weather-image
22°

Wasserwacht warnt: Auf dem Hintersee herrscht Lebensgefahr

3.2
3.2
Ramsau: Auf dem Hintersee herrscht durch Eisfläche Lebensgefahr – Wasserwacht warnt
Bildtext einblenden
Foto: Webcam Hintersee

Ramsau – Viele Spaziergänger und Schlittschuhläufer haben sich in den vergangenen Tagen im wahrsten Sinne des Wortes auf's Glatteis begeben. Doch viele sind sich der großen Gefahr auf zufrierenden Seen nicht bewusst.


Martin Planegger, stellvertretender Technischer Leiter bei der Wasserwacht Berchtesgaden, hat dem »Berchtesgadener Anzeiger« dieses Foto geschickt. Es zeigt die Eisfläche am Hintersee.

Anzeige

Doch der Schein trügt: Nicht nur, dass es noch offene Stellen im Eis gibt, es ist auch nicht vollständig tragfähig. Die Wasserwacht Berchtesgaden warnt dringend davor, den Hintersee in diesen Tagen zu betreten – dazu kommt, dass es wieder wärmer werden soll und somit noch unsicherer auf dem Eis.

Generell erfolgt ein Betreten nur auf eigene Gefahr. Dennoch raten die Retter derzeit besonders dringend davon ab.

Für den Ernstfall rät die Wasserwacht:

Laut um Hilfe rufen. Auf jedem Fall vermeiden, dass man unter das Eis gerät. Wenig bewegen, um möglichst wenig Körpertemperatur zu verlieren. Sofort Hilfe holen über die Notrufnummer 112. Die eingebrochene Person beruhigen. Nur mit Hilfsmitteln wie Rettungsring, Leitern (teilweise an Seen am Uferbereich vorhanden), Ästen, Abschleppseil oder ähnlichen Gegenständen die zur Verfügung stehen, die eingebrochene Person absichern.

Nur zur Rettung ans eisige Wasser gehen, wenn man selbst über eine weitere Person mit einem Seil gesichert sind. Den Verunglückten an Land bringen, in der stabilen Seitenlage lagern und vor Kälte schützen, bis der herbeigerufene Rettungsdienst eintrifft.

Eisflächen auf natürlichen Gewässern sollten besser gemieden werden; zum Schlittschuhlaufen stehen vielerorts Eislaufbahnen zur Verfügung. Wer dennoch Wintersport auf dem Eis treiben möchte, sollte grundsätzlich nur an bewachten Gewässern und nie allein auf das Eis gehen sowie auf die Warnungen der örtlichen Behörden, der lokalen Medien und Hinweis- und Verbotsschilder vor Ort achten.

Interview mit der Technischen Leitung der Wasserwacht Berchtesgaden

Was sind die konkreten Gefahren an zugefrorenen Gewässern?

Die Eisstärke, ihre Beschaffenheit und somit die Tragfähigkeit können stark schwanken und sich selbst in einem kleinen Umkreis enorm verändern. Deshalb ist es trügerisch, sich darauf zu verlassen, dass das Eis schon halten werde.

Denn die Entwicklung des Eises ist von vielen Faktoren abhängig, beispielsweise von Luft- und Wassertemperatur, Wind, Strömung (u.a. von einmündenden Bächen, Flüssen oder Quellen), von der Wassertiefe und einem sich ändernden Wasserstand, Pflanzenbewuchs unter Wasser, Schnee auf dem Eis (der isolierend wirkt und so potentielle Schwachstellen verdeckt) oder Erwärmung des Eises durch Sonnenschein. Dies sind nur einige Beispiele, wie die Eisbildung ungünstig sein kann.

Warum ist das so gefährlich?

Im kalten Wasser kann sich ein Mensch in der Regel nur wenige Minuten über Wasser halten. Schnell lassen die Kräfte nach und man ist zu stark geschwächt, um sich über Wasser halten zu können. Wer ins Eis einbricht, verliert bei den niedrigen Wassertemperaturen schnell das Bewusstsein und läuft so Gefahr, zu ertrinken.

Wann ist das Eis tragfähig?

Es muss in der Regel mehrere Wochen strengen Frost geben, damit Gewässer richtig zufrieren. Aufgrund der vielen Einflussfaktoren auf die Eisdicke gibt es keine wirklich verlässliche Antwort auf diese Frage.

Wo bekommt man Informationen zu Eisflächen?

Informieren kann man sich bei den Behörden vor Ort, beispielsweise den Wasserwirtschaftsämtern oder den zuständigen städtischen Referaten. Diese geben teilweise das Eis offiziell frei.

An diesen Gewässern finden sich Hinweisschilder, ob das Eis betreten werden darf oder nicht, zudem liegen am Ufer in der Regel Seile, Ringe und Leitern bereit. Auch das Betreten dieser Eisflächen geschieht jederzeit auf eigene Gefahr.

Was sind Anzeichen für eine zu dünne Eisschicht?

Unter anderem dunkle oder schwarze Stellen im Eis zeigen an, dass die Schicht noch viel zu dünn ist. Auch verschneite Eisflächen und bewachsene Uferzonen sind gefährlich. Ebenso sind Seen, die von Bächen oder Flüssen durchzogen sind, gefährlich. An den Ein- oder Ausflüssen kann innerhalb weniger Meter das Eis deutlich dünner als auf dem Rest des Sees sein.

Wie verhält man sich, wenn das Eis knackt?

Falls das Eis knistert und knackt, am besten flach hinlegen, um das Gewicht zu verteilen und in Bauchlage ruhig in Richtung Ufer bewegen oder robben.

Wie verhält man sich, wenn man selbst ins Eis eingebrochen ist?

Ruhe bewahren, laut um Hilfe rufen und auf sich aufmerksam machen. Wenig bewegen, da der Körper sonst noch schneller auskühlt. Sich über Wasser halten, nicht unter das Eis geraten, sich falls möglich am Rand des Eises festhalten oder auf dickeres Eis hochziehen, gegebenenfalls auch seitwärts mit Händen und Füßen gleichzeitig.

Falls das Eis beim Versuch, darauf zu klettern weiter einbricht, kann man sich langsam in Richtung Ufer bewegen, indem man mit Ellenbogen oder Fäusten die Eisfläche zerschlägt, bis man ans Ufer gelangt.

Wie kann man helfen, wenn jemand ins Eis eingebrochen ist?

Hilfe über die Notrufnummer 112 holen, die eingebrochene Person beruhigen. Falls möglich, die eingebrochene Person absichern mit Hilfsmitteln wie Rettungsring, Leitern, Ästen, Abschleppseilen oder ähnlichen Gegenständen. Nur selbst ans eisige Wasser gehen, wenn man selbst über eine dritte Person mit einem Seil gesichert ist und am besten liegend, beispielsweise mit einer Leiter als Hilfsmittel, um das Gewicht auf dem Eis bestmöglich zu verteilen.

Keinen direkten Kontakt mit dem Verunglückten herstellen, nicht direkt die Hand reichen, immer ein Gegenstand dazwischen, beispielsweise einen Stock. Den Verunfallten an Land bringen, bei Bewusstlosigkeit in der stabilen Seitenlage lagern und vor Kälte schützen, bis der Rettungsdienst eintrifft.

fb/red/mp/ml