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»Wagners Musik ist viel besser als sie klingt …«

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Eine musikalische Lesung im Traunsteiner Kunstraum Klosterkirche gestalteten Silke Aichhorn an der Harfe und Martin Fogt. (Foto: M. Heel)

Heiteres aus der Musikgeschichte und der Musikwelt stand auf dem Programm der Lesung, die der renommierte Radiosprecher, Autor und Musikwissenschaftler Martin Fogt, begleitet von der Harfenistin Silke Aichhorn, in der Traunsteiner Klosterkirche hielt. Veranstalter war die Stadtbücherei Traunstein im Rahmen der Chiemgauer Kulturtage unter dem geheimnisvollen Titel »Mein Koch ist musikalischer als Gluck …«; ein Urteil, das einst Georg Friedrich Händel über seinen Kollegen Christoph Willibald Ritter von Gluck (1714 bis 1787) gefällt hatte, wie Martin Fogt eingangs erläuterte.


Mit seinem ersten Lesebeitrag, der Kurzgeschichte »Solo für eine Geige« von Henry Slesar, entführte Martin Fogt das Publikum hinter die Kulissen des Musikgeschäfts. Genauer gesagt, zu einem alternden (Orchester) Geiger, der nicht mehr spielen kann und seit einem Jahr nur so tut. Entsprechend beunruhigt ist er, als er zum Vorspielen beim Maestro gebeten wird. Doch wider Erwarten läuft alles bestens und er wird, mit Lob überhäuft, entlassen. Der Maestro hat nur gesehen, aber nichts gehört, kann gar nicht hören; denn er ist taub.

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Viel Spaß beim Zuhören bereiteten auch die Texte von Wolfgang Hildesheimer (»Das Gastspiel des Versicherungsagenten«), Peter Hacks (»Mozart auf der Reise nach Paris«) oder Ludwig Uhland (»Rosalinda Petersons Klavier«). Und von Mark Twain (»Wagners Musik ist viel besser als sie klingt …«) hörten wir, dass von seinen Landsleuten unter fünfzig Besuchern einer Oper vielleicht einer wirklich Gefallen daran finden würde: »Von den übrigen neunundvierzig gehen viele, glaube ich, hin, weil sie sich daran gewöhnen möchten, und die anderen, um mit Sachkenntnis davon reden zu können. Letztere summen gewöhnlich die Melodien vor sich hin, während sie auf der Bühne gesungen werden, um ihren Nachbarn zu zeigen, dass sie nicht zum ersten Mal in der Oper sind. Sie verdienten, dafür gehängt zu werden.«

Gelobt sei also, wer sich selbst als unmusikalisch bezeichnet, so wie Kurt Tucholsky in seinem Text »Die Musikalischen«, über die er schreibt: »… Auch ist viel Stolz in ihnen und schöne Gesinnung, weil dass sie so musikalisch sind, was sie oft mit musisch verwechseln – besonders die Frauen hassen das Gemeine, sind unentwegt edel und schweben hörbar eine Handbreit über dem Boden. So – ‘Ich bin eine Hohepriesterin der Musik, und das will ich mir auch ausgebeten haben.’«

Musikalisch kongenial begleitet wurde Martin Fogt bei seiner Lesung von Silke Aichhorn, die dabei ihr überragendes Können als Harfenistin einmal mehr unter Beweis stellte, schwungvoll, farbenreich und sehr differenziert. Sie eröffnete den Abend mit dem Türkischen Marsch aus Mozarts Sonate Nr. 11 A-Dur, gefolgt von einem Tango (Jean-Michel Damase), einem Glissandowalzer (W. A. Mozart) und einer Händel Sinfonie aus dem Oratorium »Saul und Sarabande« in D-Moll, um nur ein paar zu nennen, wobei die Klosterkirche mit ihrer hervorragenden Akustik eine beinahe unübertreffliche Klangschönheit ermöglichte.

Kurzum: Literarische Perlen, gepaart mit allerfeinster Harfenkunst, das ergab ein erstklassiges Zusammenspiel, das die rund 60 Besucher auch mit entsprechend kräftigem Applaus bedachten. Wolfgang Schweiger

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