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Wenn ein Maler einen Kollegen porträtiert

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Der Maler Neo Rauch mit seiner Ehefrau Rosa Loy im Hintergrund auf einem Gemälde von Walter Angerer dem Jüngeren. (Foto: Morgenroth)

Seit mehr als zwei Jahrzehnten ist die Kunstakademie in Bad Reichenhall in der alten Saline ein Forum und eine Begegnungsstätte, in der angesehene und bekannte Künstler wie Markus Lüpertz, Gerhard Almbauer, Bernhard Vogel, Peter Casagrande, Rosa Loy, (Ehefrau von Neo Rauch), Sigi Braun (1928-2016) oder Walter Angerer der Jüngere ihr fundiertes Wissen und professionelles Können an die Seminarteilnehmer weitergeben.


Damit ist die Kunstakademie im Laufe der Jahre eine wichtige Plattform für Kunstbegeisterte und kreativ arbeitende Menschen geworden. Der in Siegsdorf lebende und dort arbeitende Künstler Walter Angerer d. J. unterrichtet seit 1995, dem Gründungsjahr der Bad Reichenhaller Akademie, als Dozent jedes Jahr mit seinem reichhaltigen Wissen und Können die Akademieschüler.

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Bei einem unerwarteten Zusammentreffen in der Reichenhaller Akademie von Rosa Loy und ihrem Ehemann Neo Rauch mit Walter Angerer reifte bei Letzterem während des Gesprächs die Idee, Neo Rauch zu porträtieren. Spontan fragte er Rauch, ob er ihn zu diesem Zweck fotografieren darf. Rauch sagte zu und so entstand einige Monate später das im typischen »Angerer-Stil« gefertigte Gemälde in Acryl auf Leinwand. Im Vordergrund des Gemäldes ist Neo Rauch zu sehen und nahezu skizzenhaft im Hintergrund auf der rechten Seite seine Ehefrau, die Malerin Rosa Loy.

Der 56-jährige Maler und Hochschullehrer Neo Rauch gilt als Wegbereiter der »Neuen Leipziger Schule«. Er studierte bei Bernhard Heisig und Arno Rink und arbeitete als Assistent von Arno Rink an der Leipziger Akademie. Von Arno Rink waren jüngst in Aschau im Chiemgau anlässlich des 25-jährigen Jubiläums des Vereins »Kunst und Kultur zu Hohenaschau e.V.« großformatige Werke mit dem Titel »Die Poesie der Welt« zu sehen.

Neo Rauch hat seine erste große Einzelausstellung im Jahr 2000 in der Galerie für Zeitgenössische Kunst in Leipzig ausgerichtet. Seit dieser Zeit sind seine Werke in namhaften Museen in Europa und den USA zu sehen. Seine Bildwelt ist von einer leuchtend opaken Farbigkeit geprägt und zeigt Figuren in sich überlappenden Räumen und Zeiten. Von Pop Art und Comic beeinflusst steht Rauchs Werk dem magischen Realismus und Surrealismus nahe.

Auch Walter Angerers Arbeiten besitzen eine Affinität zum Surrealismus. So wurde er schon des öfteren als »Bayerischer Surrealist« bezeichnet. Das Porträtieren von Persönlichkeiten ist eines der signifikantesten Ausdrucksmittel in Angerers Oeuvre. Dabei kommt es dem Maler nicht unbedingt auf Perfektion an, sondern das Aufzeigen eines unverkennbaren Eindrucks. Seine Porträts haben eine Suggestivkraft wie Grafiken.

Das großformatige, 80 mal 100 Zentimeter große Porträt zeigt den Künstler Neo Rauch in seiner vollen Präsenz. Trotz Verdichtung und Verfremdung von Details mittels Farbpartien kommt es Angerer primär immer darauf an, den Eindruck der Authentizität zu erhalten. Der Siegsdorfer Maler komponiert oftmals charakteristische Details hinzu, und lässt zugleich Formen und Elemente weg. Angerers Stil gründet sich in eigener Technik, Farbgebung und »Bildstrukturen«. Er verwendet Simultan- und Komplementärkontraste und beschränkt sich häufig auf ausdrucksstark leuchtende Farben. Auch werden durch Vergrößerung und Vereinfachung die Bildnisse verfremdet und auf diese Weise neu lesbar gemacht. Der Mensch ist seit fast 50 Jahren das Hauptthema im Kunstschaffen des Malers. Gabriele Morgenroth

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