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Wakeboarden oder »Speed-Schnorcheln«?

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Niko Formanek seifte das k1-Publikum mit Wiener Schmäh ordentlich ein. (Foto: Benekam)

»Gleich Schatz…!«. Gleich was? Kennt man ja. Zeit gewinnen, für was auch immer. Der österreichische Comedian Niko Formanek war bis auf Weiteres der Letzte, der im Traunreuter k1 für beste Unterhaltung gesorgt hat. Sein ursprünglich im Studio geplantes Comedy-Programm »Gleich Schatz…!« wurde in den k1-Saal verlegt. Ob er nach seinem Auftritt im Deutschen Lande wohl wieder zurückreisen dürfe, fragte er sich schmunzelnd zu Beginn der Veranstaltung.


Er habe vorgesorgt und sei mit seiner Frau in engem Kontakt: »Wenn alle Sticke reißen, kehre ich über 'Diddmoning' (oder wie heißt das Grenzstädtchen?) heim.«. Dort soll, im Fall der Fälle, die familiäre Rückholaktion stattfinden. Bis dahin aber sollte der Österreicher Traunreut mit Wiener Schmäh einseifen – und das tat er wirklich.

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Gleich mal vorausgeschickt hat er, bevor es richtig in die Vollen ging, dass all die Inhalte seiner »Lachnummern« von seiner Familie nach sorgfältiger Überprüfung auf ihre zum Teil peinlichen Inhalte »freigegeben« seien. In so manch abstruser Begebenheit des Geschlechter- und Generationenkonflikts der Familie Formanek, die sich der Comedian zum Programminhalt auserkoren hat, fand sich der ein oder andere Gast aber selbst wieder.

Sein Hirn weigere sich, sein wahres Alter zu begreifen, erklärte der 50-Jährige. Deshalb habe ihn auch seine Frau zu ihrem persönlichen »Sozialprojekt« gemacht. Er selbst fühle sich als 25-Jähriger, im Körper eines 50-Jährigen gefangen – nur eben mit gültiger Kreditkarte.

Lottospielen brauche er nicht: Seine Frau sei der Hauptgewinn. Gemeinsame Themen gingen auch beim Älterwerden nicht aus – etwa Gleitsichtbrillen oder Diäten. Etwas weniger unproblematisch gestalte sich das Thema Kommunikation – und das sei von Anbeginn der Ehe ein heikles Thema gewesen: So formuliere Frau statt einer Bitte stets eine Frage, und in diese Falle tappe er, also Mann, bis heute hinein. Liegt etwa ein Wäschestück auf dem Boden kommt von ihr: »Ist das deins?« Statt: »Räum das weg«, was doch viel deutlicher wäre.

Doch stellt sich bei weiteren Themen schnell heraus, dass auch Mann in Sachen kreativem Umgang deutlich ausgesprochener alltäglicher »To-Do-Maßnahmen« sich vor Frau nicht verstecken muss. Dass ein maroder, im Garten stehender Baum gefällt werden soll, und zwar von einem Fachmann, sieht Mann so gar nicht ein und macht sich stattdessen selbst ans Werk. Die Ausführung dessen, was der unsachgemäße Einsatz einer Motorsäge anrichten kann, kam fast einem Kettensägen-Massaker gleich, bei dem zwar am Ende der Baum fiel, jedoch leider in die falsche Richtung. Und nachdem das durch die Luft fliegende Mordinstrument so ziemlich alles in der Nähe Befindliche ruiniert hatte, war genau der Versicherungsfall, den die Baumfällarbeit hätte verhindern sollen, eingetreten.

Schallendes Gelächter gab's im k1 auch bei Formaneks Schilderung der verblüffenden Metamorphose seiner heranwachsenden Kinder zu erbarmungslos wütenden Pubertäts-Aliens mit ausgeprägter Sammel- (und Gammel-) Leidenschaft (Geschirr oder Wäsche). »Wir lieben sie trotzdem«, schoss er nach.

Nicht weniger schräg war seine Schilderung von Urlaubserlebnissen: Wakeboarden entwickelte sich für das Familienoberhaupt zum »Speed-Schnorcheln« und das (Wasser-)Rutschen mit den halbwüchsigen Kindern im »Aquapark« zur unvergesslich peinlichen Tragödie in bis an die Belastungsgrenze strapazierter Tanga-Badehose.

Niko Formanek kann, und das hat er im k1 bewiesen, über seine Erzählungen in den Köpfen seiner Zuschauer Bilder hervorrufen. Er beschreibt in aller Ruhe und das bis ins Detail, ist Meister des fantasievollen Überzeichnens und setzt seinen Pointen am Ende noch ein buntes Krönchen auf. Sein Publikum »füttert« er geschickt an, wirft ihm Bröckchen für Bröckchen delikate und hoch komische Leckerbissen hin und führt es am Ende seiner niveauvollen und nie »den anderen beschämenden« Comedy-Show zum Leitfaden seiner Botschaft: Eine solche, lacht er, habe er nämlich nicht. Vielmehr riet er seinen Gästen, in Momenten des Ärgers, der Wut oder sonstiger negativer Gefühlslagen, sich einfach die ein oder andere lustige Szene seines Programms vors innere Auge zu holen. Kirsten Benekam