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Was ich noch zu sagen hätte

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Auch wenn es übertrieben klingt, aber wenn man zwischendurch die Augen schloss und sich voll und ganz auf die Musik konzentrierte, konnte man fast meinen, Reinhard Mey höchstpersönlich stünde auf der Bühne. So genau traf Stefan Eichner den Tonfall und die Spielweise des Liedermachers bei seinem Auftritt in der sehr gut besuchten Traunsteiner Kulturfabrik NUTS.


Ein Auftritt, für den der Künstler – besser bekannt als »Das Eich« – eigens aus dem 370 Kilometer entfernten Kulmbach angereist war, wo er vor zwei Jahren bei einem Benefizkonzert erstmals Lieder von Mey vorgetragen hat. Die überwältigende Resonanz auf diesen Auftritt brachte ihn auf die Idee, ein ganzes Programm mit Mey-Liedern zusammenzustellen. Also trat er mit dem Liedermacher in Kontakt und fragte ihn, ob er das – sozusagen als zweites Standbein – überhaupt so machen könne. Mey, der unter dem Namen Frederic Mey auch in Frankreich Popularität genießt, war einverstanden.

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»Ich hätte die Lieder auch so singen können, aber ich wollte von Reinhard Mey das Okay haben«, so Eichner. Das »Okay« sei dann aus dessen Ferienhaus auf Sylt gekommen, in bereits vertraulicher Anrede: »Lieber Stefan, allein die Tatsache, dass du mich freundlich fragst ...« Wobei er allerdings kein »Best of« im Sinn hatte, so Eichner weiter, sondern eine durchaus subjektive Auswahl, die auch Lieder »aus der 3. und 4. Reihe« beinhalte. Mit dem Auftaktlied »Freundliche Gesichter« besang er das Ringen um künstlerische Anerkennung, eine Situation, die ihm selbst nicht fremd sein dürfte. Genauso wie die Erfahrungen als Vater dreier Kinder, die er bei Mey in den Liedern »Aller guten Dinge sind drei«, »Es gibt keine Maikäfer mehr« und What a lucky man you are« wiederfand.

Mit »Über den Wolken« präsentierte er dann das Lied, das wie kein anderes mit Mey verbunden ist. Über denen schwebt der 1942 in Berlin geborene Sänger und leidenschaftliche Pilot allerdings schon seit geraumer Zeit nicht mehr, die Fluglizenz hat er aus Altersgründen freiwillig zurückgegeben. Dass der Mörder immer der Gärtner ist, man bei Hempels besser nicht unters Bett schaut und das wahre Leben sich in den Todesanzeigen abspielt, ist dank Mey nun ebenfalls bekannt, und als Eichner das mit tiefschwarzem Humor gewürzte Lied »Diplomatenjagd« zum Besten gab, spürte man, wie erfrischend aktuell und politisch viele von Meys Liedern eigentlich sind.

Ein Umstand, auf den Eichner auch in seinen Ansagen zu sprechen kam, etwa beim »Narrenschiff« (1998), Meys ganz persönlichem »Bericht zur Lage der Nation«, in dem es heißt: »Keiner an Bord vermag die Zeichen zu deuten! Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken, und der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken. Die Mannschaft lauter meineidige Halunken, der Funker zu feig, um SOS zu funken. Klabautermann führt das Narrenschiff - volle Fahrt voraus und Kurs aufs Riff.«

Mit drei Zugaben, darunter der unvergängliche Hit »Gute Nacht, Freunde«, verabschiedete sich Eichner vom Publikum, das von dieser Hommage an einen der größten deutschen Songpoeten sichtlich begeistert war. Wolfgang Schweiger

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