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Wenn der Ehrliche der Dumme ist

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Ein Höllenspaß war der Abend »Hell« mit dem Kabarettisten Michael Altinger in der Traunsteiner Kulturfabrik NUTS. (Foto: Heel)

Dass Hollywood in die Mondlandung verwickelt war, stimmt sogar. Denn die NASA hat tatsächlich bei den Filmleuten angefragt, ob man die Landung aus Kostengründen nicht in einem Filmstudio drehen könne. Doch Hollywood hat derart viel verlangt, dass es für die NASA günstiger war, die Sache in echt durchzuführen.


Mit solchen (Hintergrund)Informationen amüsierte der Kabarettist Michael Altinger sein Publikum in der ausverkauften Traunsteiner Kulturfabrik NUTS. Zwar sollte an diesem Abend eigentlich sein Kollege, der Kabarettist und Schauspieler Andreas Giebel, im NUTS auftreten, um sein neues Programm »So oder so ist das Leben« in einer Vorpremiere vorzustellen. Doch Giebel ist leider erkrankt, und so sprang freundlicherweise Altinger ein, der dafür sein aktuelles Solo-Programm »Hell« präsentierte. Als Inspiration diente Altinger dabei ein reales Erlebnis, ein einfacher Autounfall und dessen komplizierte Abwicklung, die ihm klar gemacht habe, wie Tatsachen verdreht und »alternative Fakten« geschaffen werden können.

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Entlang dieser Abwicklung, veranschaulicht durch zunehmend gereizte Telefongespräche mit seinem Versicherungsberater Florian W., spinnt Altinger eine wahnwitzige Collage aus mal durchaus tiefgründigen, mal völlig abstrusen Anmerkungen zu allen möglichen Themen. Veredelt durch eine ebenso wahnwitzige Performance, bei der er wie ein Derwisch über die Bühne fegt, singt, schauspielert und sogar einen Bauchtanz vorführt. Begleitet wird er dabei von seinem weitgehend schweigsamen »Rhythmusknecht« Martin Julius Faber an Synthesizer und Gitarre, dem er schon mal zuruft: »Mich dünkt, ich bräucht ein Liedchen.«

Zum Unfall selbst, Altinger hat beim Ausparken einen Maserati touchiert, erfahren wir zunächst nur, dass er in einem Anfall von heroischer Ehrlichkeit alle Schuld auf sich genommen hat, gleichsam als »fleischgewordener Kategorischer Imperativ.« Was seiner Versicherung allerdings gar nicht gefällt, denn der Geschädigte nimmt sich sofort einen standesgemäßen Leihwagen, nämlich einen Ferrari. Und das für Wochen. Und das ist erst der Anfang. Dabei hat der Kabarettist noch ganz andere Sorgen und Ängste. So putzen wir mit Sachen, »da machen andere Bomben draus.« Oder müssen auf Toiletten mit einer Glastür davor. Nicht zu vergessen unsere Kinder, aus denen ohne Abitur nichts wird – mit Abitur aber auch nichts. Dazu bringt er einen ominösen Herrn namens Helmut Lux ins Spiel, der unsinnige Sportarten wie das »Stand up-Paddling« ebenso erfunden hat wie den grünen Smoothie und die grassierende Mode der Gabionen (mit Steinen gefüllte Drahtkörbe). Und der, ebenso wie Alexander Dobrindt und Rosi Mittermaier, dem 16-köpfigen Gremium angehört, das die Welt beherrscht.

So wird aus »Hell« ein richtiger Höllenspaß, bei dem Altinger alle Register seiner Kunst zieht, bis zum bitteren Ende bzw. der Einsicht, dass Ehrlichkeit sich nicht immer auszahlt. Speziell dann, wenn der Unfallgegner Maserati fährt und Helmut Lux heißt. Wolfgang Schweiger

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