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Warum ist das Licht gegeben?

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Der Chor Il Coro Nuovo zog mit Musikstücken aus unterschiedlichen Epochen einen Spannungsbogen zwischen Leben und Tod. Mit dem anspruchsvollen Konzert unterstützt der Chor den Hospizdienst. (Foto: Heigl)

Mitten im gerade erst zart beginnenden Frühling fällt es gar nicht so leicht, in ein Konzert zu gehen, das sich mit dem Tod beschäftigt. Aber der Tod geht alle an, egal zu welcher Jahreszeit, er ist immer unter uns.


Der dramatische Spannungsbogen von Tod und Leben, von Leid und Freude, von Krieg und Frieden hat die aus unterschiedlichen Epochen und Stilrichtungen zusammengestellten Musikstücke beim Benefizkonzert zugunsten des ambulanten Hospizdienstes der Caritas Traunstein geeint. Der Chor Il Coro Nuovo unter der Leitung von Alessandra De Crescenzo, stellte mit den sehr verständlich gesungenen Texten die Fragen, die jeden bewegen, wenn das Thema Sterben auf die eine oder andere Art seine Aufmerksamkeit fordert.

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Am wichtigsten scheint doch die Frage zu sein »Wie wollen wir sterben?« Der ambulante Hospizdienst der Caritas Traunstein versucht Tag für Tag, den Menschen eine Antwort anzubieten.

In der etwa zehnminütigen sechsstimmigen Motette »Warum ist das Licht gegeben dem Mühseligen« von Johannes Brahms lotete der Chor die Fragen des Lebens und des Todes textlich und musikalisch aus und genoss in einer ruhigen und zurückhaltenden Haltung das eigentümliche, sehr farbig schillernde Klangbad der stellenweise überraschend modern klingenden Komposition.

Neben Kompositionen von Johann Sebastian Bach, »Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn«, und Felix Mendelssohns »Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir« waren auch moderne Komponisten zu hören. Mit der Musik des erst kürzlich verstorbenen Knut Nystedt empfanden die zahlreich erschienenen Zuhörer des geistlichen Konzerts den Spannungsbogen von der Vergangenheit in die Moderne.

Die Klangstudie »Immortal Bach« zu »Komm süßer Tod« von Johann Sebastian Bach fächerte Nystedt in verschiedene Zeitschichten auf. Jede Stimme sang die ersten zwei Zeilen gleichzeitig in verschiedenen Tempi, wobei die Sänger im Kirchenraum verteilt Aufstellung bezogen. Mit Knut Nystedts »Missa Brevis (0p. 102)« für achtstimmigen Chor stellten die Musiker ein weiteres Werk des Komponisten vor, das mit seiner meditativ-psychedelischen Formsprache moderne Spiritualität widerspiegelte. Der etwa 20-köpfige Chor leistete auch diese Aufgabe mit Bravour.

Mit Texten von Dietrich Bonhoeffer, die einzelne Chormitglieder zwischen den Chorsätzen verlasen, bekamen die Zuhörer Gelegenheit, das Thema zu vertiefen. Dass zum Schluss des Konzertes das Lob des Herrn mit der Komposition »Alleluia« des amerikanischen Komponisten Ralph Manuel (geboren 1951) stand, zeigte, mit wie viel Hoffnung und Liebe die christliche Religion die Endgültigkeit des Todes zu mildern weiß und dass der Glaube an die Auferstehung zentraler Trost für die Gläubigen ist. Barbara Heigl

Der Chor Il Coro Nuovo wird am Wochenende bei zwei weiteren Konzerten das Spannungsfeld zwischen den konträren Polen menschlicher ausloten: Am Samstag tritt der Chor um 19 Uhr in der evangelischen Erlöserkirche Marquartstein auf, am Sonntag um 19 Uhr in der Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt Ising. Bei den Konzerten unter der Leitung von Alessandra De Crescenzo soll auch Dietrich Bonhoeffer gedacht werden, dessen Todestag sich am 9. April zum 70. Mal jährt.