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Wenn der Poldi mit der Peppi

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Zwei glückliche Paare, die sich gefunden haben: Zahlkellner Leopold (Hermann Waller) und »Rössl«-Wirtin Josepha Vogelhuber (Antje Bornemeier) sowie Rechtsanwalt Dr. Siedler (Jan Reimitz) und Ottilie Giesecke (Frauke Becker). (Foto: Heel)

1930 im Großen Schauspielhaus in Berlin uraufgeführt, hat das Singspiel »Im weißen Rössl« bis heute nichts von seiner Popularität eingebüßt, wobei die wohl bekanntesten Version die 1960 erfolgte Verfilmung mit Peter Alexander in der Hauptrolle sein dürfte.


Um die Entstehung des Singspiels ranken sich viele Geschichten und Behauptungen. Fakt ist, dass die Singspielfassung des »Rössl« auf den 1897 im Berliner Lessing-Theater uraufgeführten, gleichnamigen Schwank zurückgeht, der so erfolgreich war, dass er bald schon an vielen deutschen Theaters nachgespielt und 1926 sogar verfilmt wurde.

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Großen Erfolg hatte 1994 auch die Produktion der »Bar jeder Vernunft«. Diese Berliner Kabarett-, Konzert- und Musicalbühne brachte in der Regie von Ursli Pfister eine ganz eigene, auf kleines Orchester reduzierte Fassung des Singspiels heraus, die nicht nur wegen der illustren Besetzung, u. a. mit Max Raabe, Meret Becker und Otto Sander, ihr Publikum begeisterte. Die Produktion wurde auch als radikales Gegenmodell zur bisherigen Spieltradition aufgefasst, die sich häufig in kitschiger Operettenseligkeit sonnte.

Diese »Bar jeder Vernunft«-Fassung kam nun, in der Inszenierung von Claus Jürgen Frankl, auch im Saal des Traunreuter k1 zur Aufführung. Nicht so prominent besetzt zwar, aber doch mit hervorragenden Akteuren, die auch als Sänger glänzten, allen voran Herman Waller als Zahlkellner Leopold und Antje Bornemeier als »Rössl«-Wirtin Josepha Vogelhuber. Die zwei stehen auch im Mittelpunkt der turbulenten Handlung, in der sich Leopold unverdrossen – aber lange erfolglos – um die Liebe der feschen Josepha bemüht. Denn die scheint mehr an ihrem Stammgast, dem charmanten Rechtsanwalt Dr. Siedler (Jan Reimitz), interessiert zu sein, der soeben zur Sommerfrische eingetroffen ist. Der interessiert sich jedoch für die junge Ottilie (Frauke Becker), die mit ihrem Vater, dem Berliner Fabrikanten Wilhelm Giesecke (Bernd Gebhardt), ebenfalls im »Rössl« abgestiegen ist.

Auch Ottilie ist nicht abgeneigt, den jungen Rechtsanwalt näher kennenzulernen. Unglücklicherweise hat ihr ewig nölender Vater andere Pläne: Um einen leidigen Konkurrenzkampf beizulegen, möchte er seine Tochter am liebsten mit dem gerade am Wolfgangsee eingetroffenen Sigismund Sülzheimer verheiraten, dem Sohn seines Geschäftsgegners. Doch Sigismund (Maximilian Nowka) hat sich bereits in seine Reisebekanntschaft verliebt, das lispelnde, aber sonst ganz reizende Klärchen (Marie-Audrey Schatz), Tochter des sparsamen Professors Hinzelmann (Claus Jürgen Frankl).

Ein überraschender Besuch des österreichischen Kaisers Franz Joseph (Frankl) in St. Wolfgang verbessert schlagartig die Chancen des zwischenzeitlich wegen Ungehorsams entlassenen Leopolds: Josepha muss ihn wieder einstellen, um dem im »Rössl« gastierenden Kaiser und ihren anderen Gästen gegenüber ihre gastronomischen Pflichten erfüllen zu können. Dank beherzter kaiserlicher Intervention lösen sich schließlich alle Probleme in Wohlgefallen auf und jedes Töpfchen findet am Ende sein Deckelchen und damit auch der Poldi seine Peppi.

Instrumental angeheizt von einer fünfköpfigen, erstklassig aufspielenden Band (Keyboard, Geige, Klarinette/Saxophon, Kontrabass und Schlagzeug) und versehen mit hinreißenden Gesangseinlagen wie »Was kann der Sigismund dafür, dass er so schön ist« (Robert Gilbert) bot die Aufführung somit beste satirisch-pointierte Unterhaltung. Wolfgang Schweiger