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Weltpremiere der wohl kleinsten Big Band

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Die Keller Steff Big Band präsentierte »Musik, die brennt«: Unser Bild zeigt von links Philipp Treichl, Peter Lechner, Rick Blain, Gerhard Zimmermann, den Keller Steff und Franz Gries. (Foto: Kewitsch)

Weltpremiere und vielleicht auch ein kleiner Weltrekord in Siegsdorf! Kein Witz, keine Zeitungsente, sondern ein Superlativ im dreifachen Sinne: erstens ist die Keller Steff Big Band die vielleicht kleinste Big Band der Welt, zweitens fand erstmals seit über sieben Jahren – solange gibt es das Cafe Weinmüller in Siegsdorf – ein Konzert am Ruhetag statt und drittens feierte und bestand die Keller Steff Big Band ihre Feuertaufe vor heimischem Publikum. Ohren auf. »Pack mas« pflegt der Steff zu sagen.


Die kleine Bühne forderte ihr erstes Opfer: »Sie« wie Gerhard Zimmermann seinen Kontrabass liebevoll nennt, musste weichen, ersetzt wurde das markante Instrument durch einen »Mini«-Bass. Ansonsten fanden alle sieben Akteure samt Trompete, Horn, Saxophon, Altsaxophon, Gitarre, Schlagzeug und Orgel irgendwie einen Platz auf engstem Raum. Apropos »engster« Raum, das Weinmüller war auch ohne Vorankündigung einmal mehr rappelvoll.

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Der Keller Steff, gewohnt schelmisch und rustikal, eröffnete temporeich. Was nun folgte, war die Symbiose aus dem altbekannten rockig-folklorigen-bayrischen Liedgut alá Keller und einer soulig druckvollen Untermalung mit bestem Bläsersound à la »Max Greger«. Rick Blain (berühmt durch den Eastside Express), Philipp Treichel (der Booze-Club-Mann), Peter Lechner (bekannt aus Sauerkirsch) dampften nach vorn, dass man sich wunderte, warum die Scheiben diesem Druck standhielten. Erfahrene Keller-Steff-Fans hielten einen Moment inne, als der Bläsersound das Ohr erreichte, doch was wie ein schräges Experiment klang und fünf Jahre Ideenreife hinter sich hat, nistete sich harmonisch ein, passte, ließ zucken.

Geboten wurden alte Hits von der »Da Zeckn« bis zum »Magic« oder der Mitmacher-Song »ChickenWingBudeKing« oder »Narrisch« und der Ohrwurm »Kaibiziagn«, aber auch vier brandneue Songs. Weltpremiere eben. Allen voran die Komposition »Es brennt« – ein Keller-Kracher vom Feinsten, durch Sax und Trompete perfekt in Szene gesetzt, war an diesem Abend gleich zweimal zu hören. »Es brennt«, es brannte lichterloh, es war ein Fest. Dass ein Keller Steff auch kabarettistisches Talent hat, bewies er auch in dieser langen Nacht. Selbstironisch, frotzelnd, geschwätzig, fabulierend und improvisierend gab er seine launigen Anekdoten zum Besten und hatte sichtlich Spaß dabei. Seine Mannen Franz Gries (Gitarre) und Chris Stöger an den Drums rundeten das Arrangement äußerst stimmig ab. Eigenständige saubere Musik, die nunmehr durch deutsche Lande von Berlin bis Übersee (Chiemsee Summer) touren wird und den Gute-Laune-Virus verbreiten wird.

Die Tatsache, dass es sich bei dieser »Weltpremiere« zu alledem auch noch um ein Benefizkonzert zugunsten der Lebenshilfe handelte, zeigte einmal mehr, dass man mit einem Sound, der in diesem Sommer alle Bierzelte in Deutschland zerlegen wird, auch noch Gutes tun kann. Sauba sog i. Pack mas. Udo Kewitsch