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Weltweite Empörung über WM-Schiedsrichter

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Im Kreuzfeuer der Kritik - der spanische Referee Carlos Velasco. Foto: Diego Azubel Foto: dpa

Berlin (dpa) - Das WM-Aus von Brasiliens Starstürmer Neymar hat eine weltweite Welle der Empörung über die laschen Auftritte der Schiedsrichter bei der Endrunde am Zuckerhut ausgelöst.


Argentiniens Fußball-Legende Diego Maradona wütete in seiner Sendung «De Zurda» des venezolanischen Senders Telesur über den Spanier Carlos Velasco: «Der Schiedsrichter war der mieseste, den ich in den letzten zehn Jahren gesehen habe.» Und der frühere Top-Schiedsrichter Urs Meier kritisierte: «Das hat die FIFA mitzuverantworten.»

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In einem Gastbeitrag für Focus Online schrieb sich der Schweizer den Frust von der Seele, den er mit Millionen Fußball-Fans teilt. «Der Ball wird zur Nebensache. Die WM verkommt zu einem Treter-Festival», stellte Meier deprimiert fest. «Der Fußball bei dieser WM ist viel zu physisch und körperbetont, die Messlatte für Gelbe Karten viel zu hoch angesetzt worden. Es wird getreten, gehalten, gezerrt und gemeckert - die Grenzen werden auf jedem Gebiet überschritten. Die Referees lassen viel zu viel laufen und greifen kaum in die Brusttasche», schimpfte er weiter.

Die Kritik wird durch die WM-Statistik gestützt. Verteilten die Unparteiischen bei der WM 2010 in Südafrika noch 245 Gelbe Karten, waren es bei dieser Endrunde bis zum Freitagabend lediglich 159. Deutschlands Schiedsrichter-Boss Herbert Fandel hatte sich deshalb schon zur WM-Halbzeit besorgt über diesen Trend geäußert.

«Wir sehen Vergehen, bei denen wir sagen: Hier müsste eigentlich eine Verwarnung her. Wenn diese notwendigen Verwarnungen nicht ausgesprochen werden, ist man zunächst einmal verwundert. Wenn dies dann zur Regel wird, ist man mehr als irritiert», sagte Fandel im «kicker»-Interview und fügte hinzu: «Schiedsrichter sollen ein Spiel leiten, und der Fußball muss im Mittelpunkt stehen. Allerdings ist es auch ihre Aufgabe, gewisse Grenzen zu setzen. Wenn man das nicht tut, schadet es dem Fußball eher.»

In den Chor der Kritiker stimmte auch TV-Experte Mehmet Scholl ein. Der frühere Nationalspieler wetterte nach dem 2:1 der Brasilianer im Viertelfinale gegen Kolumbien: «Ich bin richtig sauer und richtig enttäuscht. Das kommt dabei raus, wenn die Schiedsrichter nicht in der Lage sind oder die Vorgabe haben, brutale Fouls nicht zu stoppen. Dann wird ein Neymar verschluckt, der wird vom Platz getragen. Das war jetzt nicht mehr meine Sportart.»

Im Südamerika-Duell am Freitagabend gab es mit 54 Fouls so viele wie zuvor nicht bei dieser WM - aber nur vier Gelbe Karten. «Das passt zum Stil bei dieser WM. Man toleriert wahnsinnig viel. Da braucht sich niemand wundern, dass es Verletzte gibt. Das wird in Kauf genommen», kritisierte Meier. Das brutale Foul an Neymar, das das WM-Aus für Brasiliens Superstar bedeutete, wurde nicht einmal geahndet.

Maradona warf dem Unparteiischen allerdings auch vor, bei Fouls der Brasilianer weggeschaut zu haben. Die Schiedsrichterleistung gehöre zu einem Geheimplan der FIFA, Brasilien ins Halbfinale zu bringen, behauptete Maradona.

Meier hielt der FIFA vor, die Akteure zu gefährden, um spektakuläre und kampfbetonte Spiele bieten zu können. Besonders betroffen seien Techniker wie Neymar oder auch Mesut Özil. Sie würden darunter leiden, «dass sie ständig auf die Socken kriegen. Sie können sich gar nicht richtig entfalten, weil sie bei jeder Gelegenheit umgetreten werden.»

Meier-Beitrag auf Focus Online