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Weit mehr als reiner Schönklang

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Ihr neues Album »Into the Deep« stellten Martina Eisenreich und Andreas Hinterseher im NUTS vor. (Foto: Heel)

Das erste Stück sei ein uralter französischer Musette-Walzer mit dem Titel »Paris«, kündigte Andreas Hinterseher an. Und fügte schelmisch hinzu: selbst komponiert. Mit dieser launigen Ansage war der Auftritt von Martina Eisenreich und Andreas Hinterseher in der fast ausverkauften Traunsteiner Kulturfabrik NUTS, wo sie ihr neues Album »Into the Deep« vorstellten, auch schon definiert: Musik aus aller Welt, von der Ausnahmegeigerin und dem herausragenden Akkordeonspieler vital, intensiv und klangvoll interpretiert und garniert mit teils haarsträubenden, aber überaus amüsanten Erklärungen zur Entstehungsgeschichte der einzelnen Stücke.


Weiter ging es mit dem Thema der Filmmusik zu »Il Postino« (Luis Enrique Bakalov), so verträumt und berührend wie die Geschichte des Films, in der ein Postbote von großen Pablo Neruda das Dichten lernt und dadurch seine Angebetete für sich gewinnt. Vom Schöpfer des weltberühmten »Säbeltanzes«, Aram Chatschaturjan, stammte die nächste Komposition, das Liebesthema aus »Spartakus (mit Ballett)«, stilisiert und auf das Wesentliche reduziert, mit dem Ballett nur in Ansätzen, so Martina Eisenreich dazu.

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Bei dem Stück »Ein Morgen in Tunis«, auf einem Dromedar in Tunesien zum Leben erweckt (Hinterseher), wirkte Wolfgang Lohmeier an seinem großen blauen Reiseschlagwerk mit, dessen erstaunliche Klangvielfalt wieder einmal faszinierte. Schön ausbalanciert und reich an Klangfarbennuancen auch das Zusammenspiel der drei Musiker bei der »Goaz boq Muzik«, zu der Andreas Hinterseher eine aberwitzige Story lieferte. Da erzählte er von einer geradezu lebensgefährlichen Reise durch den Balkan, wo sie an verbotenen Orten wie vor einem Kloster gespielt hätten, Dracula fast persönlich begegnet wären und sich gerade noch, verfolgt von Wölfen, Bären und der Polizei, in die Steiermark retten konnten.

Mit »Shine«, einer furiosen Hommage an den Jazz-Gitarristen Django Reinhardt, entfalteten Martina Eisenreich und Andreas Hinterseher erneut ihre Interpretationskunst, gefolgt von einer Eigenkomposition Eisenreichs, einem Auszug aus ihrem Soundtrack zu dem Oscar-prämierten Film »Nimmermeer«. An sich eine Sache für 138 Musiker, so Hinterseher, wobei Martina die erste Geige und er den Rest übernehmen würde. Dicht und gefällig auch ihre Version des 30er-Jahre-Klassikers »Du gehst durch all meine Träume«, und geradezu herzergreifend melancholisch ihr »Papa, can you hear me?« aus dem Barbra Streisand-Film »Yentl«.

Kurzum, ein Konzert, das weit mehr als reinen Schönklang verbreitete, aufgebaut auf einer intensiven musikalischen Beziehung. Oder anders gesagt: Mit »Into the Deep« ist Martina Eisenreich und Andreas Hinterseher wieder einmal ein ganz wunderbares Album gelungen, eine Anschaffung fürs Leben. Der Applaus im NUTS war entsprechend. Wolfgang Schweiger