche Wetterdienst regelmäßig vor gefährlichen Orkanböen.

Ausgangspunkt für zahlreiche Wander- und Mountainbiketouren ist das wunderschöne Städtchen Wernigerode. Sehenswert ist die Altstadt mit seinen bezaubernden Fachwerkhäusern und dem historischen Rathaus. Hoch über dem Ort thront das opulente Schloss. Eine kurze Wanderung führt vom Marktplatz über den Lustgartenpark hinauf zu den sehenswerten Terassengärten beim Schloss. Durch das Schlossmuseum führen zwei Rundgänge und in 50 Räumen erlebt man eine beeindruckende Kunst- und Kulturgeschichte.

Von Wernigerode fährt die Harzer Schmalspurbahn unter Volldampf, weil sie von einer Dampflokomotive gezogen wird, auf den Brocken und zu vielen Orten im Harz. Dadurch und auch, weil der Harz zu den besterschlossenen Wanderregionen Europas gehört, ergeben sich vielfältige Wandermöglichkeiten. Die bedeutendsten Wandertouren sind der Harzer Hexenstieg mit knapp 150 Kilometer Länge und der Goetheweg, die beide auch auf den Gipfel des Brockens führen. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Mountainbiketouren, die in drei Trailkarten mit GPS-Daten erfasst sind. Eine der wichtigsten Touren führt von Wernigerode über den Brocken. Startpunkt ist der Bahnhof »Steinerne Renne«. Über einen naturbelassenen Bahnparalleltrail pedaliert man nach »Drei Annen« und von dort auf einem breiten Forstweg nach »Drei Annen Hohne«.

Kahle Bäume – soweit das Auge reicht

Bis hierher sind die Mischwälder mit einer artenreichen Fauna und Flora in Ordnung. In etwa 800 Metern Höhe biegt man in den fichtenbestandenen Glashüttenweg ein und erschrickt. Kahle Bäume soweit das Auge reicht. Der Borkenkäfer, die Dürre der vergangenen Jahre und die Monokultur haben dort ganze Arbeit geleistet und ganze Landschaften des Nationalparks Harz in eine gespenstisch anmutende Vegetationswüste verwandelt.

Leicht irritiert erreicht man die Brockenstraße und fährt weiter zum Gipfel. Dort ist man nicht nur einer steifen Brise, wie die Norddeutschen zu sagen pflegen, sondern auch dem Touristenrummel ausgesetzt. Trotzdem genießt man das 360-Grad-Panorama und freut sich auf die Abfahrt über einen steilen und löchrigen Betonplattenweg aus vergangener DDR-Zeit.

Nach 200 Tiefenmetern erreicht der Downhiller eine Forststraße, die ihn zur Bremer Hütte und anschließend über einen Jagdweg mit kräftigen Gegenabstieg zum Gasthaus Plessenburg bringt. Von dort rollt der Radler über den »Oberförster-Koch-Wanderweg« und erreicht nach 37 Kilometern und 1050 Höhenmetern den Ausgangspunkt der Mountainbikerunde, die einen Vergleich mit alpinen Touren nicht scheuen muss. So erkennt der Naturliebhaber einmal mehr, wie reizvoll unsere deutschen Mittelgebirge sind. Rudolf Till