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Bettine Clemen spielt auf der BERGinale das »Liebeslied für unseren Planeten«

Weltreise auf den Flügeln der Musik

Berchtesgaden – Das Multivisionsfestival BERGinale, das heuer zum 19. Mal im Kongresshaus Berchtesgaden stattfand, brachte zum Abschluss die mit Musik verbundene Bilderschau der weltreisenden Flötistin Bettine Clemen.

Bettine Clemen ist eine Weltreisende in Sachen Musik. Die Schönauerin beendete am Sonntag mit ihrem Auftritt die BERGinale. (Foto: Aumiller)

Der Musik und den Tieren gehört ihre große Liebe und allen, die ihr zuhören, vermittelt sie diese Liebe mit ihrem berührenden Spiel. Virtuos und gefühlvoll begleitete sie live auf verschiedenen Flöten ihre fantastische Bilderschau, die den Zuschauern spannende, lustige und bewegende Eindrücke von ihren diversen Reisen nahebrachte.

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Alle fünf Kontinente hat sie mehrfach auf ihren Touren mit und für Musik bereist. 120 Flöten besitzt sie insgesamt und zwei oder drei davon führt sie stets im Gepäck, wo immer sie sich gerade befindet. Ob von den Berchtesgadener Bergen zu den Eisbergen in der Antarktis, von Thailand nach Südamerika, von Brasilien nach Neuseeland, von Island nach Südafrika, von den USA nach China: ihre Bilder geben ihren lebendigen Austausch mit der auf die Musik reagierenden bunt gewürfelten Fauna und mit den Kindern der Welt wieder. Es ist ihr ein großes Anliegen, die Besucher teilnehmen zu lassen an ihren Erfahrungen und zu zeigen, »wie wir alle mit Tieren und Natur verbunden sind«. »Alles ist Klang, Schwingung, Liebe«, sagt sie und diese Kraft teilt sie mittels ihrer tanzenden Flötentöne den Menschen, den Tieren und Pflanzen mit.

Eine reiche melodische Mischung gab den laufenden Bildern die richtige Atmosphäre. Die schöne Bilderfolge verband sie mit der Musik im passenden Timing und band auch das Live-Spiel exakt in die Filmsequenzen ein. Für die Island Pferde ist der feurige russische Kossatchkaya das passende Temperament. Die Pinguine aus Südafrika, Argentinien und Chile sind mit dem Tango »La Cumparsita« auf Du und Du.

Mozarts Andante aus dem Klavierkonzert Nr. 21 hat Clemen dem »Wunder der Tiere« gewidmet und besonders erheiternd war der »Baby Elephant Walk«. »Love Story« eignete die Flötistin der betagten Riesenschildkröte zu und ihre Eigenkomposition »Liebeslied für unseren Planeten« kombinierte sie mit den Schönheiten Costa Ricas. Innigkeit verströmen »Enyas Lied« in der Antarktis und die mit der Bassflöte intonierte Melodie von »Amazing Grace«.

Es war köstlich, wie sich die Elefanten im Takt wiegten, die antarktischen Pinguine sich von der Musik in angeregte Stimmung versetzt fühlten, die Kühe in Missouri dem Flötenspiel echoten oder ein einheimischer Hund seine Arien im Duett mit der Flöte anstimmte. Neugierig beäugten die Koalas, die Kamele, Affen und Löwen oder die wilden Island Ponys die flötende Musikerin. Die Pferde in Oberbayern zeigten sich besonders musikalisch. Verliebt hat sich Bettine Clemen in die 220 Jahre alte Riesenschildkröte auf der Insel St. Helena, die bereits Napoleon Gesellschaft geleistet hatte.

Ein besonderer Gast und eine Besonderheit war an diesem Abend zu bestaunen: die »singende Pflanze«. Die Filmproduzentin und Regisseurin Tania Maidenfort und der Filmproduzent Frank Jacob befassen sich mit der Musik der Pflanzen. Maidenfort verband die anwesende Pflanze, einen Weihnachtsstern, wie er hierzulande genannt wird, mit einem elektronischen Umwandlungsgerät, das die Biosphäre der Pflanze wahrnimmt und diese Schwingungen in Töne übersetzt. Seit 1970 gibt es diesbezügliche wissenschaftliche Untersuchungen von Damanhur. Die asiatischen Harmonien des Pflanzengesangs begleitete Frank Jacob mit der aztekischen Trommel, worauf noch ein Duett zwischen Didgeridoo und Flöte folgte.

Vom Beginn im Salzburger Mozarteumorchester und im Orchester der brasilianischen Stadt Belo Horizonte führten die Reisen die seither freischaffende Musikerin in die ganze Welt. Jahrzehnte hatte Bettine Clemen die USA zur Wahlheimat gewählt, seit einigen Jahren ist die gebürtige Rosenheimerin wieder in die oberbayerische Heimat zurückgekehrt und hat ihren Wohnsitz in den Berchtesgadener Bergen in Schönau am Königssee. So konnte der vielseitige und reizvoll aufbereitete Abend nur mit ihrem »Tribut to Mozart« enden, mit der Figaro-Ouvertüre und der »Kleinen Nachtmusik« zu einem Videostreifzug durch die heimische Umgebung. Elisabeth Aumiller