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Interreligiöses Friedensfest in Inzell wurde Fest der Lebensfreude und Zuversicht

Weihnachtsbotschaft in die Welt geschickt

Inzell – Es war sicher nicht voraus zu sehen, wie die Einladung der Arbeitsgruppe Asyl des Pfarrgemeinderates Inzell zum interreligiösen Friedensfest bei den im Ort untergebrachten Asylbewerbern und bei der Bevölkerung angenommen würde. Der anfangs noch dürftig gefüllte Pfarrsaal schien die Skeptiker zunächst zu bestätigen. Eine Stunde später allerdings waren alle Sitzplätze und teils sogar die Fensterbänke mit Asylbewerbern, Einheimischen und Helfern voll besetzt. Über alle Sprach-, Kultur- und Glaubensbarrieren hinweg entwickelte sich das Fest zu einem mitreißenden Freudenfest, das die Asylbewerber mit heimatlichem Gesang und ihrer Musik maßgeblich mit gestalteten.

Spontane Lebensfreude bewiesen die Asylbewerber beim interreligiösen Friedensfest im Inzeller Pfarrsaal. (Foto: Bauregger)

Bayerische Helfer hatten den Pfarrsaal in eine gemütliche Stube verwandelt. Es gab Früchtepunsch, und unter zwei Christbäumen lagen kleine Geschenke für die Asylbewerber. Gemeindereferent Philip Moser freute sich über den Zuspruch und begann mit dem Lied »Hewenu schalom alechem – Wir bringen Euch Frieden«. Schon zuvor hatten die Wirtsleute der Unterkunft im Gasthof Fantenberg mit Flöte und Gitarre die Gäste eingestimmt.

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Mit einem Bild von Maria und Josef in einem überfüllten Boot stellte Moser den Bezug zwischen damals und heute her, übersetzt von Hildegard Teschemacher und einem jungen Afghanen. Die heilige Familie von damals sei quasi »im selben Boot« mit den vielen Menschen, die heute vor Krieg und Verfolgung aus ihren Heimatländern flüchten müssen. Moser zeigte sich überzeugt, dass sich die Flüchtlinge von heute wie Maria und Josef damals auf den Schutz und die Fürsorge Gottes verlassen könnten. Dass sie sich auf die Hilfe in Inzell verlassen können, zeigen für Moser die vielen Ehrenamtlichen Helfer. Dafür gebühre allen großer Respekt.

Bürgermeister Hans Egger konnte sich dem nur anschließen. Er bewundere die Ehrenamtlichen, die oft sprachliche und kulturelle Barrieren zu überwinden hätten und teils schwer traumatisierte Menschen vorfinden. Unterstützt wird die Arbeit vor Ort auch von Elisabeth Rott von der Diakonie Traunstein, die auch die Unterkünfte in Bergen und Bernhaupten mit betreut. Auch für sie sind die freiwilligen Helfer ein eindrucksvoller Beweis, dass die Weihnachtsbotschaft gelebt wird.

Mit zwei Liedern eröffneten Mädchen aus der zweiten Klasse der Volksschule mit ihrer Lehrerin Lisa Koch einen unverhofften musikalischen Reigen. Denn die Flüchtlinge waren nicht nur gekommen um sich bedienen und berieseln zu lassen. Ansteckend fröhlich sangen zwei nigerianischen Mütter mit ihren Babys auf dem Arm und ein junger Afghane Lieder in ihrer Muttersprache. Einige Frauen aus einem Inzeller Chor fügten dem mit einem Jodler spontan einen alpenländischen Klang hinzu. Andere Asylantbewerber animierten die Gäste mit Trommeln zu ausgelassenen Tanzeinlagen und schweißten so alle Anwesenden zu einer fröhlichen Gemeinschaft zusammen.

Mit Freude überreichten schließlich Mitglieder der Arbeitsgruppe allen Kindern und Erwachsenen kleine Weihnachtspackerl. Philip Moser verabschiedete die Gäste mit den besten Wünschen für ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein friedvolles, gesundes neues Jahr. Wer wollte, konnte sich noch kleine Bienenwachskerzen mit nach Hause nehmen die an dem, von der Jugendfeuerwehr nach Inzell gebrachten Friedenslicht aus Jerusalem angezündet wurden. wb