Bildtext einblenden
Vorsitzender Richter Volker Ziegler steht künftig an der Spitze des Schwurgerichts Traunstein und der Zweiten Strafkammer. (Foto: Kretzmer)

Wechsel an der Spitze des Schwurgerichts: Volker Ziegler jetzt Vorsitzender Richter

Traunstein – Die Fünfte Strafkammer am Landgericht Traunstein, auch »Schwurgericht« genannt, und die Zweite Strafkammer haben seit Anfang Januar mit Volker Ziegler einen neuen Vorsitzenden Richter. Der 60-Jährige löste Vorsitzenden Richter Erich Fuchs ab, der Ende 2021 in den Ruhestand wechselte. Nach Worten von Landgerichtspräsident Professor Dr. Ludwig Kroiß ist Ziegler aufgrund seiner bisherigen Leistungen und Fähigkeiten »der ideale Mann für dieses Amt«: »Ich freue mich, dass er diese wichtige Aufgabe übernommen hat.« Der Präsident gab Volker Ziegler die besten Wünsche mit auf den Weg.


Ziegler, gebürtiger Münchener, wuchs in Unterfranken auf. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Würzburg startete er 1988 als Referendar beim Landgericht Schweinfurt. Weil er nicht nach Aschaffenburg wollte und einen Ortswechsel bevorzugte, führte die berufliche Karriere des jungen Juristen im Februar 1991 als Richter an das Landgericht Traunstein – als Mitglied der Sechsten Strafkammer. Zwei Jahre später wechselte er zur Staatsanwaltschaft Traunstein, wurde dort zwischendurch kurze Zeit im Zug des Aufbaus Ost zur Staatsanwaltschaft Bautzen abgeordnet. Nächste Station war im Oktober 1999 das Amtsgericht Rosenheim. Wie so oft in seiner Laufbahn, arbeitete er in den unterschiedlichsten Rechtsbereichen.

In Rosenheim war er zuständig für das Betreuungsrecht, wirkte in Straf- wie Zivilverfahren und als Ermittlungsrichter. Gut fünf Jahre später zog es ihn in der Funktion »Staatsanwalt als Gruppenleiter« zur Staatsanwaltschaft Traunstein – zunächst für ein Jahr in die Außenstelle Rosenheim, danach an die Hauptbehörde in Traunstein. In seine Verantwortung fielen – neben der Funktion als Pressesprecher – die Kapitaldelikte im gesamten südostbayerischen Raum.

Volker Ziegler hatte auf diese Weise in der Zeit von 2004 bis Ende 2010 bereits mit dem Schwurgericht zu tun. Zusammen mit Günther Hammerdinger, damals Staatsanwalt und heute Direktor des AmtsgerichtsAltötting, vertrat Ziegler die Anklage in den Prozessen um den Einsturz der Eishalle in Bad Reichenhall 2006 mit 15 Todesopfern. Spektakulär war der Fall einer 2007 ermordeten Frau in Neuötting, die der Täter im Kofferraum eines Autos zu einem Rechtsanwalt gefahren hatte.

Den Titel »Vorsitzender Richter« erhielt Ziegler Anfang 2011. Gleichzeitig übernahm er die Siebte Strafkammer am Landgericht Traunstein, die Berufungen gegen Urteile des Amtsgerichts Rosenheim prüfte. Zurück zur Anklagebehörde als »Oberstaatsanwalt« und Abteilungsleiter des Referats II ging Ziegler im September 2014. Allgemeine Strafsachen, Kapitaldelikte, Verfahren gegen Ärzte und Verfahren des Hauptzollamts Rosenheim, etwa wegen Schwarzarbeit, bedeuteten eine weitere Herausforderung. Die juristische Themenbreite erweiterte sich noch deutlich im Oktober 2020, als Volker Ziegler den Vorsitz der Achten Strafkammer am Landgericht Traunstein übernahm – unter anderem mit Wirtschaftsstrafsachen sowie der Funktion als Strafvollstreckungskammer.

Der jetzige Schwurgerichtsvorsitzende betonte im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt, er habe bereits die ganze Palette der Justiz im Freistaat durchlaufen: »Ich bin froh, eine breite Basis zu haben und freue mich auf die neue interessante Tätigkeit.« Das Schwurgericht sei bezüglich seiner Verfahren auf dem Laufenden. Doch kommen nach Worten Zieglers viele aufwändige Verfahren auf das höchste Traunsteiner Strafgericht zu, darunter ein großes Schleuserverfahren mit sieben Hauptverhandlungsterminen.

Aktuell sei er konfrontiert mit einer Anklage der Staatsanwaltschaft gegen vier Männer im Zusammenhang mit angeblich betrügerisch erlangten und verkauften Online-Tickets.

kd