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Was für ein Erfolg: Der erste Titel für Ernst Tanner in Amerika

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Der Teisendorfer Ernst Tanner ist seit Sommer 2018 Sportdirektor der Philadelphia Union. (Foto: Bittner)
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Die Mannschaft der Philadelphia Union feierten den Gewinn der Eastern Conference. Jetzt geht es in den Playoffs weiter – und die Mannschaft will auch dort ganz weit kommen. Foto: dpa

Die Fußballer von Philadelphia Union haben sich den Titel in der Eastern Conference der Major League Soccer (MLS) geholt. Und jetzt wollen sie noch mehr – und zwar den MLS-Cup! Einer der Väter des Erfolgs kommt übrigens aus unserer Region: Der Teisendorfer Ernst Tanner ist seit Sommer 2018 Sportdirektor bei Philadelphia Union.

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»Wir haben bisher immer als Underdog gegolten, diesen Status geben wir jetzt immer mehr ab«, freute sich Tanner, der nach wie vor auch in Bad Reichenhall eine Bleibe hat. »Philadelphia hat bislang auch noch nichts gewonnen, der Titel war also wie ein Befreiungsschlag für uns«, ergänzte der 54-Jährige im Gespräch mit unserer Sportredaktion.

In diesen Tagen weilt Ernst Tanner übrigens gerade in Deutschland – aus beruflichen Gründen, wie er betonte. Seine Kontakte nach Europa sind nach wie vor hervorragend. Erst vor kurzem unterschrieb etwa Union-Spieler Brenden Aaronson bei Red Bull Salzburg, das 19 Jahre alte Talent wechselt in der Winterpause zu den Österreichern. Aber Tanner konnte auch schon einige Spieler nach Amerika holen, den Ulmer Kai Wagner beispielsweise.

»Aber ich nutze die Zeit jetzt freilich auch für einen Heimatbesuch«, ergänzte Tanner. In wenigen Tagen geht es für ihn dann aber schon wieder zurück in seine zweite Heimat, damit er auch rechtzeitig zu den Conference-Finals wieder in den USA ist.

Auf wen sein Team, in der ersten Runde der Playoffs trifft, steht noch nicht fest. Möglicherweise kommt es zu einem Duell mit dem FC Inter Miami. Der Club von Mitbesitzer David Beckham rettete sich durch ein 2:1 gegen den FC Cincinnati noch auf Rang zehn und sicherte sich so in der Debüt-Saison die Chance auf die Playoffs. Dazu muss das Team am 20. November nach der Länderspielpause gegen den SC Nashville gewinnen. Auch für das Team aus Tennessee – es beendet die Saison auf Rang sieben – ist es die erste Spielzeit in der MLS.

Doch ganz egal, wie der Gegner heißen wird, Tanner hat für seine Mannschaft einen großen Vorteil ausgemacht. »Wir haben jetzt nur Heimspiele vor uns.« Das sei gleich aus mehreren Gründen ein enormer Pluspunkt, versicherte der Sportdirektor. »Denn erstens sind wir daheim ausgesprochen gut, zweitens dürfen wir vor ein paar Zuschauern spielen und drittens ist es auch angesichts der momentanen Reisesituation ein Vorteil für uns.«

Aktuell sei das Stadion von Philadelphia Union mit rund 15 Prozent ausgelastet, informierte Tanner noch. Das Sicherheitskonzept funktioniere gut und deshalb hofft er sogar darauf, dass in der Finalrunde eventuell ein paar mehr Fans ins Stadion kommen dürfen. Alles in allem seien die Amerikaner im Umgang mit der Coronavirus-Pandemie auch viel gelassener. »Wir tragen zwar auch alle Masken, aber die Restaurants sich beispielsweise geöffnet«, berichtete Tanner. Sein Team und auch der Betreuer- und Funktionsstab müssen sich allerdings regelmäßig auf das Virus testen lassen.

Die Conference-Finals starten am 24. November mit den Viertelfinals. Dann geht es Schlag auf Schlag weiter. Die Halbfinals sind für den 2. Dezember terminiert, das Finale für den 6. Dezember und dann ermitteln die beiden Sieger der Conference-Runden am 12. Dezember noch den Meister.

Ernst Tanner traut seiner Mannschaft nun den ganz großen Wurf zu. »Wir wollen jetzt den MLS-Cup gewinnen«, sagte er. »Aber das ist natürlich eine heikle Sache«, ergänzte er, »da hängt einiges auch vom Zufall ab.«

Doch auch so ist die Saison bisher ein großer Erfolg für den Verein. Tanner hat sich mittlerweile übrigens »gut eingearbeitet«, wie er betonte. Und: »Es gefällt mir sehr gut in Amerika.« Seine Aufgabe sei nicht ganz einfach gewesen – gerade am Anfang. »Aber jetzt trägt sie erste Früchte«, freute er sich. Tanner war vor seinem Engagement in Philadelphia ja Leiter der Nachwuchsakademie des österreichischen Serienmeisters Red Bull Salzburg gewesen. Zuvor war er bereits in mehreren Funktionen bei der TSG 1899 Hoffenheim tätig sowie fünf Jahre lang der Leiter der Nachwuchsabteilung beim TSV 1860 München.

Mit seiner akribischen Arbeit hat er nun Philadelphia Union zu einem Titelanwärter gemacht. »Wir sind in der Tat von Saison zu Saison besser geworden«, berichtete er stolz. Sein Konzept: »Wir fördern junge Spieler, haben ein innovatives Scouting-System und geben wenig Geld aus. Wir arbeiten also unter dem Strich sehr effizient«, hob er hervor. Und das komme in Amerika auch sehr gut an. »Mittlerweile sind wir für viele eine Art Vorbild-Verein.« Und in den Conference-Finals soll jetzt noch das i-Tüpfelchen auf eine bisher schon sehr erfolgreiche Saison gelingen. SB