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Eröffnungskonzert der Alpenklassik-Festwoche in der voll besetzten Konzertrotunde Bad Reichenhall

Wenn Dozenten als Solisten brillieren

Zahlreich war das Publikum zum Eröffnungskonzert der Festwoche Alpenklassik erschienen und füllte die Konzertrotunde in Bad Reichenhall für einen außergewöhnlichen Abend. Mit Grußworten leiteten Kurdirektorin Gabriella Squarra, zweiter Bürgermeister Manfred Hofmeister, der Vorsitzende des Trägervereins der Philharmonie, Harald Labbow, und Hochschulpräsident Bernd Redmann das Konzert ein.

Ulf Wallin und Wen-Sinn Yang spielten zur Eröffnung der Festwoche Alpenklassik ein bravouröses Doppelkonzert von Johannes Brahms. (Foto: Aumiller)

Mozart hat das Konzert für Fagott und Orchester B-Dur KV 191 als 18-Jähriger geschrieben – sein einziges Solokonzert für das Fagott. Das tiefe Instrument der Holzbläsergruppe hat seinen Platz meist als ein wichtiger Bestandteil des Orchesters, ist aber als Soloinstrument seltener anzutreffen. Wenn es so trefflich gespielt wird wie vom Norweger Dag Jensen, wünscht man sich mehr Solistisches von diesem Blasvergnügen.

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Reiche Melodik mischt sich mit virtuosem Anspruch

Dag Jensen kostete den sonoren warmen Ton klangsensibel aus und punktete mit ausdrucksstarker Phrasierung und eleganten Legatolinien. Reiche Melodik mischte sich mit virtuosem Anspruch und war ein dankbares Futter für den Fagottisten. Mit den Geigen ging er einen feinen Dialog ein und zeigte mit einschmeichelnder Lyrik, dass das Bassinstrument keineswegs, wie so oft, nur der polternde Orchestergeist ist, sondern auch edle Kantilenen zu bieten hat. Wenn Mozart und Jensen im 3. Satz das Fagott auch einen lustigen Burschen sein ließen, sprang die Freude vom Spieler auf die Zuhörer erneut über. Die begleitenden Orchestermusiker waren allesamt bemüht, ihr Bestes zum Niveau des Solisten beizutragen, waren aber bei den Einsätzen nach den Kadenzen nicht ganz schlüssig.

Michael Schäfer, Professor an der Münchner Musikhochschule, war der Solist im Beethoven-Konzert für Klavier und Orchester N1.1 C-Dur op. 15. Eigentlich ist es das zweite Klavierkonzert Beethovens, das er als Dreißigjähriger uraufgeführt hat, während er sein wirklich erstes, das als 2. Konzert in B-Dur gezählt wird, als 14-Jähriger schrieb. Das C-Dur-Konzert ist gespickt mit virtuosen Anforderungen. Beethoven hat es für seinen eigenen pianistischen Anspruch konzipiert und jeder heutige Pianist hat damit alle Hände voll zu tun.

Schäfer spielte die Läufe brillant, ließ sie in rasantem Tempo, aber mit Leichtigkeit fließend, zu irisierenden Klangkaskaden werden. Überhaupt waren seine Tempi vorwärtsdrängend. Der Bravour gab er kraftvolle Nahrung, vor allem auch in der langen Kadenz, vermutlich Beethovens Originalkadenz, die beinahe ein zusätzliches kleines Klavierkonzert darstellt.

Dirigent Christoph Adt spornte die Musiker an, bei Beethoven so richtig loszulegen, um zu beweisen, was sie so drauf haben, und sie erzeugten beachtliche Lautstärke in der etwas schwierigen Akustik der Konzertrotunde. Schäfer hatte hier sein Publikum gefunden, er wurde frenetisch gefeiert für sein bravouröses Beethoven-Spiel.

Der schwedische Geiger Ulf Wallin, Professor an der Berliner Hochschule Hanns Eisler und der Münchner Cellist Wen-Sinn Yang spielten das Doppelkonzert für Violine, Violoncello und Orchester a-Moll op. 102 von Johannes Brahms. Waren die beiden vorausgegangenen Konzerte eher den Frühwerken der Komponisten zuzuordnen, ist das Doppelkonzert von Brahms aus seiner späten Schaffensperiode. Entstanden ist es als Versöhnungsgeste mit dem befreundeten Geiger Joseph Joachim, mit dem sich Brahms entzweit hatte und dem er dann den Violinpart schrieb und die Komposition kommentarlos zukommen ließ.

Die Musiker demonstrieren musikalische Gleichgesinntheit

Wallin und Yang mussten sich nicht erst versöhnen, sie dokumentierten ihre musikalische Gleichgesinntheit aufs Schönste. Die kantablen Themen des Konzerts brachten sie zu feiner Blüte. Wallins Violine entwickelte Silberglanz und Yangs wunderbar warm leuchtender Celloton berührte besonders in der gefühlvollen Feinheit kantabler Lyrismen.

Große Virtuosität bewiesen beide im Finalsatz mit rhythmischer Impulsivität, mit forschen Wechseln zwischen beruhigten Legatolinien und aufmüpfigen Staccati. Es war pure Freude, ihnen zuzuhören. Das Orchester ging auch hier wieder voll aus sich heraus, hatte gewiss seine Meriten und eindrucksvollen Momente, drohte aber die Solisten zwischendurch zuzudecken. Das tat der Begeisterung des Publikums keinen Abbruch und alle Mitwirkenden wurden mit großem Beifall bedacht. Elisabeth Aumiller