weather-image
24°

Wem gehört der Rolls Royce? Betrug landete vor Gericht

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Foto: Symbolbild

Laufen – Zweimal sollen Sohn (50 Jahre) und Mutter (68) der VR-Bank im Bad Reichenhall den Fahrzeugbrief eines 51 Jahren alten Rolls Royce im Wert von 38 000 Euro vorgelegt haben, um einen Kredit und einen Überziehungsrahmen zu erhalten. Das Problem: Der Wagen gehörte gar nicht ihnen.


Weil die beiden Traunsteiner mit der VR-Bank in Bad Reichenhall zusammenarbeiteten, landete der Fall am Laufener Amtsgericht. Wegen Betrugs und Beihilfe zum Betrug entschied Richterin Dr. Elisa Frank auf eine Bewährungs- und eine Geldstrafe.

Anzeige

Es war eine reichlich verworrene Geschichte, die man über mehrere Stunden im Gerichtssaal ausbreitete. Mit dabei war ein polnischer Schönheitschirurg, der in Venedig lebt und mit dem angeklagten Geschäftsmann in die Schule gegangen war. Seine Aussage ließ er von einem Anwalt begleiten. Der Arzt räumte ein, dass er Geld vor seiner Ex-Frau habe verstecken wollen. Weil auch die Anmeldung eines Oldtimers in Deutschland einfacher sei, habe er sich dafür entschieden, den Wagen an den Angeklagten und dessen Mutter zu übergeben. Das aber war kein Einzelfall: Daneben war noch von einem Mercedes SLK, einem BMW und einem Ford Mondeo die Rede. Der Mercedes soll in Polen gestohlen worden sein.

Mit im Spiel soll der Bruder des Arztes gewesen sein, der seinerseits den Besitz für sich beansprucht haben soll. Steuer und Versicherung für den Rolls Royce hatte weiterhin der Arzt bezahlt. Schließlich soll der Angeklagte den Arzt erpresst haben, den Rolls Royce zu verkaufen, falls der ihm kein Geld geben würde.

»Es ging ursprünglich um eine Existenzgründung für einen Autohandel«, erinnerte sich der Reichenhaller Bankkaufmann. Zunächst waren es 10 000 Euro Kredit gewesen, später sollte der Überziehungsrahmen auf 40 000 Euro festgesetzt werden. Die Sicherheiten: Zwei Sparguthaben und der Rolls Royce Silver Shadow. Das Minus belief sich laut Bankvertreter auf zuletzt 37 000 Euro.

»Der Angeklagte hat immer nur Ausreden gebracht«, berichtete der Arzt. Die Angabe, der Rolls Royce befinde sich bei einer Werkstatt in Kolbermoor, habe sich als falsch erwiesen. Auf die Frage von Dr. Elisa Frank, wo sich der Wagen denn aktuell befinde, intervenierte Rechtsanwalt Stefan Neudecker für den Zeugen: »Dazu sagen wir nichts.« Neudecker war darüber hinaus aktiv geworden, als Rechtsanwalt Korbinian Ortner – Vertreter der angeklagten Mutter – die Herausgabe der Unterlagen des Arztes verlangte. Neudecker nahm sofort alles an sich und erklärte: »Mein Mandant hat mir das alles übergeben.« – »Im Raum steht Geldwäsche«, begründete Verteidiger Ortner seinen Antrag auf Beschlagnahme, was die Richterin jedoch zurückwies: »Wir haben das Originalschreiben gesehen. Für eventuelle Straftatbestände sehe ich keinen Anlass. Und dafür wäre ich auch nicht zuständig.«

Anwalt Neudecker begründete den »Kaufvertrag« mit Sohn und Mutter damit, den Wagen anmelden zu können. Geld sei nicht geflossen. Am Ende blieb die Behauptung der angeklagten Mutter, der Arzt habe ihr den Wagen im Jahr 2015 geschenkt. Das verneinte der Schönheitschirurg.

Ein Gutachten hatte den Wert des 51 Jahre alten Luxuswagen auf 38 000 Euro taxiert; ein zweites kam zu dem Ergebnis 45 000 Euro. Noch im November 2017 hatten die Beteiligten schriftlich vereinbart, der Wagen dürfe bis zur endgültigen Klärung von den beiden Angeklagten weiter genutzt werden.

Staatsanwalt Matthias Stephan sah die Anklage »im Wesentlichen bestätigt«. »Die beiden wussten, dass sie nicht Eigentümer des Rolls Royce waren, eine Eigentumsübertragung hat es nicht gegeben.« Die Mutter habe wohl die Verträge unterschrieben, um ihrem Sohn zu helfen. Für den 50-Jährigen beantragte der Staatsanwalt eine Freiheitsstrafe von 20 Monaten, die er für drei Jahre zur Bewährung aussetzen möchte. Die 68-Jährige sollte wegen Beihilfe zum Betrug 3600 Euro zahlen.

Rechtsanwältin Kristina Kraus plädierte auf »nicht schuldig«. Die Verteidigerin des Sohnes erachtete den Schönheitschirurgen als »vollkommen unglaubwürdig«. Auch Rechtsanwalt Korbinian Ortner sah die Anklage »nicht bestätigt«, ein Eigentum seiner Mandantin nicht widerlegt, ihr Verhalten absolut rechtmäßig. »Herr Neudecker macht hier den Eindruck, als hätte man etwas zu verbergen«, formulierte er einen Seitenhieb auf den Kollegen und beantragte Freispruch.

Man bringe offensichtlich Eigentum und Besitz durcheinander, fasste Elisa Frank zusammen, die Angeklagten hätten gewusst, dass der Arzt rechtmäßiger Eigentümer sei, eine Schenkung habe nicht stattgefunden. Die Richterin stellte aber auch fest: »Der Zeuge kann sich erstaunlich gut erinnern.« Frank entschied auf ein Jahr und eine dreijährige Bewährung für den Sohn und eine Geldstrafe über 3600 Euro für die Mutter. Als Wertersatz seien 20 590 Euro einzuziehen. höf