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Wenn das Böse an die Tür klopft

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Märchen einmal anders mit (von links) Andrea Reinbacher, Patrick Brenner, Katharina Hanke und Franz-Josef Fuchs. (Foto: M. Heel)

Wenn eine Märchenaufführung nur von Erwachsenen besucht werden darf, weckt das bestimmte Erwartungen. Vor allem dann, wenn das Stück auch noch den etwas seltsamen Titel »Der Wolf und die 7 Geißlein feat. Shining« trägt und in der Vorankündigung steht: »Wieso verlässt die Mutter ausgerechnet in der Vollmondnacht ihre 7 Geißlein und was passiert, wenn man dem Bösen die Tür öffnet?« Da fragt man sich unwillkürlich, was haben Stephen King und Werwölfe mit diesem allseits bekannten Märchen der Gebrüder Grimm zu schaffen?


Die Antwort darauf lieferte der Autor, Regisseur und Theaterintendant Mario Eick mit seiner Inszenierung auf der Märchenalm des Hotels »Bayerische Alm« in Burghausen. Ausgehend von der eindringlichen Warnung der Mutter an ihre sieben Jungen, während ihrer Abwesenheit ja niemandem die Tür zu öffnen, entwickelte er ein so spannendes wie alptraumhaftes Szenario, das neben einigen Verweisen auf Stephen Kings Roman »Shining« vor allem die Werwolf-Thematik verarbeitete.

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Denn im Gegensatz zum Märchen ist es hier die Mutter, von der die tödliche Bedrohung ausgeht. Und die dadurch in einen fürchterlichen Konflikt gestürzt wird, weiß sie doch von ihrer bevorstehenden Verwandlung in einen Wolf (und der damit verbundenen Fresslust). Eine Doppelrolle, die von NUTS-Chef Franz-Josef Fuchs ungemein intensiv und facettenreich ausgefüllt wurde.

Sehr packend war aber auch, wie Mario Eick die Zwangslage der (geschickt auf drei reduzierten) eingeschlossenen Jungen in Szene gesetzt hat. Während das jüngste, gespielt von Patrick Brenner, von düsteren Visionen geplagt wird und das böse Ende ahnt, schwanken die zwei anderen (Katharina Hanke und Andrea Reinbacher) zwischen Todesangst und der Hoffnung, das Unheil doch noch abwenden zu können. Ein klaustrophischer Horrortrip, von dem Schauspieler-Trio glänzend bewältigt. Einen wichtigen Anteil hatten dabei auch die düsteren Musikeinlagen (Andi Lankes), die Ausstattung (Simone Sommer) und die perfekten Lichteffekte.

Die Aufführungen auf der Märchenalm des Hotels »Bayerische Alm« dauern noch bis Ende September, unter anderem werden noch »Rotkäppchen« und Rumpelstilzchen« gezeigt sowie »Hans im Glück« mit Franz-Josef Fuchs in der Hauptrolle (Sonntag, 13. September um 14 und um 15.30 Uhr und am Sonntag, 27. September um 14 und um 15.30 Uhr. Weitere Informationen gibt es unter www.burghauser-maerchenalm.de. oder info@burghauser-maerchenalm.de. Wolfgang Schweiger