weather-image
13°

»Was ist der Mensch, der bayerische?«

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Kam bei seinem Kabarettabend in Reit im Winkl bisweilen vom Weg ab: Bruno Jonas ließ die über 500 Zuschauer im Festsaal teilweise etwas ratlos zurück. (Foto: Ostermaier)

Bruno Jonas gilt weithin als einer der ganz großen bayerischen Kabarettisten, als scharfsinniger Beobachter, als einer, der mit seinen feinzüngigen und hintergründigen Formulierungen vermeintliche Schieflagen des politischen und gesellschaftlichen Weltbildes zu karikieren und zurechtzurücken versteht – das bayerische schon sowieso.


So überrascht es kaum, dass sich weit über 500 Gäste im Reit im Winkler Festsaal einfanden, weil Jonas Aufklärung versprach unter der Überschrift: »So samma mia – die Welt aus bayerischer Sicht«. Fast drei Stunden dauerte dieses neue Soloprogramm, wobei der mittlerweile 60 Jahre alte Jonas am Ende ein durchaus zweigeteiltes Publikum hinterließ: Während viele Gäste sich über Pointen und Spitzen prächtig amüsierten, zeigten sich viele auch irritiert und ratlos ob seiner Unverbindlichkeit, seiner Oberflächlichkeit, die wohl auch daraus resultierte, dass er nicht immer ganz textsicher war und sich bisweilen doch weit von seinem Kernthema entfernte.

Anzeige

Dies Kernthema fasste er in einer Frage zusammen: »Was ist der Mensch?«, wobei er den bayerischen Menschen freilich in den Mittelpunkt seiner Betrachtung rückte. Antworten suchte er beispielsweise in der Chronologie Bayerns, die er stückweise beleuchtete. Dieser bayerische Mensch, so fand Jonas heraus, sei im Laufe der Geschichte zunächst bayerisch gar nicht gewesen, vielmehr sei er von außerhalb »rüber- oder runter- oder zurückgekommen, oder er war fußkrank«, weshalb er hier bleiben musste. Was also sei das bayerische Selbstwertgefühl denn wert, wie lasse sich dieses enorme Selbstbewusstsein erklären? »Der homo bavaricus – die Spitze der Evolution?«

Antworten suchte er aber auch bei den Philosophen, die den Menschen als vernunftgesteuert definieren. Allerdings hatte Jonas in vielerlei gegenwärtigen Beobachtungen seine liebe Mühe, bei politisch aktuellen Diskussionen und Entscheidungen die Vernunft als Handlungsgrundlage erkennen zu können. So ist es seiner Ansicht nach nicht vernünftig, Politikern mit der Wahl »eine Generalvollmacht für vier Jahre zu erteilen«, weswegen er »Wahlen schlicht abschaffen würde«.

Sinnvoller erschien es ihm an dieser Stelle, dass einmal jährlich der Bürgermeister eines Ortes stattdessen den Wählern den Haushaltsplan zur Prüfung vorlege, »dann schaue ich gerne mal drüber«. Föderalismus und Vernunft? Für Jonas gibt es da wenig Zusammenhang – nicht geschichtlich, nicht politisch, nicht notwendig. »Das Saarland zum Beispiel, des braucht kein Mensch«, ereiferte er sich und findet eine ganze Reihe von Optimierungsmöglichkeiten bei Bürokratie und Bildung, welche die Zusammenarbeit zwischen den Bundesländern erleichtern könnten.

Vieles streifte Jonas im Verlaufe seines Soloprogramms, er erzählte viel Biographisches, er erzählte auch Witze, er verlor sich mitunter in seinen Gedanken und konnte scheinbar selbst sein Leitthema nicht immer genau im Auge behalten, womit er es auch seinem Publikum nicht eben einfach machte.

Am Ende erhielt Bruno Jonas für sein neues Programm viel Applaus und wirkte beim Abgang trotzdem nicht zufrieden. Vielleicht ja, weil er sich bei diesem Auftritt etwas entfernt hatte von dem Bruno Jonas, der als scharfer Beobachter und Formulierer als einer der ganz großen Kabarettisten im Lande gilt. Hanns Ostermaier