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Weihnachtliches Wunderland in Soul getaucht

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Die Sängerin Omnitah und der Erzähler Peter Zörner in der Traunsteiner Kulturfabrik NUTS. (Foto: Mergenthal)

Einen wohltuenden Kontrapunkt zur Betriebsamkeit rund um das Weihnachtsfest setzten die Sängerin Omnitah und der Laufener Autor Peter Zörner in einem Weihnachtskonzert in der Traunsteiner Kulturfabrik NUTS. Das Publikum im nicht ganz voll besetzten Saal zeigte sich begeistert, vor allem von der Ausstrahlung und der Stimmgewalt der schwedisch-ungarischen Sängerin und Songwriterin.


Unprätentiös und schlicht ging Omnitah auf die Bühne, setzte sich an ihr Keyboard und spielte traumverloren auf ihrer Geige, während ihr wallendes, langes rotes Haar sie umspielte. Peter Zörner führte die Zuhörer mit einer angenehmen warmen Stimme behutsam zurück in ihre Kindheit und entführte in das ferne Skandinavien, wo sich die Menschen in den endlosen Nächten Geschichten erzählen, sich in einem Wunderland voller Elfen, Kobolde und anderer Zauberwesen wähnend.

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Ein wenig mehr von diesen Wesen hätte man sich als Akteure in den Liedern dieses Abends erwartet; ebenso wäre es schön gewesen, das musikalische Multitalent noch öfter auf ihrer hauchzart gestrichenen oder gitarrenähnlich gezupften Geige zu hören.

Doch ansonsten gab es nichts auszusetzen an den stimmig zusammengestellten Songs, teils aus Omnitahs eigener Feder wie »Schenk mir ein Stück von deinem Himmel«. In dem Lied besang sie die Sehnsucht nach einem Engel, der seine Flügel ganz sanft um sie legt. Die Sängerin, die heute in Mönchengladbach lebt, verkörpert eine explosive, auf wundersame Weise in Bann ziehende Mischung: die Melancholie Skandinaviens – sie wurde 1975 in Schweden geboren – und ungarisches Feuer, entstammt sie doch einer ungarischen Musikerfamilie. Voller Schwermut war zum Beispiel ein Liebeslied von ihr: »Zu viel auf einmal, dafür war’n wir nicht bereit«, sang sie, und: »Egal wo du bist, ich halte dein Herz in meinen Händen«. Ihre Texte zeichnet eine aufblühende Poesie aus und ihre Melodien Eingängigkeit. Ihren Vortrag begann Omnitah stets sanft, um sich bis in die Ekstase zu steigern. »Lieber Gott, sag mir, wo sind alle Engel nur geblieben?«, fragte sie in einem anderen Lied. Besonders expressiv war ein Song in englischer Sprache über die Liebe, die uns auf unserem Weg begleitet und trägt.

Ihre soulige Stimme, die sie öfter bewusst kehlig wegkippen ließ, klang in der Tiefe einen Hauch verrucht oder schlüpfrig und in der Höhe unschuldig, stets jedoch voller Magie. So wurden auch altbekannte Weihnachtslieder, die öfter hoffnungslos verkitscht werden, wie »Süßer die Glocken nie klingen« oder »Leise rieselt der Schnee«, zum bluesigen Erlebnis. Lautmalerisch und schlicht, in warm und sanft daher rollenden Akkord-Wogen, begleitete sie sich selber am Piano.

Peter Zörner streute in seiner charmanten, aber für manchen vielleicht gewöhnungsbedürftig sanft-sentimentalen Moderation überleitende Gedanken ein, sinnierte zum Beispiel über die Schneeflocken, kleine Kunstwerke der Natur. Und er trug berührende Geschichten aus seiner Feder vor, zum Beispiel von einer Begegnung mit einer blinden Pianistin aus Russland, die selbstversunken in einem leeren romanischen Konzertsaal übte.

Perfekt waren Zörners Erzählungen und Omnitahs Vortrag aufeinander abgestimmt. So erzählte der Laufener Autor vom Brief des besorgten Christkindes an die Menschen, der um ein Haar von niemand gefunden worden wäre. Durch eine Mesnerin, die meinte, der Pfarrer habe wieder einmal seine Predigt verloren, landet er in einer Christmette auf dem Ambo. So kam es, dass der Pfarrer statt seiner Predigt den Brief des Christkinds vorlas, der alle zutiefst erschütterte: Vom Konsumwahn führte er die Menschen wieder zurück zum Kern des Festes und öffnete ihnen die Augen füreinander.

Dazu passte Omnitahs »Ave Maria« in der Vertonung von Bach/Gounod. Zur Erzählung von der Verlegung des Weihnachtsfestes in einem Schweizer Bergdorf für die leukämiekranke Janine fügte sich wunderbar »Amazing Grace«. Als Zugabe gab es unter anderem eine spritzige Variante von »Jingle Bells«. Veronika Mergenthal