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Vor WM-Anpfiff: Gewalt bei Protesten in Brasilien

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Proteste
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Kurz vor der WM nehmen viele Menschen in Brasilien an Demonstrationen teil. Foto: Antonio Lacerda Foto: dpa

São Paulo (dpa) - Vier Wochen vor dem WM-Anpfiff in Brasilien haben Tausende Menschen in mehreren Austragungsorten der Fußball-Weltmeisterschaft protestiert. Die hohen Ausgaben für das Großereignis sorgen für Wut.


In der WM-Eröffnungsstadt São Paulo und in Rio de Janeiro, wo am 13. Juli das Finale stattfinden soll, kam es dabei zu Gewalt zwischen Demonstranten und Polizei. Die brasilianische Regierung spielte die Proteste herunter: Aus ihrer Sicht richten sie sich nicht gegen die Fußball-WM.

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Am sogenannten Internationalen Tag des Kampfes gegen die WM nahmen am Donnerstag zahlreiche soziale Organisationen teil. Obdachlosenverbände forderten bezahlbare Wohnungen und streikende Lehrer bessere Arbeitsbedingungen. Viele Demonstranten trugen Plakate, auf denen in Anspielung auf die neuen und modernen WM-Stadien die Forderung stand: »Schulen und Hospitäler nach FIFA-Standard«, »FIFA, geh nach Hause« oder »Nein zur WM«, hieß es auf anderen. Protestaktionen wurden auch aus den WM-Spielorten Belo Horizonte, Fortaleza und Brasília gemeldet. In Brasília besetzten Demonstranten kurzzeitig ein Regierungsgebäude.

In São Paulo wurden über 20 Menschen festgenommen. Vier Menschen wurden nach Angaben der Zeitung »O Globo« bei Zusammenstößen verletzt. Maskierte Randalierer demolierten Geschäfte und Banken und zündeten Müll auf der Straße an. Die Polizei setzte Tränengas und Gummigeschosse ein. Etwa 2000 Menschen blockierten im Osten von São Paulo zeitweise die Zufahrt zum Stadion Arena Corinthians, wo die WM am 12. Juni eröffnet wird.

In dem Viertel besetzten obdachlose Familien schon Anfang des Monats unter dem Motto »Copa do Povo« (WM des Volkes) ein etwa vier Kilometer vom Stadion entferntes brachliegendes Areal. »Wir wollen den Widerspruch aufzeigen, der darin liegt, dass Milliarden für dieses Ereignis ausgegeben werden, während das Volk selbst Wohnungen braucht«, sagte Maria das Dores Cerqueira, eine der Organisatorinnen.

Entspannung zeichnete sich indes in der WM-Stadt Recife ab, wo die Polizei einen Streik beendete und noch in der Nacht zum Freitag wieder an die Arbeit gehen wollte. Die Stadt war während des Streiks von einer Kriminalitätswelle erschüttert worden. Der Fußballverband CBF hatte wegen der angespannten Sicherheitslage eine am Wochenende im WM-Stadion Arena Pernambuco geplante Zweitliga-Partie verschoben. Die DFB-Elf bestreitet am 26. Juni ihr drittes Gruppenspiel gegen die USA in Recife.

Die Proteste schreckten die Regierung nicht. »Was uns besorgt ist, wenn antidemokratische Methoden, wenn Gewalt angewendet wird, sei es aufseiten der Polizei oder aufseiten der Demonstranten«, sagte Präsidialamtsminister Gilberto Carvalho. Die Demonstranten nutzten lediglich die Gelegenheit, »Forderungen zu präsentieren, die legitim sind, aber wenig mit der WM zu tun haben«. Die Regierung zeigte sich erleichtert, dass weniger Menschen an den Protesten teilnahmen als befürchtet, berichtete »O Globo«. Die WM-Gegner hätten ihr Ziel verfehlt.

Nach Regierungsangaben werden für die Weltmeisterschaft insgesamt 26,5 Milliarden Reais (8,7 Milliarden Euro) investiert. Davon stammen rund 84 Prozent aus öffentlichen Mitteln. Die WM wird vom 12. Juni bis 13. Juli in zwölf brasilianischen Städten ausgetragen. 2013 waren zum Confederations Cup bis zu eine Million Menschen aus Protest gegen Korruption, Misswirtschaft und die Milliarden-Ausgaben für die WM auf die Straße gegangen.

Amtl. Nachrichtenagentur ABR

Bericht Zeitung O Globo