Wenn ältere Menschen aus Not »fasten«

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Malteser-Bezirksgeschäftsführer Herbert Eder (l.) und Kreisgeschäftsführer Michael Soldanski (r.) hoffen, dass »Bufdi« Marco Huber und das ganze Menüservice-Team in Zukunft mithilfe von Spenden noch mehr bedürftige ältere Menschen mit kostenlosen Mahlzeiten versorgen können. (Foto: Malteser BGL)

Berchtesgadener Land – Während der Fastenzeit verzichten viele Menschen aus gesundheitlichen oder religiösen Motiven zum Beispiel auf Alkohol oder Süßigkeiten. Sie verzichten freiwillig und für eine begrenzte Zeit. Bei älteren Menschen, die trotz staatlicher Unterstützung sehr wenig Geld zum Leben haben, bleibt der Teller oft unfreiwillig leer – vor allem, wenn gegen Ende des Monats der Geldbeutel leer ist.


Damit auch diese Menschen täglich eine warme und ausgewogene Mahlzeit genießen können, haben die Malteser das Projekt Mahlzeitenpatenschaften ins Leben gerufen. Privatpersonen oder Unternehmen sorgen mit ihrer Spende dafür, dass ältere und kranke Mitbürger jeden Tag ein Mittagsmenü bekommen.

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Eine der Personen, die von den Malteser-Mahlzeitenpatenschaften profitieren, ist Susanne L. (Name geändert). Die Frührentnerin aus dem Berchtesgadener Land, die wegen einer Erkrankung in ihrer Mobilität stark eingeschränkt ist, könnte sich den Menüservice aus eigenen Mitteln nicht leisten. Von ihrer Rente und der staatlichen Grundsicherung bleiben nach Abzug der hohen Miete und der Fixkosten meist weniger als 300 Euro übrig, erklärt sie. Im vergangenen Jahr machte eine Pflegerin der Caritas, die ihr morgens bei der Körperpflege hilft, sie auf das Projekt der Malteser-Mahlzeitenpatenschaften aufmerksam. Nach einem ersten Gespräch mit Stefan Lackner, Leiter Soziale Dienste bei den Maltesern im Bezirk Ost-Oberbayern, beantragte Susanne L. die Patenschaft. Die Malteser prüften die Bedürftigkeit und bewilligten den Antrag.

Seit April 2020 bekommt Susanne L. nun täglich ein warmes Mittagsmenü, das ihr die Malteser wie auch den übrigen Kunden des Menüservice jeden Mittag bringen. »Das ist wunderbar, das Essen«, sagt sie dankbar und gibt zu: »Das hätte ich ja nun nicht gedacht.«

Für die übrigen Einkäufe teilt sie das wenige verfügbare Geld jeden Monat gut ein. »Ich möchte mir auch mal ein Stückchen Butter kaufen und das auf einem frischen Brötchen genießen.« Dass sie nur eine kleine Rente bekommt, hat mehrere Gründe: Wegen der Erziehung ihrer Kinder, darunter ein chronisch krankes, stieg sie lange aus dem Berufsleben aus. Später konnte sie mit Teilzeit- und Gelegenheitsjobs keine hohen Rentenansprüche mehr aufbauen. »Das ist eine großartige Sache, dass die Malteser diese Patenschaften anbieten«, findet Susanne L.

Die Bewilligung einer Mahlzeiten-Patenschaft gilt immer für ein Jahr und das läuft nun aus. »Wenn die Voraussetzungen weiterhin gegeben sind, verlängern wir die Patenschaft natürlich – sofern genügend Spendengelder vorhanden sind«, erklärt Lackner. Damit die Malteser Susanne L. weiterhin mit einer Mahlzeiten-Patenschaft unterstützen können und weitere Bedürftige mit einer Zusage glücklich machen können, hoffen die Verantwortlichen auf zahlreiche kleine und größere Spenden für dieses lokale Hilfsprojekt. »Vielleicht möchte uns jemand spenden, was er oder sie beim Fasten gespart hat«, schlägt Lackner vor.

Wer selbst bedürftig ist und in den Genuss kostenloser oder bezuschusster Mittagsmenüs kommen möchte, kann sich unverbindlich an die Malteser wenden. Alle Angaben werden vertraulich behandelt. Grundsätzlich kommt für eine Patenschaft in Betracht, wer über 75 Jahre alt oder aufgrund von Krankheit oder Behinderung beeinträchtigt ist.

Außerdem muss mindestens eine der folgenden Voraussetzungen erfüllt sein: Die Person bezieht Grundsicherung im Alter oder Sozialhilfe, hat einen Berechtigungsschein der Tafel oder eine Sozialcard oder nach Abzug der Miete bleiben weniger als 550 Euro monatlich zum Leben.

Neben Mittagsmenüs, die je nach Wunsch und örtlicher Verfügbarkeit täglich warm oder wöchentlich tiefgekühlt zum Fertiggaren ausgeliefert werden, kann bei Bedarf auch der Hausnotrufdienst der Malteser über eine Patenschaft finanziert oder bezuschusst werden.

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