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Weihrauch statt Autoabgase in Hausmoning

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Teisendorf: Weihrauch statt Autoabgase in Hausmoning
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Die Autos müssen nun im Freien stehen, denn die Garage in Hausmoning wurde zur Kapelle umfunktioniert. (Foto: Konnert)

Teisendorf – Die besondere Situation in Corona-Zeiten fordert auch von Kirchen Ideenreichtum und Improvisationstalent. Beides hat Georg Spindler, ehrenamtlicher Diakon im alt-katholischen Bistum und mit der Seelsorge für die Alt-Katholiken im Raum Bad Reichenhall beauftragt, gezeigt, indem er die Garage seines Hauses in Hausmoning kurzerhand in einen Gottesdienstraum umfunktioniert hat. Wenn das Wetter es erlaubt, hält er die Dienste unter freiem Himmel in seinem Garten ab.


Normalerweise wird der alt-katholische Gottesdienst in der Kapelle des Kreiskrankenhauses in Bad Reichenhall gefeiert. Aufgrund der derzeitigen Beeinträchtigung durch Corona ist kein Zutritt zur Kapelle möglich. Also kamen Georg Spindler und seine Frau Barbara auf die Idee, die sehr geräumige und durch den Sichtdachstuhl sehr hohe Garage zu einem Gottesdienstraum umzufunktionieren.

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Wenn sich die Garagen-tore öffnen, sieht man keine Autos, (die müssen jetzt im Freien stehen) sondern an der Frontwand vergoldete Ikonen, dazu ein Evangelienbuch, ein Weihrauchgefäß, Kerzen, einige Bierbänke und an den Seitenwänden Bilder von Jerusalem. Jeden zweiten Sonntag wird hier um 10.30 Uhr Gottesdienst gefeiert, so lange, bis die Kapelle in Bad Reichenhall wieder zur Verfügung steht. Zu den Gottesdiensten in Hausmoning kommen Gemeindemitglieder der Alt-Katholiken aus Bad Reichenhall und manchmal auch Nachbarn und Freunde aus der Umgebung.

»In Deutschland gibt es nur etwa 15.000 Alt-Katholiken«, so Spindler auf Nachfrage, »weltweit sind es etwa fünfundsiebzigtausend«. Sie gehen auf das Jahr 1870 zurück, als in Rom das Dogma der päpstlichen Unfehlbarkeit verkündet wurde, das eine kleine Gruppe von Katholiken nicht akzeptieren wollte. Sie wollten bei dem »alten Glauben« bleiben, daher der Name »alt-katholisch«.

Alt-Katholiken lehnen nicht das Papsttum insgesamt ab, sondern nur die in ihren Augen unnötigen und überzogenen Dogmen und sehen sich in einer Kirchengemeinschaft mit den Anglikanern, den schwedischen Lutheranern und der Kirche der Philippinen. »Das Verhältnis zu Rom, das am Anfang sehr belastet war, wird jetzt von Jahr zu Jahr besser«, so Spindler. »Vor fünf Jahren etwa wurden alle alt-katholischen Bischöfe von Papst Franziskus zum Gespräch und zum Kennenlernen eingeladen«.

Neben der ehrenamtlichen kirchlichen Tätigkeit engagiert sich das Ehepaar Spindler auch für zwei Diakonieprojekte: ein Kinderdorf in Rumänien sowie ein Waisenhaus in Bethlehem. Im Februar führten Barbara und Georg Spindler wie schon so oft eine Gruppe durch das Heilige Land und konnten bei dieser Gelegenheit dem Waisenhaus sowie einer Familie mit einem kranken Kind Spendengelder, unter anderem auch vom Adventmarkt in Teisendorf, übergeben. kon