Vor 15 Jahren war Eiszeit am Königssee

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Radfahrten über den Königssee waren im Winter 2006 sehr beliebt. Auch (v.l.) Hans, Martina und Andi Klegraefe genossen das kleine Abenteuer. (Fotos: privat)

Schönau am Königssee – Polarluft strömte zuletzt auch ins Berchtesgadener Land, die Temperaturen fielen am Wochenende teilweise auf minus 17 Grad. Den Königssee hat das allerdings nicht beeindruckt, von Vereisung ist fast nichts zu sehen. Vor 15 Jahren war das anders, da war der komplett zugefrorene See letztmals zur Begehung freigegeben. Hans und Martina Klegraefe aus Schönau am Königssee erinnern sich.


Im Januar und Februar des Jahres 2006 überzog eine bis zu 40 Zentimeter starke Eisdecke den gesamten See. Ganze 29 Tage lang war die Eisfläche von der dafür zuständigen Kommission zur Begehung freigegeben. Zehntausende Menschen machten sich auf den Weg nach St. Bartholomä und sogar nach Salet und zum Obersee. Unterwegs waren sie zu Fuß, mit Schlittschuhen, auf Langlaufskiern oder Fahrrädern.

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Unter ihnen auch Hans und Martina Klegraefe aus Schönau am Königssee. Der Ehemann erinnert sich: »Meine Frau Martina war am 16. Januar 2006, ein paar Tage vor der offiziellen Freigabe, alleine mit den Schlittschuhen bis weit hinter St. Bartholomä unterwegs – mir war es mit meinen 90 Kilogramm auf den schmalen Kufen irgendwie zu riskant. Noch dazu war das Eis total durchsichtig und man konnte an den flachen Stellen sogar den Boden sehen.«

Weil es Martina Klegraefe so gut gefallen hat, ist sie dann am nächsten Tag gleich noch mal mit ihrer Schwester Regina losgezogen. Hans Klegraefe: »Danach sind wir dann, wie so viele andere, alleine oder mit Freunden mit allen möglichen Hilfsmitteln wie Langlaufski, Radl, Schlitten fast täglich losgezogen.«

An einem der Tage ging Hans Klegraefe auch mit einem Freund und seiner Familie drüber, der Freund mit Schlittschuhen, Hans Klegraefe mit Langlauf­skiern. Dabei ist der Freund dann bei einem kleinen Spalt bis zum Bauch eingebrochen. »Der Spalt war Gottseidank relativ weit vorne am See, der Freund konnte sich eigenständig rausdrücken und wir sind sehr rasch zurückgelaufen.«

Für eine Freigabe des Eises zur Begehung muss es eine Mindestdicke von 15 Zentimetern haben. Die Eiskommission entscheidet dann. Am schnellsten friert der See zu, wenn das Wasser eine Temperatur von vier Grad Celsius hat, denn dann hat es die größte Dichte. Solange keine äußeren Faktoren, wie zum Beispiel Wind oder extreme Kälte einwirken, kann der See dann in Ruhe zufrieren. Aktuell ist der Königssee allerdings von einer Vereisung, die eine Begehung ermöglicht, weit entfernt. Und das, obwohl der Schiffsverkehr seit Wochen ruht. Lediglich im direkten Uferbereich der Seelände gibt es eine dünne Eisdecke die maximal von Enten begangen werden kann. Wie man auf mehreren Webcams gut beobachten kann, ist der See ansonsten fast komplett eisfrei. Und das wird erst einmal so bleiben, denn für die nächsten Tage ist Tauwetter angesagt.

Ulli Kastner

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