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Die Flächen bei der Wiesenmeisterschaft sind ein Traum für jeden Naturliebhaber. »Blumen und Insekten brauchen wir für eine intakte Umwelt«, betonte Landschaftsplanerin Inge Steidl, Mitglied des Bewertungs-Komitees. (Foto: Caruso)

Welche Wiese ist die schönste und artenreichste?

Vorne ein Wiesenknopf oder eine Platterbse, daneben ein paar Kuckucks-Lichtnelken und weiter hinten Margerite und Wiesenknöterich. So könnten Wiesen aussehen. Da aber auf weiten Flächen die Artenvielfalt zu wünschen übrig lässt, hat der Bund Naturschutz (BN) in Bayern mit der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) im Jahr 2009 die erste »Wiesenmeisterschaft« ins Leben gerufen. Die elfte Ausgabe des Wettbewerbs findet aktuell in den zehn Gemeinden der Ökomodellregion Waginger See-Rupertiwinkel (ÖMR) statt.


23 Landwirte haben sich mit ihren Wiesen angemeldet. Bei der Rundfahrt besuchte die Jury jetzt die Flächen der sechs Landwirte, die es in die engere Auswahl geschafft haben. Die Platzierung der Betriebe wird jedoch erst am Freitag, 23. September, bekannt gegeben.

An der Begehung wirkten mit Eliane Travers von der Höheren Naturschutzbehörde der Regierung von Oberbayern, Alfons Leitenbacher vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Traunstein sowie Maria und Georg Kurz aus dem Landkreis Mühldorf, Gewinner der letztjährigen Wiesenmeisterschaft. Jurymitglieder waren zudem die Managerin der ÖMR, Marlene Berger-Stöckl, die Vertreterin der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft, Dr. Sabine Heinz, die Landschaftsplanerin aus Freising, Inge Steidl, Beate Rutkowski, die neue Stellvertreterin im Vorstand des Bund Naturschutz (BN) Bayern, die zugleich Kreisvorsitzende im Landkreis Traunstein ist, und die Regionalreferentin vom Bund Naturschutz für Oberbayern, Annemarie Räder, stellvertretend für die erkrankte BN-Agrarreferentin Marion Ruppaner.

Schon Anfang Mai wurden alle Wiesen von Inge Steidl bewertet. Von allen beteiligten Betrieben halten fünf Milchvieh, fünf weitere sind Mutterkuhhalter und vier Rindermastbetriebe. Hinzu kommen sechs Betriebe, die Pferdeheu produzieren, zwei Pensionsviehhalter und ein Schafhalter. Sechs Betriebe wirtschaften im Vollerwerb und 17 im Nebenerwerb, zwölf ökologisch.

Den Aufwuchs der eigenen Wiesen nutzen

Teilnehmen konnten Betriebe, die den Aufwuchs von mindestens einem halben Hektar ihrer Wiesen landwirtschaftlich verwerten. Dabei wurde die Zahl der Wiesenblumen erhoben. Das Vorkommen seltener Pflanzen mit hohem Gefährdungsgrad honorierte man ebenso wie die gleichmäßige Verteilung der Arten auf der Wiese. Von kulturhistorischer Bedeutung waren auch die »Festmist-Blumenwiesen der Jungmoränenlandschaft«. Bewertet wurden der Ertrag und eine gute wirtschaftliche Verwertung des Aufwuchses. Punktabzüge gaben Pflanzen ohne Futterwert, wie der Gemeine Ampfer oder für Weidetiere gefährliche Giftpflanzen.

So besuchte die Jury die extensiv genutzte und 0,83 Hektar große Glatthaferwiese »Etz« von Matthias und Rosemarie Winkler in Ollerding/Tittmoning. Sie wird nur einmal im Jahr Anfang Juli gemäht und später beweidet. Sie kennzeichnet sich durch Arten wie Wiesen-Flockenblume, Wiesen-Pippau oder Rauer Löwenzahn und seltene Arten im sehr steilen Trockenhang, der nur mit der Sense gemäht werden kann. Die Winklers betreiben ihren Milchviehbetrieb im Vollerwerb nach den Richtlinien von Demeter. Von ihren rund 40 Hektar sind 30 Hektar Grünland.

Halt machte die Jury dann nahe des Strandbads Tengling auf der extensiv genutzten und etwa 3,3 Hektar großen Feuchtwiese »Seefeld« von Martin Rausch, eine Mähweide mit Schnittzeitpunkt und Nachweide. Kennzeichnende Arten waren zum Beispiel die Bach-Nelkenwurz, Kuckuckslichtnelke, Mädesüß oder der Gelb-Klee. Rausch hat einen Ackermischbetrieb mit Kalbinnen-Endmast. Die Tiere füttert er mit Heu extensiver Wiesen und hält sie in einem Tiefstreustall, wodurch viel Festmist als Dünger entsteht. Der sei im Seeneinzugsgebiet die beste Art der organischen Bodendüngung, weil er durch seinen hohen Strohanteil den Phosphor bindet. Der Betrieb hat 19,6 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche, davon sind 9,5 Hektar Blühwiesen in Seenähe.

Nur zwei Schnitte und mäßige Düngung

Dritter Anlaufpunkt war in Rothanschöring das etwa zwei Hektar große »Schmidmeierfeld«. Die Besitzer, Andreas und Sabine Albanbauer aus Wolkersdorf/Kirchanschöring, bewirtschaften von der Gesamtpachtfläche 0,5 Hektar extensiv mit zwei Schnitten und mäßiger Düngung, den Rest mit fünf Schnitten. »Wir sind aber in keinem Programm«, sagte Albanbauer. Er betreibt einen Milchviehbetrieb im Vollerwerb, zu dem 60 Hektar Nutzfläche gehören, wovon 45 Hektar Grünland sind.

Beim Schmidmeierfeld hat man es mit einer Salbei-Glatthaferwiese zu tun, die zu Feuchtwiese und Kleinseggenried wechselt, und durch die hohe Artendiversität auf kleinem Raum besticht. Steidl verwies auf 49 Arten wie den Wiesen-Pippau, den Herbst-Löwenzahn, den Wiesenbocksbart, Orchideen und viele andere.

Danach legte die Jury eine Pause bei Maria Frisch in Töfenreut, Wonneberg, ein. Auch sie ist Teilnehmerin mit einer bunten »Muttertags-Blühwiese« ohne auffallende Einzelmerkmale. »Mehr heimische Bioprodukte und mehr Artenreichtum und Blühwiesen in der Landschaft, diese Ziele der Ökomodellregion kommen auch dem heimischen Tourismus entgegen«, so Eva Bernauer vom Tourismusverband Waginger See, die die Wiesenmeisterschaft aktiv begleitete.

Weiter ging es nach Petting zu Hubert Hogger in Aich 5. Hogger betreibt einen Milchviehbetrieb im Haupterwerb mit 22 Hektar Fläche zur Gewinnung von Futter für seine Kälber. Die Jury bewertete seine zwei Hektar große, artenreiche Fettwiese mit Schnittzeiten und charakteristischen Arten, wie Kohldistel oder krautiger Tauben Skabiose. Zudem durchzieht ein Graben mit Hochstaudenflur die Wiese, die im Frühjahr mit Märzenbechern übersät ist.

Ebenfalls in Petting, am »Surspeicherdamm Nord«, halten Anja und Roman Freimuth in Gallenbach graue gehörnte Heidschnucken im Nebenerwerb. Insgesamt bewirtschaftet das Paar vier Hektar Grünland. Ihre Produkte vermarkten sie direkt ab Hof. Zudem beliefern sie gastronomische Betriebe. Ihre Glatthaferwiese in steiler Hanglage nutzen sie als Portionsweide, was sehr aufwändig ist. Zudem haben sie eine Nutzungsvereinbarung mit dem Wasserwirtschaftsamt Traunstein. Die kennzeichnenden Arten sind unter anderem die Büschel- und Wiesenglockenblume, die Wiesen-Flockenblume, die Witwenblume oder Orchideen wie Knabenkraut und Zweiblatt.

Zuletzt steuerte die Jury die 3,36 Hektar große Mähweide in Loithal, Gemeinde Anger, von Rupert Koch jun. an. Sie ist im Kulturlandschaftsprogramm und liegt zum Teil an einem sehr steilen Hang, der mit dem Motormäher gemäht werden muss. Einen anderen Teil weiden Kalbinnen ab. »Die Wiese bietet einen hochwertigen Komplex-Lebensraum mit eingelagerten Quellnischen und angrenzendem Schluchtwald«, erklärte Dr. Sabine Heinz. In Loithal kommen Arten wie der Wiesen-Bocksbart, der hier noch besonders großflächig vertreten ist, vor oder die Wiesen-Platterbse, Kuckuckslichtnelken oder der Sumpf-Vergissmeinnicht und einige Orchideen.

Heu wird an elterlichen Betrieb geliefert

Rupert Koch jun. lebt aber selbst in Teisendorf und liefert das Heu an den Bio-Naturland-Milchviehbetrieb seiner Eltern Rosa und Rupert Koch sen. in Teisendorf. Zu deren Hof gehören rund 20 Hektar Grünland und ein Hektar Futtermais. Die beiden halten 30 Milchkühe und 25 Kalbinnen und Kälber.

Nach dieser letzten Station zog sich die Jury zur Beratung zurück, um den Wiesenmeister 2022 zu ermitteln, der am Freitag, 23. September, um 10.30 Uhr im Braugasthof Alte Post in Teisendorf bekannt gegeben wird.

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