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Von zartbitter bis hundsgemein

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Hündchenlyncherin Sarah Hakenberg. (Foto: Heel)

Tauben vergiften im Park, das ginge ja noch. Aber Hündchen lynchen in München! Oder gar zu erwägen, den Freund mit der Säge zu zersägen! Böse Phantasien, die man der zierlichen, adrett gekleideten jungen Dame niemals zutrauen würde, wenn sie die Bühne betritt, leicht verhuscht und unbedarft wirkend. Doch wehe, wenn sie loslegt bzw. sich ans Klavier setzt und anfängt, von der Liebe zu singen. Oder besser gesagt: von Liebesbeweisen, die schon mal tödlich enden können. Wenn die preisgekrönte Münchner Autorin und Kabarettistin Sarah Hakenberg ihr zweites Programm »Fleischhauerball« präsentiert, mit dem sie jetzt im gut besuchten Studiotheater des Traunreuter k1 zu Gast war.


»Fleischhauerball« deswegen, wie sie dem Publikum erklärt, weil das im 19. Jahrhundert der Titel eines irrsinnig erfolgreichen Theaterstücks gewesen sei, über dessen Autor und Inhalt aber niemand mehr etwas wissen würde. Nur passend also, dass sie sich u. a. die Popsängerin Lady Gaga vornimmt, die mit ihrem Kleid aus Fleischlappen Furore gemacht hat. Deren Song »Monster« übersetzt sie ausführlich und lobt die komplexe zweite, gesellschaftskritische Bedeutungsebene: »Wir machten French Kissing auf einem U-Bahn-Wagen ... er aß mein Herz und dann aß er mein Hirn. Der Typ ist ein Monster.«

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Mehr Glück (bis jetzt) hat hingegen ihr Freund, der Informatiker Ingo, dem sie ins Ohr säuselt: »Sei froh, dass ich dich noch immer mag.« Wobei sie die Säge schon parat hat. Da lassen Ludwig Hirsch und Georg Kreisler grüßen bei so viel Charme, gepaart mit bösem Witz, bei so viel scheinbar freundlicher Naivität, die ruckzuck in schwärzesten Humor kippt. Aber nicht nur ihre (selbst geschriebenen) Texte haben es in sich, auch Wort, Mimik und Gesang reißen mit, ebenso ihr klasse Spiel am Piano.

Köstlich und erhellend auch ihre sogenannte »Schlagermoves« wie Tablett, Waage oder Stein, also die Posen, mit denen unsere Schlagersänger die Wirkung ihrer Liedchen zu verstärken suchen. Achten Sie mal darauf, wenn Helene Fischer, Hansi Hinterseer & Co. ihre typischen Handbewegungen machen.

Und dass sie durchaus ernsthaft sein, bewies sie abschließend mit dem Lied vom Kinderfest der NPD, mit dem sie beim diesjährigen Prix Pantheon in Bonn antreten wird. Wolfgang Schweiger