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Wenn die Eifersucht brennt und das Messer locker sitzt

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Gerd Anthoff (am Tisch sitzend von links), Conny Glogger und Michael Lerchenberg präsentierten im vollbesetzten k1-Saal sprachgewaltig drei von Paul Schallwegs »Opern auf Bayrisch«. (Foto: Heel)

Seit den späten 70er Jahren sind sie von den bayerischen Bühnen nicht mehr wegzudenken, Paul Schallwegs »Opern auf Bayrisch«. Kleine Sprachkunststücke, in denen der 1998 verstorbene Münchner Mundartautor, Brauchtums- und Kulturförderer weltberühmte Opern parodistisch ins Bayerische übertragen hat, pointiert, witzig und mit viel Sinn für bayerische Lebensart. So verpflanzte er die »Zauberflöte« an den Königssee, gestaltete »Tristan und Isolde« als »a Liabstragödie mit Wuiderer-Einlage«, oder zeigte in »Carmen«, »wia d’Liab an Sepp zum Mörder gmacht hat«.


Drei dieser insgesamt 25 Opern haben die renommierten Schauspieler Gerd Anthoff, Conny Glogger und Michael Lerchenberg jetzt im vollbesetzten Saal des Traunreuter k1 präsentiert, begleitet von dem Musikerensemble »Opern auf Bayrisch« und dem Percussionisten Werner Hofmeister unter der Leitung von Andreas Kowalewitz. Eine szenische Lesung, wie man sie in dieser Qualität wohl selten erlebt: Sprachgewaltig, perfekt aufeinander eingespielt und mit sichtlichem Vergnügen ließen die drei Schauspieler die unterschiedlichsten Figuren und Konflikte dabei lebendig werden, eingebettet in die ironisierende Musik aus der Feder von Friedrich Meyer und Rolf Wilhelm, die das Opern-Original zwar stets im Auge behielt, ansonsten aber keine Grenzen kannte.

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Der Abend startete mit einem Eifersuchtsdrama, angesiedelt am Spitzingsee, wohin Paul Schallweg die Handlung von Ruggero Leoncavallos Oper »Der Bajazzo« verlegt hatte, umgetitelt in »Der Bajazzo – oder: Der Jaager vom Spitzingsee«. Eine hochemotionale Geschichte um besagten Jäger, ein »Naturereignis von einem Mann«, der sich leider in die Falsche verliebt und am Ende nebst seiner Angebeteten erstochen daliegt.

Weiter ging es mit der Frage, wo sich am Starnberger See noch eine Jungfrau finden lässt, denn nur eine solche kann bekanntlich den Fliegenden Holländer aus Richard Wagners gleichnamiger Oper erlösen. Die Antwort lieferte »Der Fliagade Holländer – oder: »wia de Zenze von Leoni durch ihran Opfertod an Seefahrer aus der Verdammnis grett’ hat«. In Dirndl und Lederhose gekleidet, sehen sich die beiden im bayerischen Paradies wieder. Nix mit Erlösung gibt es hingegen für den »Graf Hallodri von Lenggrias«, frei nach Mozarts »Don Giovanni«, bei Paul Schallweg ein sexsüchtiger Unhold, der nach allerhand Schandtaten vom Blitz getroffen wird und zu einem Häufchen Asche schmilzt.

Aber nicht nur das Schauspielertrio begeisterte an diesem Abend mit seiner Leistung. Sehr zum Vergnügen trugen auch die Musiker bei, die mit einem virtuosen Mix aus Volksmusik, Jazz und Schlagern die Textpassagen ergänzten bzw. keck kommentierten, indem sie etwa den Mord des Grafen Hallodri am Vater der Annamirl mit Kurt Weills »Mackie Messer« aus Brechts Dreigroschenoper untermalten.

Schräg, eigenwillig und mit sichtlicher Freude am ausgelassen Spiel war auch das Wirken des Percussionisten Werner Hofmeister, dem ein beträchtliches Arsenal an Schlagwerk, von der Weinflasche, Kuhglocke und Bratpfanne bis zur blechernen Wärmflasche, zur Verfügung stand. Wobei vieles improvisiert wirkte, dabei aber exakt auf den Punkt trainiert war.

Kurzum, Opern können auch Spaß machen, und so war es nicht verwunderlich, dass das Publikum stürmisch nach einer Zugabe verlangte. Zwar drohte Gerd Anthoff erst mit dem »Ring des Nibelungen« – »Wollt’s des wirklich hörn?«, ließ es dann aber gut sein und begnügte sich mit einer Fünf-Minuten-Version der Puccini-Oper »Madame Butterfly« respektive »Madam Batterflei oder wia a herzloser Ami a liabs kloans Japaner-Madl sitzn hat lassn«, bevor er das Publikum mit den Worten: »Aus is, gar is – Harakiri« entließ. Wolfgang Schweiger

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