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Weltmusik aus Mittelfranken

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Schräge Musik und skurrile Geschichten bot »Gankino Circus« mit (von links) Ralf Wieland, Simon Schorndanner, Maximilian Eder und Johannes Sens beim Konzert in Traunstein. (Foto: Heel)

»Clownerie mit Schlager-Attitüde und Punkrock, der nach Django Reinhardt klingt«. So die Selbstbeschreibung der vier Bandmitglieder, die einst als Straßenmusiker angefangen haben, um sich damit ihren Urlaub zu finanzieren.


Mittlerweile geben sie in halb Europa Konzerte und waren auf Einladung des Goethe-Instituts in der Ukraine auf Tournee. Nach dem großen Erfolg ihres Albums »Franconian Boogaloo« präsentierte die Band aus dem mittelfränkischen Dietenhofen nun ihr neues Programm »Irrsinn und Idyll« in der Traunsteiner Kulturfabrik NUTS. Eine aberwitzige Mixtur aus Konzert und Kabarett, mit rasanten Melodien und skurrilen Geschichten, so spielfreudig wie humorvoll über die Bühne gebracht.

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Da mischten sich bulgarische Tänze (Gankino) mit finnischer Folklore, Balkan Beats mit Rock’n’Roll, Gypsy-Swing mit fränkischen Volksweisen, verknüpft mit haarsträubenden Erzählungen wie der vom besoffenen Werwolf, der von der Dorfgemeinschaft zum Ehrenbürger von Dietenhofen ernannt wird.

Angeführt wird die Band von Ralf Wieland, einem brillanten Gitarristen und gewitzten Geschichtenerzähler, von dem der eine oder andere Dietenhöfner sagte: »Wäre er nur in einem anderen Umfeld aufgewachsen, hätte aus ihm gut und gerne ein neuer Django Reinhardt werden können«. Er bringt den Zuhörern die Besonderheiten seines Heimatortes näher, dem »Ort mit der höchste Schlagzeugerdichte Europas«, wo man das Erbe der Altvorderen weitertrage bzw. sich schon in fünfter Generation auf das Volksmusikantentum verlegt habe.

Nur logisch also, dass neben Johannes Sens, dem offiziellen Drummer der Gruppe, sich auch Akkordeonist Maximilian Eder aus der Dynastie der Eders als »Meister an der fränkischen Rahmentrommel« erweist und zwischendurch ein wahnwitziges Schlagzeugsolo abliefert. Doch so viel Ralf Wieland auch abschweift und uralte Geschichten aus seiner Heimat auspackt, die Musik steht immer im Mittelpunkt, schräg, schrill und wild. Zumal noch der ebenso »elegante wie therapiebedürftige Arztsohn« Simon Schorndanner mit von der Partie ist, der nicht nur an Saxophon und Klarinette brilliert, sondern auch als Sänger hervortritt und seine Aggressionen an einer »Orchestertriangel« auslassen darf.

Zuletzt legt Johannes Sens noch eine begeistert aufgenommene (Umzieh)Einlage hin: Während er das Schlagzeug bearbeitet, entledigt er sich gleichzeitig seiner Schuhe, seiner Hose, des Hemdes. Und sitzt schließlich in Turnhose und Fußballtrikot da. Furioser Abschluss eines großartigen Konzerts, das erst nach etlichen Zugaben endgültig zu Ende war. »Gankino Circus« kommt wieder am 9. Dezember ins NUTS. Wolfgang Schweiger

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