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Die Versorgung muss in kommunaler Trägerschaft bleiben – 50 Jahre Otting-Pallinger Gruppe

Wasser ist kein Spielball von Konzernen

Palling – Die Wasserversorgung Otting-Pallinger Gruppe (OPG) feierte ihr 50-jähriges Bestehen beim Michlwirt in Palling. Dabei erinnerte der Vorsitzende, Pallings Bürgermeister Josef Jahner, daran, dass die Surgruppe seinerzeit »Geburtshelfer« der Otting-Pallinger Gruppe war; sie trage auch deren Verwaltung mit und sei sozusagen der ältere Bruder der OPG. Er betonte, die Gründerväter und alle, die bisher an der Entwicklung mit beteiligt waren, hätten sich mit Weitblick, Mut und Durchhaltevermögen ausgezeichnet und sich dafür eingesetzt, dass die Menschen in der Region ständig genügend sauberes Wasser zur Verfügung haben, denn »Wasser ist unser wichtigstes Lebensmittel – Wasser ist Leben!«

Franz Hasholzner, Werk- und Geschäftsleiter des Zweckverbands zur Wasserversorgung OPG, erinnerte an die Gründung des »Zweckverbands zur Wasserversorgung der Otting-Pallinger Gruppe« am 16. Dezember 1964. Vorsitzender war Pallings Bürgermeister Franz Schillinger, Stellvertreter Georg Ertl, Bürgermeister von Freutsmoos, Geschäftsführer war Hans Hopf, der seine Erfahrungen aus der Surgruppe eingebracht hat. Verbandsvorsitzende waren die jeweiligen Bürgermeister der Gemeinde Palling, Franz Schillinger, Josef Mayr und bis heute Josef Jahner. Werkleiter war nach Hans Hopf in den Jahren 1975 bis 2008 Lorenz Reiter. Seit 2008 hat diese Funktion Franz Hasholzner inne.

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Surgruppe wickelt die Verwaltungsarbeiten ab

Zu den Gründungsmitgliedern gehörten die damaligen Gemeinden Asten, Freutsmoos (Palling), Freimann, Kirchweidach, Otting, Pierling, Taching am See, Tengling und Tyrlaching, später kamen noch die Gemeinden Wald/Alz, Kay, Halsbach und Feichten dazu. Seit der Gründung werden die Verwaltungsarbeiten über die Surgruppe abgewickelt, was die Kosten für die OPG auf einem verträglichen Maß hält. 1967 wurde konkret mit dem Bau der regionalen Wasserversorgung begonnen.

Nach und nach wurden im Zeitraum von zehn Jahren mehrere Brunnen und Hochbehälter gebaut, sodass die Wasserversorgung heute mit den Brunnen I, II und III in Palling und dem Brunnen V bei Sieberöd, je einem Hochbehälter in Siegelberg und Baumham und dem Betriebsgebäude am Brunnenweg in Palling technisch auf einem gesunden Fundament steht. Auch die personelle Besetzung ist gut gesichert. Ein Brunnen in Giglberg ist derzeit außer Betrieb.

Heute werden etwa 12 500 Menschen im Einzugsgebiet der OPG mit naturbelassenem Trinkwasser versorgt. Nicht zu vergessen sind die Leistungen des Verbandes für den Brandschutz mit 377 Oberflur- und 718 Unterflur-Hydranten für Löschzwecke.

Dr. Juliane Thimet vom Bayerischen Gemeindetag betonte: »Unser wertvollstes Lebensmittel – das Wasser – ist durch nichts zu ersetzen. Bei der Otting-Pallinger Gruppe kommt es ohne Aufbereitung, ohne Nachbehandlung 'einfach so' aus dem Wasserhahn. Das ist unglaublich und doch wahr.« Die Verknüpfung der 50 Jahre alten Otting-Pallinger Gruppe mit der Surgruppe sei ein Segen, gemeinsam sei man so stark, dass man etwa 29 000 Einwohner mit qualitativ hochwertigem Trinkwasser versorgen könne.

In Bayern gebe es 2300 Wasserversorgungs-Unternehmen, wobei die OPG hinsichtlich der Wasserförderung unter den 167 besten Gruppen liege, mit der Surgruppe sogar unter den 37 besten Gruppen. Aber man müsse im Hinblick auf das Freihandelsabkommen TTIP aufpassen, die Wasserversorgung in kommunaler Hand zu behalten – diese Gefahr sei noch nicht ausgestanden. »Es ist noch nicht erreicht, den Bereich Wasser aus dem TTIP herauszuhalten«, mahnte Dr. Thimet. Wasser sei lokal und kein Spielball von Konzernen!

Eine heilige Kuh, die man keinesfalls schlachten darf

Der CSU-Landtagsabgeordnete Klaus Steiner sagte, Wasser sei das Lebensmittel schlechthin und könne durch nichts ersetzt werden. Dass die Wasserversorgung in kommunaler Hand bleibt, sei eine heilige Kuh, die man keinesfalls schlachten dürfe. Stellvertretender Landrat Josef Konhäuser appellierte ebenfalls, die kommunale Wasserversorgung gegen die Kommerzialiserung zu verteidigen. Das Freihandelsabkommen dürfe nicht die Wasserversorgung an sich ziehen.

Teisendorfs Bürgermeister Thomas Gasser, Vorsitzender der Surgruppe Teisendorf, hob hervor, man müsse dankbar sein, dass man ausreichend Wasser für jeden hat. Er selbst habe drei Jahre in Tansania miterlebt, wie es ist, wenn man zweimal täglich zu Fuß kilometerweit zur Wasserstelle gehen und das Wasser in Behältern auf dem Kopf heimtragen oder sich gar mit wild lebenden Tieren an einem Wasserloch arrangieren muss. Was den Wasserpreis betrifft, machte Gasser einen interessanten Vergleich: Ausgehend vom Wasserpreis 1,15 Euro (inklusive Mehrwertsteuer 1,23 Euro) pro Kubikmeter (1000 Liter) zahlen Menschen, ohne mit der Wimper zu zucken für Katzenmilch einen Preis von umgerechnet bis zu 6,55 Euro pro Liter. Trinkwasser in bester Qualität zum Preis von 1,15 Euro sei eine Top-Leistung, und man müsse darauf achten, dass dies in kommunaler Selbstverwaltung bleibt. cw