Wechsel an der Spitze der DAV-Sektion steht bevor: Vorsitzender Alfhart Amberger kandidiert nicht noch einmal

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Alfhart Amberger legt den Vorsitz nieder. Foto: Buthke

Traunstein – Eine Ära geht zu Ende: Nach 24 Jahren legt Alfhart Amberger den Vorsitz bei der Sektion Traunstein des Deutschen Alpenvereins (DAV) nieder. In einem Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt sagte der 80-Jährige: »Ich bin am Ende meiner Laufbahn beim DAV angekommen.« Bei den turnusmäßigen Neuwahlen der Vorstandschaft des mit über 7000 Mitgliedern weitaus größten Vereins in Traunstein am 24. September werde er nicht erneut für das Amt des Vorsitzenden kandidieren.


Der 80-Jährige will das Zepter in jüngere Hände legen. »Ich bin 24 Jahre Vorstand gewesen – das langt.« Mit ganz und gar gutem Gewissen scheidet er aus der Führungsposition, denn er weiß, »dass es den ein oder anderen gibt, der das auch kann«. Hinter den Kulissen habe die Sektion auch schon nach einem Nachfolger Ausschau gehalten – mit Erfolg. Aber wer in die Fußstapfen von Amberger tritt, bleibt bis zur Jahreshauptversammlung offen. Den Namen möchte der aus dem Amt scheidende Vorsitzende nicht nennen. Denn er will der Wahl in der Jahreshauptversammlung, wie er sagt, nicht vorgreifen.

Rund zweieinhalb Jahrzehnte stand Amberger an der Spitze der Sektion, die nicht nur aus vielen Mitgliedern in der Stadt, sondern vor allem auch aus Wanderern und Bergsteigern aus der nahen und weiten Umgebung von Traunstein besteht. Hatte die Sektion in dieser Zeit überaus zahlreiche Entscheidungen etwa zu ihren Hütten zu treffen, so war Amberger vor allem von einem Umstand in der Vorstandschaft stets tief beeindruckt: »Wir hatten immer ein gutes Miteinander – ohne Reibereien.« Alle seien miteinander »gut ausgekommen«. Damit sei stets die wesentliche Voraussetzung gegeben gewesen, »dass es gut funktioniert«.

Der 1941 in Österreich geborene Alfhart Amberger kam 1951 mit seiner Familie nach Traunstein. Er besuchte hier die Oberrealschule und trat nach Erlangung der Mittleren Reife ein zweijähriges Praktikum bei Siemens in Traunreut an. Das Studium der Elektrotechnik an der Fachhochschule Regensburg schloss er mit dem Grad zum Diplomingenieur ab. Er blieb dem Siemens-Konzern treu und war als Projektmanager für Richtfunkanlagen in vielen Ländern der Welt tätig. Zuletzt gehörte er dem Obersten Führungskreis des Unternehmens an, ehe er sich in den Ruhestand verab-schiedete.

Im Jahr 1963 schloss sich Alfhart Amberger der Alpenvereinssektion Traunstein an. Von 1967 bis 1976 leitete er die Jungmannschaft, 1977 übernahm er als Hüttenreferent die Betreuung der beiden Sektionsunterkünfte auf der Reiter Alpe. Und 1997 trat er als Nachfolger für den nicht mehr kandidierenden Dr. Johannes Lell an die Spitze der Sektion Traunstein, die damals rund 3000 Mitglieder zählte. Dank seines Einsatzes und seiner Teamfähigkeit erlebte die Alpenvereinssektion Traunstein in der Folgezeit einen ungeahnten Aufschwung.

Amberger sorgte sich mit großem Eifer um eine nachhaltige, energetische Sanierung und Modernisierung der 1938 erbauten Neuen Traunsteiner Hütte (Karl-Merkenschlager-Haus) auf der Reiter Alpe, die etwa 120 Schlafplätze bietet, mit Solarthermie, Photovoltaik sowie autarkem Solar-Luft-System gegen Feuchtigkeit und Auskühlung des Hauses während der nicht genutzten Wintermonate.

Ihm gelang es auch, mit der Erweiterung der Sportkletteranlage in Traunstein im Jahr 2008 dem Sporttrend der Jugend Rechnung zu tragen. Diese Anlage wird zudem für den Schulsport des Landkreises genutzt. Außerdem betreut die Sektion eine Boulderanlage in den Räumen der Kaufmännischen Berufsschule.

Auch die Kultur, der sich der Alpenverein in seinen Statuten verpflichtet fühlt, liegt ihm am Herzen. Er griff die Initiativen einiger Mitglieder freudig auf und ermöglichte zwei Ausstellungen, die in und um Traunstein auch große Beachtung fanden: »BergeErzählen – Die Berg-Werke des Künstlers Walter Angerer der Jüngere« (2008/2009) und »Bergsteigerstadt Traunstein – Die ersten 100 Jahre« (2010). Zu beiden Ausstellungen sind auch viel beachtete Bücher erschienen.

Die Alpenvereinssektion Traunstein hat Amberger in ihrer Jahreshauptversammlung 2011 wegen seiner großen Verdienste um den Verein zum Ehrenmitglied ernannt. Die Stadt Traunstein verlieh ihm 2019 die Ehrenmedaille. pü