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»Weltfremd« mit dem österreichischen Kabarettisten Roland Düringer im k1

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Roland Düringer präsentierte sein Programm »Weltfremd« im k1 zum ersten Mal auf einer deutschen Bühne. (Foto: Heel)

»Gibt’s Fragen?«, wandte sich der Gast aus Österreich noch vor der Begrüßung ans Publikum. Eigentlich nicht, obwohl das Studiotheater des Traunreuter k1 voll besetzt war. Also stellte er (sich) selbst ein paar Fragen. Fragen, die darauf hinausliefen, wie weltfremd die Wirklichkeit möglicherweise ist. Oder anders gesagt: Wenn die Welt ein Konstrukt unseres Denkens ist, gibt es die Welt dann auch ohne unser Denken? Ein Dilemma, keine Frage – über das auch das Publikum nachdenken könnte.


Ein Vorschlag, der ankam, und schon war es mittendrin in »Weltfremd«, dem aktuellen Programm des österreichischen Schauspielers und Kabarettisten Roland Düringer, das er jetzt im k1 erstmals auf einer deutschen Bühne präsentierte. Leicht vernuschelt und mit starkem Wiener Dialekt, was angesichts der komplexen Thematik dem Zuschauer ein gehöriges Maß an Konzentration abverlangte. Zumal Düringer im Verlauf seines gut zweistündigen Auftritts eine Fülle anderer Bereiche anschnitt, von der Selbstwahrnehmung über die Gier der Menschen nach immer mehr bis hin zu den Heilsversprechen diverser Religionen.

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Als roter Faden diente dem 52-jährigen Schauspieler dabei, was der Mensch so alles durchmacht, vom (unerfreulichen) Rauswurf aus dem Mutterleib bis zum jederzeit möglichen Ableben, das er in einer drastisch inszenierten Einlage spielerisch vorwegnahm. Dabei zog er immer wieder Vergleiche mit dem Neandertaler, der noch immer in den Menschen steckt, obwohl sich die Zeiten radikal geändert hätten. Auch insofern, dass nur Wahnsinnige laut aussprechen, was alle denken. Weswegen Wahnsinn letztendlich nur ein Lautstärkenproblem sei.

Bei alldem erwies sich Roland Düringer als glänzender Unterhalter, der klug, witzig und mit lockerem Gestus sein Publikum an seinem Wandel vom Kabarettisten zum Philosophen teilhaben ließ – und damit an seiner Weltsicht, nach der jeder Mensch seine eigene Landkarte von der Welt hat. Nur dass diese Landkarte nicht die Welt ist, und da liege das Problem. Denn »die Welt ist, wie sie ist. Da gibt es kein Gutes und kein Böses, es ist nichts zu be- und nichts zu verurteilen.« Erst der Mensch würde bestimmen, wo es lang geht, wobei er nicht (wie so häufig) das weniger Schlechte wählen soll, sondern das Gute. Doch wie?

Düringer lieferte keine Antworten, aber er regte zum Nachdenken und Hinterfragen an. Auch und besonders bei seiner »Zugabe«, nachdem er gefragt worden war, ob er Vegetarier sei. Da holte Düringer, der in der Nähe von St. Pölten auf dem Land lebt und dort auch eine kleine Landwirtschaft betreibt, zu einem kleinen Exkurs über artgerechtes Schweineschlachten aus. Ein Bericht, der dem Zuschauer detailliert vor Augen führte, was den Unterschied ausmacht und was den Tieren in der Massentierhaltung und im Schlachthof an Leid und Schmerz zugefügt wird.

Düringers Abschiedsworte: »Wenn es Ihnen gefallen hat, empfehlen Sie mich weiter. Wenn nicht, dann halten’s die Goschn. Keiner interessiert sich für Ihre Meinung.« Dem Applaus nach zu urteilen dürfte kein Zuschauer die Goschn halten. Wolfgang Schweiger