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Wenn Gliedmaßen Rätsel aufgeben

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Thomas Bogenberger untermalt einige Textpassagen seiner Lesung musikalisch mit Gitarren-Blues.

Thomas Bogenberger stellte im Studio 16 Auszüge aus seinem ersten Krimi »Chiemsee Blues« vor. Wortgewandt, mit scheinbar leichter Feder aus den Fingern geflossen, präsentiert sich das Erstlingswerk. Das Lokalkolorit von Prien und Umgebung ist mit Liebe beschrieben, die Protagonisten haben sympathische Charakterzüge inklusive Ecken und Kanten und kleineren, menschlichen Fehlern und Bedürfnissen.


Bogenberger liebt seine Figuren und verleiht ihnen Lebendigkeit. Dialoge in bayerischer Mundart fehlen selbstverständlich auch nicht und mal so ganz überhaupt hat Thomas Bogenberger ein sehr gutes Händchen für anschauliche Beschreibungen aus einem schier unerschöpflichen Fundus bunter Adjektive sowie ein gutes Gespür für humorvolle Beschreibungen von Personen, Örtlichkeiten und Begebenheiten aus Gegenwart und Vergangenheit.

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Obwohl es schon ein Vergnügen ist, den »Chiemsee Blues« zu lesen, verleiht sein persönlicher Vortrag dem Ganzen noch mehr Schwung. Die Dialoge gewinnen durch die zielsicher wechselnden Stimmlagen noch mehr an Farbe, in der Rolle des Erzählers blitzt nicht selten der Schalk und die eigene Freude an den Wortspielen zwischen den Buchstaben hervor. Das Publikum lauscht gespannt und scheint jede noch so kleine Information förmlich aufzusaugen. Und wie so ganz nebenbei greift der Schriftsteller und Musiker gelegentlich zur Gitarre, um die Textpassagen charakteristisch zu untermalen. Einen langsamen bayerischen Blues spielt er zum Beispiel, »weil der Blues eigentlich aus Bayern kommt, und außerdem nicht nur Musik ist, sondern auch ein melancholisches Grundgefühl, das über allem liegt«. Und einen kleinen Cocktail aus anderen sehr angenehmen Stücken, teils gepfiffen, aber nicht geschüttelt und auch nicht gerührt.

Eine abgetrennte Hand wird am Karfreitag von Urlaubern in einem Aussichtspavillon in Prien gefunden. Falls es einmal verwertbare Spuren gegeben haben sollte, wurden diese von den beiden Ruhrgebietsbewohnern erstklassig in Grund und Boden getrampelt. Zu allem Überfluss quatschen Vater und Sohn mit ihren wortreichen, ausschweifendenden Aussagen die Ermittler auch noch in selbigen. Eine weitere fachmännisch abgetrennte und sauber ausgeblutete Hand wird aus dem Latona-Brunnen auf der Herreninsel von einem Hund apportiert. Und dann taucht auch noch ein Fuß auf: Im Beichtstuhl der Fraueninsler Kirche, die deswegen ausgerechnet am Ostersonntag geschlossen bleiben muss. Kommissar Hattinger und seine Truppe haben alle Hände voll zu tun, und wie sollte es anders sein, die Presse sitzt ihnen bereits breit im Nacken.

Hattinger ist mit Leib und Seele Wasserburger: dort geboren, aufgewachsen, zur Schule gegangen, überhaupt alles Wasserburg, und jetzt wohnt er endlich auch wieder da. Und weil er Rosenheim nicht mag und Wasserburg doch ein Stück weit weg ist, hat er eigentlich gar nicht so viel dagegen, in dieser, abgesehen von den Leichenteilen, idyllischen Chiemseeecke für ein paar Tage seine Zelte aufzuschlagen. Hattinger hat auch ein Privatleben mit Namen Mia. Zwischen den beiden herrscht allerdings gerade dicke Luft, da die knisternde Zweisamkeit der Beiden ausgerechnet an Mias Geburtstag wegen dieser unseligen Geschichte ein überstürztes Ende findet. Seine späteren Versöhnungs- und Entschuldigungsversuche scheitern zum einen an gelegentlichen Anwandlungen seiner liebenswerten Tolpatschigkeit, zum anderen an einem alten Konkurrenten, der plötzlich wieder bei seiner Angebeteten aufgetaucht ist.

Die Körperteile gehören zu einer weiblichen Leiche, 30 bis 40 Jahre alt, »post mortem abgetrennt«, aber es gibt keine »passende Vermisstenanzeige«, und nichts weiter, außer Teilen eines regionalen Anzeigenblattes und einem Groschenroman. Sie suchen das Haus der angeblich seit Monaten verreisten Verfasserin auf …

Der in Prien lebende und mit Ariela, der Tochter von Veronika Fitz, verheiratete Autor arbeitet bereits an einen weiteren »Hattinger-Krimi«, der voraussichtlich im nächsten Frühjahr in den Regalen stehen wird. Die Premiere des ZDF-Films »Hattinger und die kalte Hand« mit Michael Fitz in der Rolle des Kommissars findet am 2. Juli beim Münchner Filmfest in der Reihe »Neuer Deutscher Fernsehfilm« statt und wird vermutlich dann im Herbst ins Fernsehen kommen, berichtete Thomas Bogenberger abschließend. Maria Ortner