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»Wenn nichts geschieht, sitze ich bald im Rollstuhl« – Spendenaktion geplant

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Königssee: Christina Amort lebt mit Lipödem-Erkrankung – Spendenaktion
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Christina Amort will auch in Zukunft eine gesunde Mama für Sohn Vincent sein. (Foto: Tessnow)

Schönau am Königssee – Während des letzten Arztbesuchs erfuhr Christina Amort eine niederschmetternde Nachricht. Ihre bereits diagnostizierte Lipödem-Erkrankung (krankhafte Fettverteilungsstörung) schreitet schnell voran. Wenn nichts Wirksames unternommen wird, könnte sie sogar in zwei Jahren an den Rollstuhl gefesselt sein.


Eine vielversprechende OP kostet allerdings um die 6 500 Euro, und sie bräuchte insgesamt vier dieser Operationen. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten für die Behandlungsmethode aber nicht, da ein Lipödem keine anerkannte Krankheit ist. Die 25-jährige Schönauerin bangt nun um ihre Zukunft und ihre Verpflichtung als Mutter eines zweieinhalbjährigen Sohnes.

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»Meine erste richtige Diagnose erhielt ich im November 2017. Schon während der Pubertät spürte ich, dass mit meinem Körper etwas nicht stimmte. Nachdem mein Sohn Vincent zur Welt kam, verschlimmerte sich mein Zustand«, erzählt Christina Amort. Wenn man sie sich anschaut, ahnt der Betrachter nicht, welche Zukunftsangst in dieser Frau schlummert.

Neben ihr sitzt der kleine Vincent und spielt vergnügt mit einem Spielzeug-Hubschrauber. An seiner rechten Hand zappelt ein bunter Luftballon am Kinderwagen. Doch die harmonische Szene trügt. Vermutlich wird sich Christina Amort bis zum Lebensende mit Lymphdrainagen und Kompressionsstrümpfen herumquälen müssen. Die Effizienz dieser Behandlungsmethoden ist nicht vielversprechend, aber immerhin wird sie von den Krankenkassen mitfinanziert.

Krankenkassen verweigern Operationen

Eine Lipödemerkrankung steht nicht im sogenannten Leistungskatalog des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA). Daher übernehmen Krankenkassen selten die Kosten für einen operativen Eingriff. Ebenfalls steht die Argumentation im Raum, dass der Nutzen noch nicht hinreichend belegt sei. Experten hingegen sind der Meinung, dass nur eine umfassende, zirkulär operative Liposuktion eine nachhaltige Behandlung der betroffenen Bereiche darstellt.

Die Kombination aus KPE (Komplexe physikalische Entstauungstherapie) und Fettabsaugung als Methode des Lipödems verspricht nicht nur Linderung, sondern endgültige Heilung. Dazu Christina Amort: »Der operative Eingriff würde rund 24 000 Euro kosten. Danach wäre das Leiden aber aus der Welt und ich könnte als Mutter meinen familiären Verpflichtungen nachkommen und später auch beruflich wieder tätig sein.«

Selbst Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) forderte, die Liposuktion mit in den Leistungskatalog aufzunehmen. Spahn wurde jedoch barsch von der Opposition aus rechtlichen Verfahrensvorschriften zurückgepfiffen. Über drei Millionen Frauen mit krankhaften Fettverteilungsstörungen leiden in Deutschland täglich darunter, dass die Krankenkassen die Operationen laut Gerichtsurteil nicht übernehmen müssen. Christina Amort ist also längst kein Ausnahmefall. Das Lipödem (Lipohyperplasia dolorosa) wird auch Allen-Hines-Syndrom genannt. Darunter versteht man eine Stoffwechselerkrankung, die mit Zeitablauf voranschreitet und die fast nur bei Frauen auftritt. Es ist eine Störung der Fettverteilung der Unterhaut.

Dabei kommt es zu einer Fettvermehrung, vor allem an Beinen, Hüfte, Gesäß und in einigen Fällen auch an den Armen. Im Krankheitsverlauf bilden sich säulenartige Veränderungen und Deformierungen (Reiterhosensyndrom).

Die Veränderungen an den Gliedmaßen werden anfangs kaum wahrgenommen beziehungsweise für eine normale Gewichtszunahme gehalten. Wenn das Lipödem bereits über Jahre hinweg besteht, kann sich zusätzlich noch ein Lymphödem bilden. Die Schmerzen werden in den Stadien immer stärker, Bewegungseinschränkungen sind die Folge. Fachärzte vermuten als Ursache einen erblichen Faktor oder hormonelle Gründe. Es hat also nichts damit zu tun, dass der Patient ungehemmt viel isst.

Dart-Turnier und Spendenaktion

»Wenn meine Krankenkasse nicht zahlen will, muss ich den bitteren Weg gehen, um das notwendige Geld selbst zusammenzubekommen«, resümiert sie ernüchtert. Es ist ungewiss, wie es bei Christina Amort weitergeht. Partner und Freunde haben sich daher zusammengefunden, um sie finanziell zu unterstützen. Ein mühsamer Weg, wenn man die Kosten kalkuliert.

Maik Kadur entschloss sich daher, als Organisator eine Spendenkampagne zu starten und kontaktierte mehrere Medienanstalten, um das Problem publik zu machen und somit auf finanzielle Unterstützung zu hoffen. Die Dart »Pitbull Crew« organisiert ein Benefiz-Turnier in der Gastronomie »Watz«, wobei das komplette Startgeld gespendet werden soll.

Die Schirmherrschaft hat »Sport Darts Bayern« übernommen. Marcus Gerstl ermöglichte sogar die Einrichtung eines Spendenkontos. »Watz«-Chef Nuno Da Silva Mateus stellt hierfür die Räumlichkeiten zur Verfügung und Dominik Reichenberger schießt zusätzlich seinen Reinerlös aus einem Bosna Stand hinzu. Christina Amort ergänzt: »An dem Turnier kann jeder teilnehmen. Die Veranstaltung ist für den 2. November terminiert. Anmeldungen ab 11 Uhr. Beginn des Turniers um 12 Uhr. Sonstige Infos und Kontaktaufnahme unter 0177/8632032.« Jörg Tessnow