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»Wenn es ernst wird, muss man lügen«

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Viel Stoff für seinen satirischen Jahresrückblick lieferte das Jahr 2016 dem Kabarettisten Django Asül. (Foto: Heel)

Wieder einmal in Bestform präsentierte sich der Kabarettist Django Asül bei seinem satirischen Jahresrückblick 2016 im ausverkauften Saal des Traunreuter k1, wo er gewohnt scharfzüngig, pointensicher und temporeich das (nicht nur) politische Geschehen des gerade abgelaufenen Jahres aufs Korn nahm. Einen Tag später gastierte er mit dem Programm in Bad Reichenhall.


Ein Jahr, das laut dem Kölner Polizeibericht sehr entspannt begonnen habe, auch wenn sich 1000 Rheinländer, als Nordafrikaner verkleidet, grapschend und pöbelnd auf der Domplatte herumgetrieben hätten, wie der Kabarettist klarstellte. Ein Phänomen, für das allein Claudia Roth wieder einmal die richtigen Worte gefunden habe: »Das Problem ist nicht die Herkunft, sondern das Geschlecht«.

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Der Polizeieinsatz des Jahres habe allerdings in Sachsen stattgefunden, so Django Asül weiter. Dort sei der Terrorist Albakr nämlich nur deswegen entwischt, weil die Beamten infolge ihrer (über)schweren Schutzwesten nicht schnell genug laufen konnten. Eher amüsant war hingegen, was der Kabarettist von einer Undercover-Aktion des LKA Rheinland-Pfalz zu berichten wusste. Um die Hell’s Angels besser ausforschen zu können, habe man etliche Beamte als Rocker ausstaffiert und sie zu den entsprechenden Bikerlokalen geschickt. Allerdings nicht auf Motorrädern, sondern in einem Kleinbus! Kein Wunder also, dass Innenminister Thomas de Maizière angeregt habe, in besonders von Wohnungseinbrüchen betroffenen Gegenden Bürgerpatrouillen ins Leben zu rufen.

Der Aufreger des Jahres war natürlich der Wahlsieg von Donald Trump, »Amerikas Antwort auf Markus Söder und der erste Aprilscherz im November«. Beim Wort des Jahres, nämlich »postfaktisch«, fragte sich der Kabarettist, ob die postfaktische Zeit nicht auch hierzulande längst angebrochen sei. Schließlich habe Jean-Claude Juncker schon vor Längerem die schöne Aussage getroffen: »Wenn es ernst wird, muss man lügen«, und »wenn die Unwahrheit interessanter klingt als die Wahrheit, glaubt man eben die Unwahrheit«, so das deprimierende Fazit des Kabarettisten. Entsprechend rau sei auch der Umgang in der Politik geworden: »War es früher üblich, bei Differenzen mit der Gegenseite eben diese Differenzen zu beseitigen, möchte man jetzt die Gegenseite beseitigen«. Eventuell sogar mit dem Mittel der Todesstrafe, wie derzeit in der Türkei diskutiert. In diesem Zusammenhang hatte Django Asül auch gleich einen heißen Tipp für EU-Aussteiger parat: Einfach die Todesstrafe einführen, und schon könne man sich das lästige Referendum sparen. Und damit auch Fragen wie: »Was ist ein Brexit, und wer ist schuld daran?«

Erstaunlich milde ging der Kabarettist dagegen mit den etablierten Parteien und deren Vertretern um. Dem zukünftigen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier warf er zwar vor, während seiner Amtszeit als Außenminister weder von den Amerikanern noch von den Russen ernst genommen worden zu sein, ansonsten gab es kaum böse Worte. Einzige Ausnahme waren die Grünen, für die »der Rechtsextremist des Jahres Boris Palmer war«. Hatte der Oberbürgermeister von Tübingen (und selbst ein Grüner) es doch gewagt, auf die Genfer Flüchtlingskonvention zu verweisen, wonach ein Flüchtling abgeschoben werden kann, wenn er zur Gefahr wird.

Zum Abschluss hatte Django Asül dann noch eine gute Nachricht auf Lager: So habe ein namhafter Flirtcoach geraten, Flüchtlinge sollten zunächst einmal nicht die Sprache, sondern das Flirten lernen. Dann stehe einer erfolgreichen Integration nichts mehr im Weg. Wolfgang Schweiger