Wenn das Christkind auf sich warten lässt …

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Die Jugendgruppe der Jungen Chiemseer Bühne aus Grabenstätt lauscht dem weihnachtlichen Verkündigungsengel. (Foto: Heel)

Gestaltet von Mitgliedern des Fabriktheaters und des Traunsteiner Salztheaters, hat sich die Traunsteiner Theater-Weihnacht mittlerweile als feste Einrichtung im Kulturleben der Stadt etabliert. Als Gäste im Studio 16 konnte man dieses Mal die Jugendgruppe der Jungen Chiemseer Bühne aus Grabenstätt begrüßen, die eingangs aufführte, was bei den Proben zu einem Weihnachtsspiel so alles schief laufen kann.


Inszeniert von Gerhard Brusche, spielte Christoph Brandl dabei einen genervten Nachwuchsregisseur, der schier verzweifelte angesichts der Launenhaftigkeit und Extravaganzen seiner Darsteller, allen voran Lena Brandl als Maria und Georg Krutzenbichler als Josef. Eine schöne, ausgesprochen kurzweilige Talentprobe, bei der noch Quirin Lange (ausländischer Bühnenarbeiter), Emilie Walch (Mädchen für alles), Christina Lenger (Bühnenhilfe), David Laufke (Techniker) und Paula Schnelle (Verkündigungsengel) mitwirkten.

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Der Verzweiflung nahe war auch Christa Fuchs als Radiomoderatorin, die einen Studiogast, gespielt mit uriger Wucht von Sebastian Schuhbeck, dazu bringen wollte, als angeblich typischer Altbayer etwas Typisches über den Advent zu erzählen. Der gab sich aber, typisch eben, störrisch und wortkarg und hatte letztendlich nicht mehr zu sagen, als dass es eine Zeit vor und eine Zeit nach dem Advent gebe. Mit von der Partie waren auch Susanne Hansen und Gerhard Brusche, die ein in die Jahre gekommenes Ehepaar verkörperten. In zwei szenischen Lesungen führten sie dabei kleine Ärgernisse häuslichen Zusammenlebens vor, sei es die verlegte Lesebrille der Ehefrau oder die »mutwillig« entsorgte Lieblingshose des Hausherrn. Szenen, in den sich viele Ehepartner wiedererkannten, so amüsant wie treffend dargeboten.

In einem weiteren Sketch stritten Christa Fuchs und Margit Bischlager (per Telefon) über Erziehungsmethoden bzw. was für Kinder besser sei: In der Kita mit anderen Kindern herumzutoben oder behütet von der Mama am häuslichen Computer herumzuspielen.

Kabarettreif war der Auftritt von Klaus Bierdimpfl, der zunächst als neunmalkluger Manager über Innovationen beim Weihnachtsgeschäft schwadronierte und dann als rasender Reporter im Stil eines Peter Scholl-Latour live von einer Volkszählung in Galiläa und der Herbergssuche eines jungen Paars berichtete. Zuletzt hatte Sebastian Schuhbeck noch einen Soloauftritt, bei dem er satirische Betrachtungen rund um Weihnachten anstellte, etwa zu glühweingetrübten Begegnungen auf dem Christkindlmarkt.

Zum Abschluss der von Verena Fuchs charmant moderierten Veranstaltung stimmten Christa Fuchs, Willi Schwenkmeier, Franz-Josef Fuchs und Valentin Fuchs gemeinsam mit den Zuschauern dann noch »Oh Tannenbaum« an, und derart eingestimmt war man bestens auf Weihnachten vorbereitet. Für die sehr geglückte, musikalische Umrahmung sorgten dabei Ralf Glück (Gesang/Akkordeon), Michael Felsenstein (Gesang/E-Piano) und Florian Seestaller (Kontrabass). Sie erfreuten das Publikum unter anderem mit zwei Wiener-Couplets, »Einer hat imma des Bummerl« und »Im Tröpferlbad« sowie mit dem Schlager »Die Pubertät« (die Gott nur erfunden habe, damit den Eltern die Trennung vom Nachwuchs leicht fällt), hatten aber auch eher Besinnliches zu bieten. So überraschte Michael Felsenstein mit seiner packenden Vertonung des Gedichts »Leben« von Hermann Hesse, und einen passenden Schlusspunkt setzen die drei Musiker mit dem wunderschönen Hubert von Goisern-Lied »Wieder hoam«. Wolfgang Schweiger

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