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Was wäre die Poesie ohne die Liebe...

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Die Theater-Strickerei Grabenstätt mit ihrem gemütlichen Ambiente bot den idealen Rahmen für die poetisch-musikalischen Reisen mit der Grabenstätter Lyrikerin und Erzählerin Roswitha Bräu, Christina Kaiser (hinten) steuerte die passenden Harfenklänge bei. (Foto: Müller)

Nach 15-jähriger Pause kehrte die Grabenstätter Lyrikerin und Erzählerin Roswitha Bräu auf die Bühne zurück und sie tat dies, als wäre sie nie weg gewesen.


Mit ihren zwischen 1983 und 2012 geschriebenen einfühlsamen und tiefsinnigen Texten über die Natur, menschliche Gefühle und die Liebe nahm sie ihre Zuhörer in der Grabenstätter Theater-Strickerei gleich zweimal mit auf unterhaltsame, besinnliche und poetische Reisen und Begegnungen, die den restlos begeisterten Besuchern noch lange in Erinnerung bleiben werden. Bei ihrem zweiten Auftritt – von dem hier die Rede ist – sorgte die Nachwuchsharfenistin Christina Kaiser aus Traunstein mit Walzern, Landlern und Weisen für die wohlklingende Untermalung und erntete dafür am Ende sogar »Bravo«-Rufe.

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Auch Bräu, die für ihr von vielen ersehntes Comeback lange Zeit auf der Suche nach einer passenden Harfenistin war und dann sogar zwei fand, war voll des Lobes: »Ein Traum von einem jungen Harfen-Mädchen, ich bin dir Christina sehr dankbar, dass Du mich heute begleitet und uns so viel Freude bereitet hast«. Zu Beginn der poetisch-musikalischen Reise ging es mit »Komm mit« ins Land des Regenbogens, » (…) dort wo die bunten Träume sind, dort hat die Fantasie noch Flügel, die leicht wie Seifenblasen sind. (…). Komm mit, lass uns die Farben sammeln für jeden grauen Tag, damit auch ohne Regenbogen davon ein bisschen bleiben mag«. Die Besucher kamen gerne mit – wohl wissend, dass sie angesichts des Novembergraus noch eine ganze Weile auf den nächsten Regenbogen warten werden müssen.

Doch was wäre die Poesie ohne die Liebe. Die so facettenreiche Liebe, von der Bräu erzählte, »ist frei wie der Wind, von zärtlich sanft bis stürmisch und rau, (…), ist tief wie der Ozean, von ruhig bewegt, bis gefährlich und wild, (…) ist bunt wie ein Kaleidoskop, von einfach bis unendlich brillant, eben nicht nur rosarot und himmelblau.« Zu oft passiere es den Menschen, dass sie mit ihren Gedanken beim Gestern oder beim Morgen seien, und das Heute und Hier und Jetzt vergessen, meinte Bräu und beendete ihr Werk »Der Augenblick« mit den lebensbejahenden Worten: »Genieße jeden Augenblick, lass ihn nicht so vergehn, erfass ihn ganz und halt ihn fest, ganz langsam wirst du deine Welt mit anderen Augen sehn«.

Freud und Leid liegen oft nah beieinander, auch Bräu hat dies in ihrem Leben erfahren müssen. Ihrer viel zu früh verstorbenen Tochter hat sie ebenso ein Werk gewidmet wie ihrem Enkelkind, dem sie zur Erstkommunion den Text »Für Dich« schrieb. Darin heißt es: »Ich wünsche mir für dich, dass du dich mit all deinen Besonderheiten entdecken wirst. Dass du begreifen kannst wie wichtig deine Gefühle sind. Dass Zeit dein kostbarster Besitz ist, um sie mit Glück und Freude zu füllen. Dass ein Leben eine wunderbare Reise ist und du bestimmst wohin sie führt. Dein Leben ist ein Geschenk (…)«.

Ein großes Geschenk war auch dieser Lyrikabend. »Es war heute ganz großartig, ich habe viel mitnehmen können«, so eine Besucherin. Da es mittlerweile viele neue Werke gebe, denke sie an die Herausgabe eines dritten, neu zusammengestellten Buches, so Bräu. Doch wer nicht lesen, sondern einfach nur die Augen schließen, zuhören und die Seele baumeln lassen möchte, der kann sich auf weitere Lyrikabende von und mit Bräu freuen, die sie einst bis ins Ausland führten. »Ich kann mir gut vorstellen, dass ich auch mal einen Abend mit drei Harfenistinnen mache, mit Christina und zwei weiteren jungen Damen, die alle die gleiche Harfenlehrerin haben«, so Bräu. Vielleicht gibt es auch einmal ein Bräu-Hörbuch mit großen Gefühlen, zum Nachdenken, Träumen, Entspannen und Loslassen. Markus Müller