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Watzmann Therme leidet unter Besucherflaute

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Die Watzmann Therme macht der TRBK derzeit Sorgen, weil die Besucherzahlen zurückgehen. Ein Gutachten soll im kommenden Jahr die Möglichkeiten für das Freizeitbad aufzeigen. (Foto: BGLT)

Berchtesgaden – Die Watzmann Therme hatte jahrelang in ihrer Beliebtheit alle Erwartungen übertroffen. Doch so langsam entwickelt sich das Berchtesgadener Freizeitbad zum Sorgenkind der Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee (TRBK). Das Bad verliert wegen seines Alters an Attraktivität, die Konkurrenz wird stärker, die Grenzkontrollen lassen viele Besucher aus Salzburg ausbleiben und im heißen Sommer 2015 zogen die Menschen die Freibäder vor. Wie es weitergeht, wusste auch am Donnerstag im TRBK-Zweckverband niemand. Nun wartet man auf das Ergebnis eines Gutachtens zum Thema »Wie viel Bad braucht die TRBK?«


Alles andere als zufriedenstellende Zahlen konnte Christoph van Bebber, Geschäftsführer der Watzmann Therme GmbH, den Verbandsräten präsentieren. Da begann er lieber mir einer Bilanz der Deutschen Gesellschaft für das Badwesen, die heuer in den Freibädern einen Besucherzuwachs von 72 Prozent festgestellt hatte. »Auch die Watzmann Therme war an vielen Tagen leer. Die Leute gingen lieber ins Freibad, an einen See oder auf den Berg«, sagte van Bebber. Nach seinen Worten liegt der durchschnittliche Besucherrückgang pro Jahr seit dem Spitzenjahr 2004 mit damals 365 000 Gästen bei rund 3,4 Prozent. Wegen des relativ guten Jahres 2014 wird sich der Rückgang heuer aber auf circa 13,3 Prozent belaufen. Van Bebber rechnet bis zum Jahresende mit etwa 210  000 Badegästen, dem schlechtesten Ergebnis bislang.

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Dabei hatte es im Jahr 2014 noch relativ gut ausgesehen. Die Bilanzsumme lag bei rund 630 000 Euro, der Jahresfehlbetrag bei knapp 18 000 Euro. Dass Bartl Wimmer (Berchtesgaden) der Geschäftsführung als einziger Verbandsrat die Entlastung versagte, lag weniger an den Zahlen als daran, dass den Verbandsräten erneut keine schriftliche Bilanz vorgelegt worden sei. »Wir können doch nicht über etwas abstimmen, was wir vorher nie gesehen haben«, wetterte Wimmer, der das bereits im letzten Jahr kritisiert hatte.

Für Wimmer war es auch nicht nachvollziehbar, warum man die Zahlen im Wirtschaftsjahr 2016 »so optimistisch« ansetze. So liege man bei den angesetzten Umsatzerlösen mit 2,725 Millionen Euro deutlich über denen des Jahres 2015 (2,61 Millionen Euro). »Wir planen also entgegen dem langjährigen Trend mit einer Steigerung«, wunderte sich Wimmer. Laut Christoph van Bebber rechnet man nicht noch einmal mit so einem heißen Sommer, außerdem ist für Juli eine satte Preisanhebung von zehn Prozent geplant, die der Therme zusätzliche Einnahmen von 130 000 Euro bescheren könnte.

Trotz der optimistischen Zahlen rechnet man bei der Watzmann Therme GmbH aber für 2016 mit einem kräftigen Minus. Denn zu dem erwarteten Defizit von 38 000 Euro kommen noch einmal 200 000 Euro, die man als Betriebskostenzuschuss von der TRBK als Gesellschafter benötigt. Das ist die Pachtsumme, die man im kommenden Jahr nicht mehr bezahlen wird können. Am Ende gab es aber ein einstimmiges Votum für den Wirtschaftsplan 2016.

Auf Dauer will man es bei der TRBK nicht beim Attraktivitätsverlust der Watzmann Therme belassen. »Wir beschäftigen uns bereits seit Jahresende mit einem Zukunftskonzept«, sagte TRBK-Vorsitzender Franz Rasp in seinem Jahresbericht. Man habe eine Agentur beauftragt, zu untersuchen, wie viel Bad die TRBK überhaupt brauche. Mit einbezogen würden auch alle Freibäder im Berchtesgadener Talkessel, zumal auch im Aschauerweiherbad Sanierungsmaßnahmen anstünden. Franz Rasp rechnet damit, dass Anfang kommenden Jahres erste Ergebnisse vorliegen. Dann werde man sich im zweiten Quartal 2016 in der TRBK und in den Gemeinderäten damit beschäftigen. »Die ganze Bandbreite ist möglich: Sanierung, Schließung oder Neubau.«

Rasp erinnerte aber auch daran, dass die Erwartungen vor 20 Jahren eine schwarze Null gewesen seien. Dabei habe die Watzmann Therme GmbH 18 Jahre lang sogar eine Pacht erwirtschaftet. Jetzt aber sei der Punkt gekommen, an dem die Therme aufgrund der Wettbewerbssituation und aufgrund ihres Alters keine schwarze Null mehr erreichen könne. Das ist allerdings bei 90 Prozent aller Freizeitbäder nicht anders. Ulli Kastner