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Wenn der Affe menschlich wird

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Kirsten Benekam (links) lernt als Äffin Rotpetra, die Menschen nachzuahmen. (Foto: Gloßner)

Das Theaterstück »Ein Bericht für eine Akademie« nach Franz Kafka war im Rahmen der 14. Steiner Literatur- und Medienwoche an der Schule Schloss Stein ein Erlebnis für die Besucher.


Die Schauspielerin und Pantomimin Kirsten Benekam aus Truchtlaching zeigte auf der Bühne als Äffin Rotpetra ihr großes Talent. Sprache, Bewegung, Mimik und Nachahmung wurden bravourös dargestellt, ließen das Publikum das Stück hautnah miterleben. Kirsten Benekam lebte einige Jahre in Paris, war dort auch Schülerin des französischen Pantomimen Marcel Marceau und wurde ergänzt von Marc Bouvet als »Mann für Alles«, selbst Schauspieler und Regisseur aus Burghausen sowie Leiter der Theatergruppe an der Schule Schloss Stein.

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Der szenischen Umsetzung liegt Kafkas Erzählung zugrunde, in der es um die Geschichte der Evolution und insbesondere die Menschwerdung geht: Ein Affe, im Dschungel eingefangen, über längere Zeit in einem engen Käfig eingesperrt und auf einem Schiff gehalten, sucht einen Ausweg aus seinem Dilemma: Er ahmt die Menschen nach. Den erforderlichen Unterricht erhält er von einem Schiffspassagier. Als dressierbarer Affe hat er nun die Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln, Naturinstinkt und geistige Disziplin miteinander zu verbinden und schließlich sogar im Varieté aufzutreten – ansonsten wäre er wohl in einem Zoo gelandet.

Franz Kafka bilanziert in seiner Erzählung das Menschenlos als traurige Errungenschaft und einen, im Ganzen gesehen, annehmbaren Kompromiss. Die Erlebnisse des Affen lassen sich auf den Homo sapiens übertragen und sollen auch der Selbstherrlichkeit des Menschen Einhalt gebieten. Friederike Gloßner