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Wenn Lebensfreude auf Schwermut trifft

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Quadro Nuevo zelebrieren ihre Leidenschaft für Weltmusik seit nunmehr 20 Jahren. (Foto: Ortner)

Zweimal volles Haus und begeisterte Beifallsstürme gab es als Belohnung für die beiden Konzertabende von Quadro Nuevo in der Kulturfabrik NUTS für ihr Best-Of-Programm mit Kompositionen und Interpretationen aus 20 Jahren kreativen musikalischen Schaffens.


Auf einem Parkplatz sollen sie sich getroffen haben. Vor gut 20 Jahren. Um zusammen eine Filmmusik für den ORF einzuspielen, obwohl sie sich kaum kannten. Die Legende erzählt, sie hätten die Gage anschließend gemeinsam in einem Casino verplempert. Der Rest ist Geschichte. Bis heute sind Quadro Nuevo in fast allen Kontinenten der Welt zu Gast gewesen und haben sich unzählige treue Fans erspielt. Nicht nur, weil sie so großartige virtuose Musiker sind, sondern auch, weil sie sich für die Musik und Kultur der Länder, die sie bereisen interessieren, sie erkunden und auch selbst ausprobieren, und dabei stets den eigenen Horizont und die eigene Kreativität erweitern.

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Gerade ist das Quartett von einer Reise aus Ägypten zurückgekommen. Die daraus gewonnenen Eindrücke zu verarbeiten und mit eigener Musik umzusetzen wird wohl noch ein Weilchen dauern. Einen Eindruck davon vermittelten Quadro Nuevo aber bereits in ihrem Eröffnungsstück des Abends, das sie schlicht mit »Erik Satie auf ägyptisch« erklärten. Dazu passt die ausführliche und fantasievolle Fernreise nach »Batumi« perfekt als Bindeglied von Gegenwart und Vergangenheit. Mousette-Walzer, Jazz und klassischer europäischer Tango treffen auf schwermütige Leidenschaft Südeuropas. Argentinischer Tango und urbanes Großstadtfeeling wechseln sich mit der leidenschaftlichen Hingabe an Goethes »Italienische Reise« und dem temperamentvollen Soundtrack von »La Strada«.

Ihr Repertoire ist ein furioser Mix aus fabelhaften Eigenkompositionen und unübertroffenen Interpretationen bekannter und unbekannter Musik aus aller Welt. Ausgeschmückt mit schmissigen, teils kühnen und forschen Improvisationen, die jedes einzelne Werk zu einem außergewöhnlichen Unikat machen und das sich niemals gleich anhört, egal wie oft es die vier Ausnahmemusiker Mulo Francel (Klarinetten, Saxofone), D. D. Lowka (Kontrabass, Perkussion), Andreas Hinterseher (Akkordeon, Vibrandoneon, Bandoneon) und Evelyn Huber an der goldenen Harfe zelebrieren.

Es ist die perfekte Vollkommenheit der Sprache der Weltmusik: Des Lebens bittere Süße, die überbordende Lebensfreude, die auf Schwermut und Trauer trifft. Glück, Fantasie und eine bisweilen fast etwas leichtsinnig anmutende Leidenschaft und Kreativität, die alle Grenzen sprengt und mit Neugier und Wissbegierigkeit neue Töne und Liedformen auslotet. Oder wie es Mulo Francel verschmitzt-lapidar erklärt: »Weltmusik, das bedeutet für mich herumreisen und das, was uns an Kultur gefällt und interessiert, auszuprobieren und in unsere Musik einzubauen.«

Es ist die große Kunst von Quadro Nuevo, den Zuhörer stets aufs Neue mit einer zauberhaften, beschwingten Konzertreise mit einer fast an Schwerelosigkeit grenzenden Leichtigkeit durch die aufregende Welt der Musik zu beschenken, die ihnen stets treue und neue Fans beschert. Maria Ortner