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Weiterer Schub für München 2022

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DOSB-Präsident
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Thomas Bach ist der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Foto: Bodo Marks Foto: dpa

Hamburg (dpa) – Vor einem stürmischen Herbst und Thomas Bachs möglicher Beförderung zum IOC-Präsidenten hat der deutsche Sport noch eine Fülle an Problemen abzuarbeiten: 


Mit einem detaillierten Stufenplan trieb das DOSB-Präsidium eine mögliche Bewerbung Münchens für die Olympischen Winterspiele 2022 weiter voran - eine erste Auswertung der unbefriedigenden Ergebnisse des vorolympischen Winters löste bei den deutschen Leistungsplanern dagegen eher Sorgen für Sotschi 2014 aus. Es gibt noch viel zu tun: Auch bei der Klärung der Personalfragen an der DOSB-Spitze.

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Nach der Präsentation seiner IOC-Kandidatur zeigte sich Bach auf der DOSB-Präsidiumssitzung in Hamburg sichtlich erleichtert darüber, dass er mit seinen präsidialen Ambitionen nun auch öffentlich umgehen kann. Auch die große Unterstützung seiner Kollegen ermutige ihn, so der 59-Jährige. »Es ist unsere Hoffnung, dass er im September IOC-Präsident wird«, hatte das einflussreiche IOC-Mitglied Mario Pescante (Italien) in der Vorwoche vor zahlreichen Kollegen des Ringe-Zirkels in Rom geäußert.

Deutschlands Ober-Olympier sieht sich bis zum finalen Votum am 10. September in Buenos Aires vornehmlich als »Wahlkämpfer« in eigener Sache. Die nötigen Vorarbeiten für eine mögliche Olympia-Bewerbung Münchens laufen parallel. Das Präsidium des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) einigte sich in Hamburg auf das genaue Vorgehen in den kommenden Monaten, das zu einer verlässlichen Grundlage für eine Beschlussfassung führen soll.

»Ich bin optimistisch, dass die Bürger sich der Bedeutung und der Chancen von Winterspielen in Deutschland bewusst sind«, sagte Bach. Bis zum Herbst dürften die Machbarkeitsstudien über ein modifiziertes Sportstättenkonzept der bayerischen Kandidatur abgeschlossen sein. Zudem sollen die internen Vorbereitungen für die Bürgerbegehren intensiviert werden. Stattfinden sollen diese am 10. November in allen vier bayerischen Schauplätzen, die als Olympia-Gastgeber vorgesehen sind.

Nach den Wahlen zum Bundestag und zum bayerischen Landtag stehen die wichtigen Gespräche mit der Politik an. Bis zum 14. November müssen die Kandidatur und eine erste Gebühr beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) eingereicht werden. Bis dahin soll auch die Finanzierung der Bewerbung geklärt sein.

Die allgemeine Finanzierung des deutschen Sports ist für Bach eine weitere Baustelle. Der IOC-Vize forderte Innenminister Hans-Peter Friedrich erneut auf, den Sport stärker finanziell zu unterstützten. Sonst könne dessen Spitzenstellung nicht gehalten werden. Bach baut vor - eine eingehende Analyse der Resultate dieses Winters war alles andere als vielversprechend.

Der DOSB hat 97 von 98 olympischen Wettbewerben in dieser Saison ausgewertet und dabei nur 26 Top-3-Platzierungen ermittelt: »Das ist Licht und Schatten. Aufgrund dieser Auswertung werden die Zielvereinbarungen noch einmal überarbeitet und im Sommer veröffentlicht«, räumte DOSB-Generaldirektor Michael Vesper ein. Bei den Vancouver-Spielen 2010 hatte die deutsche Mannschaft 30 Medaillen (10/13/7) gesammelt.

Das DOSB-Präsidium war in Hamburg sichtlich um Normalität bemüht und wollte vor allem Ruhe und Souveränität signalisieren. Störende Personaldebatten in der Öffentlichkeit sollten unter allen Umständen vermieden werden. »Sie wären eine Respektlosigkeit gegenüber Thomas Bach«, sagte Vesper. Dabei steht der deutsche Dachverband bei einer erfolgreichen Bewerbung des IOC-Kronprinzen vor einer Zäsur. Vesper und der Kölner DOSB-Vize für Wirtschaft und Finanzen, Hans-Peter Krämer (72), könnten in den kommenden Monaten die Schlüsselpositionen einnehmen. Als Bach-Vertrauter hat der Generaldirektor alle Zügel in der Hand. Präsident könnte der ehemalige Grünen-Politiker gemäß DOSB-Statut nur im Ehrenamt werden.

Krämer ist laut Satzung als Interimspräsident bis zur Neuwahl vorgesehen - entweder bis zum nächsten DOSB-Verbandstag am 7. Dezember oder aber bis zum Ende der vierjährigen Legislaturperiode Ende 2014. »Aus persönlichen Gründen« würde er nur sehr ungern über die längere Zeit das Amt ausüben, sagte Krämer, der sich durch zahlreiche Ehrenämter ausgelastet fühlt. Als Kandidaten für den DOSB-Chefsessel werden auch Christa Thiel, Präsidentin des Deutschen Schwimm-Verbandes und Vizepräsidentin Leistungssport im DOSB, Ingo Weiss, Präsident des Deutschen Basketball Bundes und Vorsitzender der Deutschen Sportjugend und Alfons Hörman, Präsident des Deutschen Skiverbandes (DSV) gehandelt.