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Wahre und unwahre Geschichten

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Meister des spitzbübischen Humors und der feinen Ironie: Emil Steinberger. (Foto: M. Heel)

Mit seiner Kultfigur »Emil« hat der Schweizer Kabarettist, Autor und Schauspieler Emil Steinberger in den 1970er und -80er Jahren im gesamten deutschsprachigen Raum Riesenerfolge gefeiert. Danach schrieb und inszenierte er ebenso erfolgreich unzählige Werbespots, unter anderem für »Schweiz Tourismus«, bevor er Ende 1993 nach New York zog, um dort ein Leben in der Anonymität zu führen. 1999 erschien sein erstes Buch »Wahre Lügengeschichten«, zwei Jahre später mit »Emil via New York« sein zweites.


Jetzt hat der mittlerweile 81-jährige Kabarettist im vollbesetzten Saal des Traunreuter k1 sein neues Bühnenprogramm »Drei Engel« vorgestellt, eine Sammlung meist unglaublich klingender Geschichten, die entweder wahr oder geflunkert seien, wie er eingangs anmerkte. Für das Publikum ein heiteres Ratespiel, da man bei vielen dieser Geschichten partout nicht glauben mochte, dass sie sich tatsächlich so abgespielt haben. Doch immer wieder hob der Kabarettist drei Finger zum Schwur, daher auch der Titel seines Programms, und beteuerte treuherzig, ja, genau so war’s und nicht anders. Aber ob nun wahr oder nur gut erfunden, letzten Endes spielte es keine Rolle. Die Zuhörer haben sich prächtig amüsiert und auch Emil Steinberger hatte sichtlich Spaß an seinem Auftritt.

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Ein schönes Beispiel war hierfür seine Story über ein häusliches Missgeschick. Da hielt er den mit einem blauen Fingerling überzogenen Mittelfinger seiner rechten Hand hoch und erzählte anschaulich und absolut überzeugend, wie er in der heimischen Küche beim Reiben eines Emmentalers ein Loch im Käse übersehen habe. Und schon sei es passiert. Fast unheimlich hörte sich dagegen seine Geschichte »Das Gästebuch« an, die sich in einem Mainzer Restaurant, das er zufällig aufgesucht habe, abgespielt haben soll. Da wurde er um einen Eintrag ins Gästebuch gebeten, wo zu seiner Verblüffung schon ein Eintrag von ihm existierte: »Auf Wiedersehen in 10 Jahren.« Datiert vor 10 Jahren und 3 Tagen! Hochamüsant und dabei informativ war auch, was er von New York zu erzählen wusste, wo er sechs Jahre lang gelebt und seine jetzige Frau kennengelernt und geheiratet hat. Dort werde man zum Beispiel bei einem Restaurantbesuch von einer Schar zuvorkommender Kellner geradezu umsorgt, während in Deutschland der Kellner meist nur ein knappes »So?« herauspresse, wenn er an den Tisch kommt, und ein weiteres »So?«, wenn der Gast zahlen möchte.

Recht seltsam erschien ihm allerdings die Begeisterung der Amerikaner für Utensilien der Schweizer Armee, etwa für die garantiert kriegserprobte Swiss Army Watch oder das Armee-T-Shirt. Noch seltsamer hörten sich allerdings einige Gesetze an, die er zum Besten gab und die in den USA immer noch gelten. So darf im Bundesstaat Connecticut ein Mann seine Frau am Sonntag nicht küssen (»Sechstagewoche«), und in Tennessee darf eine Frau nur Auto fahren, wenn ihr Mann mit einer roten Fahne vor dem Wagen herläuft.

Kurzum, ein Auftritt, der nicht nur zum Schmunzeln und Staunen anregte, sondern auch zum Nachdenken, präsentiert mit spitzbübischem Humor und feiner Ironie. Wolfgang Schweiger

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