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»Wenn ich male, bin ich glücklich«

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Hildegard Bauer-Lagally bei der großen Ausstellung 2014 im Kulturzentrum in Traunstein, wo ihre Marokko-Bilder gezeigt wurden. (Foto: Giesen)

Die Kunstszene im Chiemgau und weit darüber hinaus ist um eine bedeutende Malerin und große Persönlichkeit ärmer geworden: Hildegard Bauer-Lagally ist nach kurzer Krankheit im Alter von 97 Jahren verstorben. Noch bis wenige Monate vor ihrem Tod war ihr liebster Platz vor der Staffelei, so wie ihr ganzes Leben lang. »Wenn ich male, bin ich glücklich«, sagte sie oft und bedauerte, wenn sie nicht mehr Zeit dafür aufbringen konnte.


Geboren am 10. Januar 1921 in Cham im Bayerischen Wald spielte ihr Vater Dr. Hermann Lagally eine wichtige Rolle für ihre künstlerische Entwicklung. Bei ausgedehnten Spaziergängen in der Natur lehrte er sie das genaue Beobachten und hielt sie zum Zeichnen und Malen des Gesehenen an. Später studierte HBL, so ihr Kürzel, Kunst an der Malschule von Hein König in München und einige Semester an der Kunstakademie in der Malklasse von Constantin Gerhardinger und Peter Kalman.

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Mit ihrem Mann, Dr. Günter Bauer, lebte sie dann 25 Jahre lang in Düsseldorf und zog drei Kinder auf. Mit ihm unternahm sie auch weite Reisen, darunter Frankreich, die Osterinseln und besonders nach Marokko, was sich nachhaltig in ihren Bildern niederschlug. Die wunderbaren Landschaften und reiche Ornamentik des Orients faszinierten sie. Schon 1930 hatte ihr Vater den Thomahof in Arlaching bei Seebruck direkt am Chiemsee erworben, wo HBL seit 1977 dauerhaft lebte und arbeitete.

Hildegard Bauer-Lagally hat ein ungemein umfangreiches, vielfältiges Oevre und einen wahren Schatz an visuellen Gedanken hinterlassen. Gemeinsames Kennzeichen der Bilder ist die intensive Auseinandersetzung mit Licht, Form, Farbe und der Struktur des Sehens. »Von dieser Malerin kann man Sehen lernen«, schrieb einmal eine Kunstkritikerin. Das Gesamtwerk wird bestimmt von dem spannenden Wechselspiel zwischen Realität und Abstraktion. Nur ganz zu Beginn ihrer Karriere malte sie rein realistisch. Dann verwandelte sich die äußerlich von ihr wahrgenommene Welt, verdichtete sich und fand eine neue Form in dem entstehenden Kunstwerk. Gerade bei den von HBL so genannten »Spiegelungen« oder »Spiegelbildern« führten die serielle Aneinanderreihung desselben Motivs und dessen vielfache Überlagerungen und Spiegelungen zur Abstraktion. HBL war immer am Suchen und Experimentieren, jederzeit offen für neue Eindrücke. Am liebsten malte sie in Ölfarben. Bei ausgewogener Komposition der Bildflächen verwendete sie oft starke, auch dissonante Töne und Kontraste, erreichte aber durch Farbabstufungen und die Beschränkung auf wenige Farben eine besondere Harmonie.

Bei großen Einzelausstellungen waren ihre Bilder nicht nur in der Region, sondern auch in Süd- und Norddeutschland, Südfrankreich und Paris zu sehen. Ihre schönen, eigenwilligen Gemälde schmücken öffentliche Gebäude in der Region ebenso wie viele Privathaushalte. Hildegard Bauer-Lagally war Großmutter von fünf Enkeln und sechs Urenkeln. Ihre starke Persönlichkeit, die ganz der Kunst verschrieben war, wird in unauslöschlicher Erinnerung bleiben für jeden, der sie kannte und in ihrem Werk weiterleben.

Zum Anlass der Trauerfeier am Samstag um 11 Uhr auf dem Gemeindefriedhof in Chieming findet im Anschluss eine kleine Gedächtnisausstellung im Heimathaus in Chieming, Hauptstraße 20a, statt. Unter dem Motto »Ufer des Lichts« werden Bilder aus den wichtigsten Schaffensperioden von Hildegard Bauer-Lagally gezeigt, von der akademischen Malerei, über die Abstraktion bis zur Spiegelung. Christiane Giesen