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Das Musikkollegium Traunstein bot ein ausgesuchtes Programm beim dritten Sinfonischen Konzert

Wagnerwogen, Waldhörner und eine wunderschöne Sinfonie

Erstaunlich, dass zum dritten Abend der Sinfonischen Konzerte Traunstein trotz der Häufung musikalischer Veranstaltungen, Jubiläen und sonstiger Events an diesem Tag eine wohltuend große Zahl von Besuchern in die Aula der Berufsschule an der Wasserburgerstraße gekommen war. Aber eigentlich doch nicht erstaunlich: Die konsequente Aufbauarbeit von Augustin Spiel mit dem Musikkollegium Traunstein hat die verdiente Anerkennung gefunden, das Orchester ist in der Region zum Garanten für gediegene und wohlbedachte Konzerte sinfonischen Zuschnitts geworden.

Dirigent Augustin Spiel beim dritten Sinfonischen Konzert vor der Streichergrupppe des Musikkollegiums Traunstein und dem Waldhornquartett »Hornissimmo« (links). (Foto: Kaiser)

Wagnersches Weben und Wogen wirkte durch das »Albumblatt«, das der Komponist 1861 als Klavierminiatur der Fürstin Metternich in Paris gewidmet hat; es erklang in Traunstein in der beliebten Orchesterfassung. Nach einem typischen Vorhalt-Akkord stützte es sich auf wirkungsvolle Tannhäuser-Motive. Willkommene Aufhellung brachte die außer Programm eingeschobene »Polka« aus der Tschechischen Suite op. 39 von Antonín Dvorák. Diese 1879 entstandene, fünfsätzige Komposition betont den vielschichtigen Nationalcharakter in einer Pastorale, einer Sousedská, einer Romanze, einem Furiant und eben der Polka, die mit frischen, doch einschmeichelnden Rhythmen gefiel.

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Zum Vorzeigestück des Abends geriet das »Concertstück für vier Hörner und Orchester« (1856) von Carl Heinrich Hübler, einem Waldhornisten an der Dresdner Hofkapelle. Er war 1849 an der ersten Privataufführung des Konzertstücks für vier Hörner und Orchester op. 86 von Robert Schumann beteiligt. Dieses Ereignis war für Hübler der Anlass, aus seiner profunden Kenntnis des Horns heraus ein eigenes Werk für diese Besetzung zu schaffen; 1856 war es vollendet.

Die Solisten im Traunsteiner Konzert waren die vier jungen Hornisten Margreth Nußdorfer, Christian Fath, Maximilian Schellenberger und Philipp Dufter, eine liebenswerte Banda mit Freude am Fortissimo und Pianissimo und unbändiger Leidenschaft für das Waldhorn – »Hornissimo« eben. »Hornissimo« gründete sich im Jahr 2011 als Hornquartett der Musikhochschule München und »beschallt« seither erfolgreich den südbayerischen und Salzburger Raum.

Ein machtvoller Einstieg der Hörner nach der kurzen Orchestereinleitung im ersten Satz ließ bereits aufhorchen. Dann wechselte einstimmiger Horngesang über flirrenden Streicherklängen ab mit schmissig synkopierten Signalen. Eine genussvoll-andächtige Passage leitete das Adagio ein, das prächtige Solo-Quartett-Episoden für die jungen Bläser brachte. Mit einer knappen Überleitung führte das Orchester zum Allegro vivace, das ebenfalls mit reizvollen musikkantischen Einfällen nicht geizte. Den frohen Dank des Publikums für diese exzellent musizierte Neuentdeckung quittierten »Hornissimo« mit dem in dieser Quartett-Bearbeitung hochvirtuosen und anspruchsvollen, doch witzigen »Le Petit Nègre« von Claude Debussy.

Die »Zweite Halbzeit« des Konzerts erfreute die Zuhörer mit der heitern, beschwingten Sinfonie Nr. D-Dur D 200 von Franz Schubert aus dem Jahr 1815. Unverständlich bleibt, dass dieses Werk selbst von Schubert-Freunden nicht beachtet wurde – es erfuhr seine erste Aufführung erst 1881!

Eine Adagio-Einleitung, bei der sich die Holzbläser gültig präsentierten, ging über in ein Allegro con brio mit kostbar skandierten Klarinettenthemen, glutvoll ausmusiziert. Ein luftiges Thema im Allegretto, delikat dargeboten, schloss einen stampfenden, polkaartigen Teil ein. Kraftstrotzend und in der 1-3-Betonung schwingend kam das Menuetto, dem sich ein köstliches, liedhaftes Trio der Holzbläser dazwischenschob. Geradezu unbändig in seiner Lebhaftigkeit ereignete sich der Presto-Schlusssatz.

Augustin Spiel, der das Konzert klar, schnörkellos und zielführend dirigiert hatte, ließ sich auf keine Zugabe ein – der Dvorák in der ersten Halbzeit war ja eh schon eine – und ermöglichte damit den mehrfach interessierten Zuhörern, die entscheidenden Tore in der »Doppelzugabe« des Pokalendspiels zu sehen... Engelbert Kaiser