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Wenn die Katastrophe näher rückt

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Er hat nach 40 Jahren alle lieb, Feindbilder wie Verwandtschaft: der Passauer Kabarettist Sigi Zimmerschied. (Foto: Heel)

40 Jahre auf der Bühne und kein bisschen milde (geworden). So könnte man den Auftritt des Kabarettisten und Schauspielers Sigi Zimmerschied in der ausverkauften Traunsteiner Kulturfabrik NUTS deuten, wo er in einer Vorpremiere sein neues Programm »Tendenz steigend – Ein Hochwassermonolog« vorstellte, inspiriert vom letzten Hochwasser in seiner Heimatstadt Passau im Juni 2013 und so bissig und wortgewaltig wie gewohnt. Auch wenn er gleich eingangs betonte, dass er seine eigenen Feindbilder satt habe und sie nun alle mögen würde, den ganz normalen Österreicher ebenso wie den Passauer Weihbischof.


Ja, sogar die eigene Verwandtschaft habe er mittlerweile lieb gewonnen, Angelika und Gaby, das lesbische Pärchen mit Sohnemann Nelson Elton Maria und Kampfhund Caligula, denn »der Tarzan wurde von Affen aufgezogen, und aus dem ist auch was geworden.« Sorgen bereitet ihm hingegen sein jüngster Neffe Berti, der Orientalistik studiert, nicht mehr zum Rasieren kommt und in Syrien ein Praktikum machen möchte. Mit dem stimmt doch was nicht, oder? Und was ist eigentlich mit den Leuten los, die ohne elektronische Fußfessel, sprich: I-Phone, und moderne Varianten des Behindertenausweises (=Apps) nicht mehr leben können? Und wer denkt an die armen Schweine vom BND, die in Pullach auf Staatskosten solange saufen müssen, bis sie all ihre Geheimnisse vergessen haben, ein Vorgang, vergleichbar mit den Rückstauflächen entlang der Flüsse?

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So kam er vom Hundertsten ins Tausendste, von der Magie des Zufalls über das Sprach–boarding eines Hubert Aiwanger bis hin zu seinem Bekannten Erwin Mandl, Fraktionsvorsitzender und »ein freundlicher Depp, denn er soll ja die Mehrheit repräsentieren«, wobei ihm als roter Faden hastig eingeworfene Wasserstandsmeldungen von bedrohlich steigender Tendenz sowie Verwünschungen des Inns dienten. Sehr unterhaltsam das Ganze, zumal sich der Kabarettist immer wieder unters Publikum mischte und keinerlei Berührungsängste zeigte, aber auch ein wenig schwierig, ihm bei seinen zügig vorgebrachten Gedankensprüngen und Assoziationen zu folgen bzw. diese einzuordnen.

In einem anschließenden Gespräch verriet mir Sigi Zimmerschied, dass er nach Kabarett und Schauspielerei jetzt auch unter die Romanautoren gegangen sei. Der Titel seines ersten Buches lautet »Der Komparse«, soll in etwa einem Jahr erscheinen, und handelt von einem unscheinbaren Mann Mitte 40, der durch seine Mitwirkung beim Film eine Art Dr. Jekyll/Mr. Hyde-Verhalten entwickelt. Eine rein fiktive Figur, wie er betonte. Wolfgang Schweiger