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Was geht und was nicht geht

Er macht seit über dreißig Jahren Musik, schreibt satirische Texte, Lieder, Theaterstücke, Bücher, Shows und Musicals für Erwachsene und Kinder, und züchtet nebenbei Tomaten. Jetzt war »Bayerns bester Meier« in der gut besuchten Traunsteiner Kulturfabrik NUTS mit seinem neuen Programm »… apps geht imma!« zu Gast. Ein schönes Wortspiel, denn »ebbs geht imma«, vor allem dann, wenn man genügend Apps bzw. Applikationen auf sein Smartphone geladen hat, also Funktionen, Programme und Spiele, die einem das Leben erleichtern oder einfach nur Spaß machen.

Bayerns bester Meier gastierte mit seinem neuen Programm »...apps geht imma!« im NUTS. (Foto: Heel)

Wie zum Beispiel der Sepp, der für alle Wechselfälle des Lebens das richtige App parat hat, und dem Meier eingangs auch gleich sein Lied »Frag ma an Sepp« widmete. Wer also auf einer Fahrradtour durch Grönland von einem auf frische Radler spezialisierten Eisbären attackiert werden sollte, keine Sorge. Anruf genügt, und der Sepp kann einem sagen, was (noch) geht.

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Doch der digitale Alltagsdschungel mit seinen scheinbar unendlichen Möglichkeiten diente Meier nur dazu, um zwischendurch immer wieder mal Erscheinungen wie den SMS-Wahn aufs Korn zu nehmen. Muss ja auch eine geradezu entsetzliche Erfahrung sein, wenn man in der S-Bahn bemerkt, dass man sein Handy vergessen hat. Und man plötzlich, quasi als Online-Loser, zum Fenster hinausschauen muss.

Im Mittelpunkt seines Programms standen jedoch heiter-spöttische Lieder, in denen der sympathische Kabarettist mit treffsicherem Wortwitz und hinterlistigem Humor so manches kommentierte, was uns bewegt, ärgert oder auch erfreut. Etwa in dem Lied »Der Stromanbauer«, das von einem Landwirt erzählt, der auf Photovoltaik-Anlagen umgerüstet hat und nun eigentlich zufrieden sein könnte. Mist und Dreck sind weg, und nach Silo stinkt er auch nicht mehr. Dem aber doch, wenn er zurückblickt in seine Kindheit, gelegentlich unheimlich wird dabei.

Unheimlich könnte es einem auch werden, wenn man sieht, wie eine alteingesessene Bäckerei nach der anderen verschwindet und der Filiale einer Kette Platz macht. Von Meier in dem Lied »Der Kettenhasser« mit Furor und unter eifriger Beteiligung des Publikums schön auf den Punkt gebracht. Speziell an uns Männer gerichtet war ein weiteres Lied, das davon handelt, warum wir uns so verdammt schwer tun, alte Klamotten zu entsorgen. Weil die ja noch (nach fünf Jahren ungenutzt im Schrank!) pfennigguat seien. Wohl oder wehe also dem, der von sich sagen kann: »Mei Frau schmeißt alles weg.«

Apropos Männer! Die können auch anderweitig in die Zwickmühle geraten, etwa dann, wenn man mit seiner Haushälterin unter einem Dach wohnt und »der Geist willig und das Fleisch noch stark ist«, der Beruf dem Trieb aber im Weg steht. Wie das enden kann, erzählte Meier so verschmitzt wie lebensnah in seinem Liebeslied »Verliebter Pfarrer«. Denn, so sein Credo gegen Ende des Programms, »Das Leben, des is koa Sparkasse«, das Leben ghört verbraucht und nicht wie ein Konto geführt, penibel in gesunde Führung (plus) und Ausschweifungen (minus) aufgeteilt. Oder anders gesagt: »Ebbs geht imma«, auch ohne Apps. Wolfgang Schweiger