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Vor Gericht: Hat Teisendorfer 12-Jährigen gewürgt und geschlagen?

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Laufen – Über Jahre hinweg war seine Fischerhütte immer wieder mutwillig beschädigt und Teile davon in den Weiher geworfen worden. Im August 2016 schien der Rentner aus dem Gemeindegebiet Teisendorf zwei Buben auf frischer Tat ertappt zu haben.


Weil er den älteren der beiden gewürgt und geohrfeigt haben soll, musste sich der 65-Jährige vor dem Laufener Strafrichter wegen vorsätzlicher Körperverletzung verantworten. Der stellte das Verfahren gegen eine Geldauflage ein.

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Der Rentner hatte Fotoalben in den Gerichtssaal mitgebracht. Auf den Fotos war zu sehen, was an und um die Hütte über die Jahre zerstört worden war. Bei einem Bauwagen wurden die Fenster eingeworfen, noch ehe er diesen für seine Gänse nutzen konnte. Dasselbe bei einem kurzzeitig dort abgestellten Bagger. »Irgendwas war immer«, erklärte der Rentner resigniert. Ein Verfahren in dieser Sache war 2015 eingestellt worden.

Ein vermeintliches Ende fand die Geschichte am frühen Abend des 2. August 2016. Zusammen mit einem befreundeten Gast aus der Schweiz saß der Rentner auf der Hausbank seines Hauses und erkannte, wie zwei Buben und ein Mädchen zu der etwa einen halben Kilometer entfernten Fischerhütte liefen.

Mädchen soll mit Fuß an Tür getreten haben

»Wir sind gleich mit dem Auto los«, erzählte der 79-jährige Schweizer, der gesehen haben will, wie das Mädchen mit dem Fuß gegen die Hüttentüre trat. Der angeklagte Rentner schilderte, dass die beiden Buben auf einer Bank gestanden hätten und in Begriff waren, den Fensterbalken herunterzureißen. »Die waren so vertieft, dass sie uns erst gar nicht bemerkt haben.«

Eine versuchte Flucht der Buben scheiterte an einem nahen Bach. Der Rentner beteuerte, den damals Zwölfjährigen nur so lange am T-Shirt gepackt zu haben, bis dieser Name und Wohnort verriet. Gewürgt und geohrfeigt habe er den Buben keinesfalls.

Der Jugendliche versicherte im Zeugenstand, zum ersten Mal bei dieser Hütte gewesen zu sein und dort zusammen mit seinem Bruder und der kleinen Cousine lediglich auf der Bank gesessen zu haben. »Der hat mich getreten, gewürgt und dreimal eine Watschn verpasst«, beschuldigte der Bub den Teisendorfer. »Bevor der meinen kleinen Bruder schlägt, habe ich schnell Namen und Ort gesagt.«

Warum sie denn weglaufen wollten, wenn sie doch gar nichts gemacht hätten, fragte Staatsanwältin Andrea Wimmer den heute 13-Jährigen, was der allerdings nur vage mit dem Hinweis auf eine frühere Erfahrung in einer nahen Kiesgrube erklären konnte. Rechtsanwalt Hans-Jörg Schwarzer konfrontierte den Buben mit den Aussagen des Angeklagten und des Schweizer Zeugen: »Ist das also frei erfunden und ihr wart ganz brav?«

Daraufhin mischte sich die Mutter der Buben ein: »Ich bin entsetzt«, sagte sie über die Befragung ihres Älteren. Für die Vernehmung des heute Elfjährigen beantragte sie den Ausschluss des Angeklagten. Dafür legte sie dem Gericht ein ärztliches und psychologisches Attest vor, worin eine Belastung und psychologische Schäden nicht auszuschließen seien und der Kleine mit einer erneuten Konfrontation mit den damaligen Geschehnissen traumatisiert werden könnte.

Angeklagten bei Befragung ausgeschlossen

Verteidiger Schwarzer widersprach dem Antrag, gleichwohl entschied Richter Christopher Lang auf den Ausschluss des Angeklagten während der Befragung des Elfjährigen. Auch der versicherte: »Wir waren noch nie dort und sind nur auf der Bank gesessen.« Er bestätigte Tritt und Watschn und die angebliche Drohung des Rentners: »Beim nächsten Mal bringe ich euch um.« Die kleine Cousine aus Linz war nicht als Zeugin geladen worden.

Rechtsanwalt Schwarzer bat schließlich alle Verfahrensbeteiligten zu einem »Verständigungsgespräch«, stellte andernfalls aber auch einige Beweisanträge in Aussicht zur Glaubwürdigkeit der beiden Buben und den angeblichen Rötungen an Gesicht und Hals des Älteren. Am Ende der Beratung stand eine Verständigung: Zahlt der angeklagte Rentner innerhalb von drei Monaten 750 Euro an die Staatskasse, wird das Verfahren gegen ihn eingestellt.

»Seither war dort an der Hütte nichts mehr«, stellte der Teisendorfer abschließend fest. höf