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Wenn das Leben zur Lüge wird

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Der Südtiroler Autor und Regisseur Dietmar Gamper hat Christa und Franz-Josef Fuchs die finstere Komödie »Verlorene Zeit – Ein Dialog im Keller« auf den Leib geschrieben. (Foto: M. Heel)

Was schenkt man jemandem, der ein Theater führt und an diesem auch als Schauspieler tätig ist, zum Geburtstag? Genau, ein eigens für ihn geschriebenes Theaterstück. Oder konkret gefragt: Wie kann man zwei Menschen ehren und erfreuen, die seit nun 15 Jahren in Traunstein mit großem Engagement und viel Erfolg eine Kleinkunstbühne leiten? Richtig, man bringt sie gemeinsam auf die Bühne und lässt sie in einem Stück agieren, das wie maßgeschneidert für sie ist.


Die Rede ist, natürlich, von Christa Fuchs und ihrem Sohn Franz-Josef, die mit ihrer Kulturfabrik NUTS aus Traunsteins Kulturleben längst nicht mehr wegzudenken sind. Nicht nur wegen der unzähligen Künstler aus den Bereichen Kabarett, Musik, Literatur u.s.f., die im Laufe der Jahre hier aufgetreten sind, sondern auch wegen der vielen Eigenproduktionen des Fabriktheaters.

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So hatte man zuletzt mit dem Volksmusical »Brandner, willst du ewig leben?«, verfasst von dem Südtiroler Autor und Regisseur Dietmar Gamper, einen Riesenerfolg. Und Gamper war es auch, der den beiden jetzt die finstere Komödie »Verlorene Zeit – Ein Dialog im Keller« auf den Leib geschrieben hat, als Geschenk und Anerkennung. Ein Stück, mit dem er den Erfolg seines »Brandner …« durchaus wiederholen könnte. Auf das deuteten jedenfalls die Reaktionen der Besucher bei der Premiere im ausverkauften Saal hin, die mit rasendem Applaus und Standing Ovations Christa und Franz-Josef Fuchs feierten.

Franz-Josef Fuchs spielt in dem Stück einen namenlosen jungen Mann, der eines Tages in den Keller seines (Eltern)Hauses hinabsteigt, um nach dem Rechten zu sehen. Er hat Geräusche gehört! Mit einer Taschenlampe (!) inspiziert er den Raum, und entdeckt zu seiner Überraschung eine alte Frau, die es sich hier augenscheinlich gemütlich gemacht hat. Er stellt die Frau zur Rede, macht ihr Vorwürfe, droht mit der Polizei.

Doch die Frau bleibt erstaunlich gelassen. Sie zündet in aller Ruhe ein paar Kerzen an und tut so, als würde sie gar nicht hören, was der Mann da von sich gibt. Der jetzt, leicht verunsichert, auf seine Erfolge als Inhaber einer Agentur für Models zu sprechen kommt, auf seinen glamourösen Lebensstil, auf seine Kompetenz in Fragen der Internet-Präsenz. Alles Dinge, die er sich selbst hart erarbeitet habe, wie er betont, denn »jeder ist seines Glückes Schmied«.

Die Frau geht auch darauf nicht ein. Stattdessen lädt sie ihren Besucher zu einem Gläschen Wein ein und beginnt ein Gespräch mit ihm, bei dem sich der Mann bald schon in Widersprüche verwickelt, seine Großkotz-Fassade zu bröckeln beginnt und er quasi zum Verdächtigen wird. Ein spannendes Psycho-Duell nimmt seinen Lauf …

Christa Fuchs strahlte dabei überzeugend die Ruhe und Überlegenheit eines Menschen aus, der seine Bestimmung gefunden hat. Mit behutsamer Mimik und sparsamer Gestik verlieh sie ihrer Rolle Präsenz und Glaubwürdigkeit. Eine glänzende Figur machte auch Franz-Josef Fuchs, der sich kraftvoll ausbreiten konnte und mit expressiver Dynamik erst den großspurigen Erfolgsmenschen gab, bis er, von seinem Gegenüber in die Enge getrieben, ebenso anschaulich um seine nackte Existenz bangte. Und erstklassig war auch die Regie von Dietmar Gamper, der sein Stück so temporeich wie präzise in Szene gesetzt hatte, allerdings mit einem (in meinen Augen) etwas zwiespältigen Bühnenbild.

So ist »Verlorene Zeit – Ein Dialog im Keller« ein Stück, das nicht nur spannend zu verfolgen ist (es dauert knapp 80 Minuten), sondern das trotz seiner düsteren Thematik auch erstaunlich unterhaltsam und sogar witzig geraten ist. Eine Tragikomödie im besten Sinn also, und damit sehr sehenswert. Für den Bühnenbau waren Josef Häusler und Simon Schreiber zuständig, für die Technik Bernhard Roll.

Die nächsten Spieltermine sind am heutigen Freitag, morgen Samstag und am Sonntag. Beginn ist jeweils 20 Uhr. Wolfgang Schweiger