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Wenn der Steuerfahnder zweimal klingelt

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Unser Bild zeigt den Münchner Schauspieler und Kabarettisten Frank Astor (links) zusammen mit seinem Kollegen, dem Musik-Kabarettisten André Hartmann. (Foto: M. Heel)

»Geld verdirbt nicht den Charakter, es macht ihn nur deutlich!« Das meinte jedenfalls der Münchner Schauspieler und Kabarettist Frank Astor, der jetzt zusammen mit seinem Kollegen, dem Musik-Kabarettisten André Hartmann, in der fast ausverkauften Traunsteiner Kulturfabrik NUTS aufgetreten ist. Unter dem Titel »Kammbäck – Die fetten Haare sind vorbei!« präsentierten die zwei dabei ein Best-of ihrer früheren Programme, bei dem Astor als energisch agierender Steuerfahnder Heinz von Schwarzschieber dem Publikum gleich auf den Leib rückte bzw. Formulare zur Selbstanzeige anbot.


Dazu forderte er mehr Anerkennung für Finanzbeamte und schlug vor, wie man das Image des Finanzamts verbessern könne, etwa durch eine Umbenennung in Cash-Agency, mit der Steuererklärung als Science-Fiction-Document. Genial war auch seine Idee, wie man die gut zwei Billionen Staatsschulden in einem Jahr abbauen könne: Nachdem ein Steuerfahnder dem Finanzamt pro Jahr eine Million einbringt, einfach zwei Millionen Steuerfahnder einstellen.

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Und zu fragen sei auch, so der Fachmann auf der Bühne, ob man angesichts der überaus ergiebigen Tabaksteuer Nichtraucher künftig nicht als Steuerhinterzieher verfolgen sollte. Politisch angehaucht gab sich anfangs auch der Pianist, Stimmenimitator und Entertainer André Hartmann, der aus dem hohen Norden (des Starnberger Sees) gekommen war und erneut in seiner Paraderolle als Gerhard Schröder glänzte (und nebenbei mit »Conchita Merkel« turtelte), ehe er, angeregt von Publikumswünschen, mit »Siebzehn Jahr, blondes Haar« das wohl schönste Lied zum Thema Haare zum Besten gab. Ansatzweise, versteht sich, und so unterschiedlichen Künstlern wie Udo Lindenberg oder Inge Meysel untergejubelt. Zum Schieflachen. Nicht mehr ganz aktuell, aber köstlich wie immer war auch seine Parodie auf den ehemaligen Münchner OB Christian Ude und dessen »Redekünste«, kennt er den Politiker doch vom Nockherberg her, wo er zu Zeiten der rot-grünen Koalition als Double von Kanzler Schröder auftrat und später an gleicher Stelle den Ude gab. Aber auch sonst hatte Hartmann, im Hauptberuf Musiklehrer am Planegger Gymnasium, noch einiges zu bieten. Etwa die Fähigkeit, mental vom Publikum geäußerte Liederwünsche aufzunehmen und so spontan wie improvisationsfreudig umzusetzen, ergänzt mit musikalischem Allgemeinwissen, das in der Welt draußen, so Hartmann, bedauerlicherweise nicht anerkannt werde, sodass die Besucher gut daran täten, es sofort wieder zu vergessen.

Nicht zum Vergessen gedacht waren hingegen die Anmerkungen, die Frank Astor alias Heinz von Schwarzschieber abschließend vorbrachte: Etwa zur Steuergeldverschwendung bei Stuttgart 21 oder beim »umweltfreundlichsten« Flughafen BER. Oder dass nur zwei Prozent des Geldes an reale Sachwerte gekoppelt seien und Rating-Agentur von »raten« komme. Und wie man aus wertlosen Schuldscheinen so windige wie hochprofitable Finanzprodukte machen kann, darüber wurden wir auf sehr unterhaltsame Weise auch noch informiert.

Kurzum, ein so kurzweiliger wie um Aufklärung bemühter Auftritt, Kabarett im besten Sinn also. Der Applaus war entsprechend heftig. Wolfgang Schweiger